Mieter von etwa 100 Wohnungen im Kreuzviertel haben die Schnauze voll von ihrem Vermieter. Sie beklagen unnötige Modernisierungen und saftige Mieterhöhungen. Die LEG sieht sich im Recht, räumt aber auch Fehler ein.

Dortmund-Innenstadt-West. Spätestens wenn die Miete von einem Tag auf den anderen um 48 Prozent steigt, man nicht mehr 192,40 Euro kalt im Monat zahlt, sondern 286,38 Euro für eine 37-Quadratmeter-Wohnung, dann gehen Mieter auf die Barrikaden. Im Falle der Anwohner der Straßen „Neuer Graben“, „Sonnenplatz“ und „Große Heimstraße“ trifft das aktuell zu.

Mit Bannern an den Außenfassaden wollen die Mieter von Wohnungen am Sonnenplatz auf ihre Situation aufmerksam machen. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

„Mein Bad ist zwar alt, aber ich bin ganz zufrieden damit“, sagt Fabian Menke (30), der seit zehn Jahren am Sonnenplatz wohnt und wie etwa 100 andere Nachbarn im Mai einen Brief von der Wohnungsgesellschaft LEG aus dem Briefkasten fischte. Darin ist die Rede von einer neuen Kellerdeckendämmung, neuen Balkonen, neuen Bäder, einer Treppenhaussanierung inklusive neuer Haus- und Wohnungseingangstüren, neuen Vordächern an den Gebäuden, den erstmaligen Einbau von Gegensprechanlagen sowie in die energiesparende Erneuerung der Außenbeleuchtung.

Bestellt hat diese Maßnahme niemand der Anwohner. Aber am Ende müssen sie die Kosten für die Modernisierung tragen. So zumindest sehen die LEG-Mieter die Situation.

Unnötige Modernisierung der LEG?

Kurios: In manchen Wohnungen kündigte die LEG an, die Bäder zu modernisieren, obwohl erst in den vergangenen Jahren alles neu gemacht wurde. „Die LEG hat keinen Überblick darüber, welche Wohnung sich in welchem Zustand befindet“, sagt eine Anwohnerin (Name liegt der Redaktion vor). Und dafür solle sie dann am Ende mehr Miete zahlen.

Bei der LEG spricht man unterdessen tatsächlich von „Missverständnissen bezüglich des Zustands einzelner Bäder“, wie Sprecher Mischa Lenz auf Dortmund24-Anfrage zugibt. Die LEG, so Lenz, werde jedes der genannten Bäder prüfen und im Einzelfall über das weitere Vorgehen entscheiden. Lenz: „Wir versichern, dass wir Dinge, die nicht erneuerungswürdig sind, selbstverständlich auch nicht austauschen würden.“

Diese Bäder sehen noch relativ frisch aus, sollen aber im Zuge der Modernisierungsmaßnahmen der LEG erneut erneuert werden. Foto: Ida Andrae.

Weiterer Vorwurf der Mieter: Die LEG würde die Wohnungen „übermodernisieren“ und Maßnahmen als Modernisierung deklarieren, obwohl es sich um normale Instandsetzung handle. Letztere müssten aber vom Vermieter gezahlt werden. Dieser Auffassung widerspricht die LEG. „Bei derartigen technischen Aspekten haben unsere Mieter häufig eine andere Wahrnehmung, da sie die technischen Gegebenheiten anders beurteilen als unsere ausgebildeten Fachleute.“ Heißt konkret: „Die Mieter haben keine Ahnung, wir wissen schon, was wir tun.“

Man sei bei der LEG überzeugt, mit der Modernisierung einen Mehrwert für die Mieter zu schaffen. Blöd nur, wenn die Mieter diese Maßnahmen gar nicht wünschen – und dann auch noch saftige Mieterhöhungen hinnehmen müssen. Die LEG sieht die Modernisierung als eine Investition in die Zukunft. Lenz: „Schließlich möchten wir auf lange Sicht unsere Wohnungen an zufriedene Kunden vermieten.“

Modernisierung statt Renovierung

Helmuth Neuwald zum Beispiel ist einer einer dieser Kunden – und maßlos unzufrieden. Er muss nach den Modernisierungsmaßnahmen mit einer Mieterhöhung von 45 Prozent rechnen. Neuwald wohnt seit 2003 am Sonnenplatz. Seitdem, sagt er, sei in dem Haus nichts gemacht worden. „Statt zu renovieren wird hier einfach modernisiert und alles in einen Topf geworfen“, klagt Neuwald. Die LEG würde damit versuchen, die Kosten für normale Instandsetzung auf die Mieter abzuwälzen.

Auch da gibt es Widerspruch von Seiten der LEG. „Dieser Vorwurf entbehrt jeder faktischen Grundlage. Wir halten uns bei allen von uns umgesetzten Maßnahmen an Recht und Gesetz“, sagt Sprecher Lenz. Als Grundlage für die „die anteilige Umlage von Modernisierungskosten auf die Mieter“ sei der Paragraf 559 im BGB (Bürgerliches Gesetzbuch).

Danach kann ein Vermieter die Kosten für die Miete erhöhen, wenn Modernisierungsmaßnahmen getroffen wurden. Neue Balkone oder Gegensprechanlagen gehören dazu. Diese Maßnahmen können, müssen aber von einem Vermieter nicht durchgeführt werden. Für manche Mieter ist am Ende also nicht die LEG der Schuldige, sondern die Politik, die diese Gesetzte geschaffen hat.

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Die Mieter an der „Große Heimstraße“, dem Sonnenplatz und der Straße „Neuer Graben“ raffen sich auf. Vorne im Bild (blaues Kleid): Tine Twittmann, die die Proteste der Mieter koordiniert. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Dass damit am Ende Mieter aus den teureren Wohnungen verdrängt werden könnten, riskiert die LEG. Sie kündigt an, in solchen Fällen günstigere Wohnungen aus dem Bestand anbieten zu wollen. „Wir können nicht aufgrund von Einzelfällen auf Mieterhöhungen verzichten und würden unter Umständen riskieren, dass unsere Bestände nicht weiterentwickelt werden. Das wäre nicht wirtschaftlich und nicht im Sinne unserer Mieter“, sagt Mischa Lenz.

Ob das die vielen betroffenen Anwohner im Kreuzviertel verstehen, ist fraglich. Sie haben bereits angekündigt, mit allen Mitteln gegen die Maßnahmen der LEG vorzugehen. Eine Mieterinitiative organisiert das Vorgehen, der Mieterverein unterstützt. Auch die Politik wurde informiert. Die Geschütze von Seiten der Mieter sind also aufgefahren.

Mit dem Wohnungsunternehmen LEG gibt es in Teilen Dortmunds derzeit Probleme, weil saftige Miererhöhungen einfach abgebucht wurden – obwohl sowohl der Mieterverein als auch die Mieter am Sinn der vorgenommenen Modernisierungen in den Häusern zweifeln.