Polizei droht mit Konsequenzen

Bande aus 40 Jugendlichen terrorisiert Stadtteil in Dortmund - erster Jugendlicher (15) festgenommen 

Das erste der Mitglieder der gefürchteten Jugendbande aus Dortmund-Aplerbeck wurde festgenommen. 
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Das erste der Mitglieder der gefürchteten Jugendbande aus Dortmund-Aplerbeck wurde festgenommen. 

Jugendliche versetzen derzeit einen ganzen Stadtteil von Dortmund in Angst. Es geht um Bedrohungen und Gewalt. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft.

  • Jugendliche begehen immer wieder Straftaten im Dortmunder Stadtteil Aplerbeck.
  • Die Polizei in Dortmund kennt die Täter und verstärkt ihre Präsenz vor Ort.
  • Fünf der etwa 40 Jugendlichen begehen Straftaten, der Rest verhält sich unangemessen.

Update, Freitag (5. Juni), 14.10 Uhr: Seit mehreren Wochen versetzt eine Bande aus Jugendlichen den Dortmunder Stadtteil Aplerbeck in Angst und Schrecken. Regelmäßig bedroht und verunsichert die knapp 40 Mann starke Truppe Passanten und Gleichaltrige. 

Nun hat die Polizei erste Maßnahmen ergriffen und das erste Bandenmitglied festgenommen. Der Jugendliche wird verdächtigt Raubüberfälle, schwere räuberische Erpressungen und gefährliche Körperverletzungen begangen zu haben - und ist erst 15 Jahre alt

Dortmund-Aplerbeck: Erstes Mitglied von jugendlicher Bande festgenommen 

Grund für die Festnahme: Bei dem 15-Jährigen bestand Wiederholungsgefahr. Das Amtsgericht hat deshalb bereits am Dienstag (2. Juni) einen Haftbefehl gegen den Jugendlichen erlassen. Die Polizei nahm den 15-Jährigen daraufhin fest.

Gegen einen zweiten Jugendlichen wird derzeit noch ermittelt. Auch er gilt als "Intensivtäter". 

Erstmeldung, Mittwoch (3. Juni), 11.48 Uhr: Dortmund - Sie sind jung, aggressiv - und versetzen einen ganzen Stadtteil in Angst und Schrecken. In Dortmund-Aplerbeck sorgt derzeit eine etwa 40 Mann starke Truppe aus Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren für Unsicherheit in der Bevölkerung.

Ort

Dortmund-Aplerbeck

Fläche

24.980 km²

Einwohner

55.569 (31. Dez. 2018)

Während manche von ihnen heftige Straftaten begehen, verhalten sich andere "nur" unflätig gegenüber Passanten und pöbeln sie an, heißt es von der Dortmunder Polizei.

Die Jugendlichen halten sich vorzugsweise im Zentrum von Dortmund-Aplerbeck auf. Auch an der Schweizer Allee - an der es mehrere Schulen gibt - und an Skaterpark sind sie zu finden.

Dortmund: Jugendliche sorgen in Aplerbeck für Angst, fünf begehen Straftaten

Von den 40 Jugendlichen begehen laut Aussagen der Ermittler nur fünf Straftaten. Die Polizei stuft zwei der fünf als Intensivtäter ein.

Jugendamt, Staatsanwaltschaft und Polizei haben die Truppe bereits auf dem Schirm. Im 2016 eröffneten "Haus des Jugendrechts" arbeiten die Behörden bereits Hand in Hand, um kriminelle Karrieren möglichst zu verhindern.

Dortmund-Aplerbeck: Jugendliche üben Gewalt aus

Bestimmte Uhrzeiten haben die aggressiven Jugendlichen indes nicht, an denen sie in Dortmund-Aplerbeck für Angst sorgen. Sie treten zu verschiedenen Tageszeiten in Erscheinung, auch Mädchen sind unter ihnen.

Was die Polizei weiß, ist, dass viele der Jugendlichen in "extrem schwierigen Familienverhältnissen" leben. Teilweise hielten sie sich überwiegend auf der Straße auf.

Jugendliche kommen aus verschiedenen Stadtteilen nach Aplerbeck

Nach Dortmund-Aplerbeck, in den Südosten der Westfalenmetropole, kommt die Gang aus den verschiedensten Stadtteilen. Die Polizei weiß, dass sie aus Derne, Wickede, Hörde oder Brackel nach Aplerbeck kommen. Sogar aus Unna, im benachbarten Kreis, sollen einige nach Dortmund kommen.

Verdächtigt werden sie zum Beispiel, andere Jugendliche am Tag und in der Nacht zu überfallen. Schläge und Tritte sollen dabei zum Einsatz kommen. Die Polizei gibt an, stets schnell zur Stelle zu sein und die Täter dingfest zu machen. Doch die Angst bei den Opfern bleibt dennoch.

Polizei verstärkt Präsenz in Dortmund-Aplerbeck und will Gewalt verhindern

Die Dortmunder Polizei hat deshalb bereits auf den Missstand reagiert und die Präsenz in Aplerbeck verstärkt. Polizeipräsident Gregor Lange nennt die Raubüberfälle "eine starke Belastung für die Opfer" und die Straftaten eine "Verunsicherung im Stadtteil".

Gregor Lange, Polizeipräsident von Dortmund, fordert Bürger auf, Straftaten der Jugendliche von Aplerbeck zur Anzeige zu bringen.

Als erstes Mittel will die Polizei Dortmund 24-Stunden-Platzverweise für diejenigen aussprechen, die für Verunsicherung sorgen. Ein ähnliches Mittel setzten die Einsatzkräfte derzeit auch am Phoenix See ein, um dort für Ruhe vor Auto-Posern zu sorgen. Sogar mehrwöchige "Bereichsbetretungsverbote" könnten folgen. Indes wollen die Ermittler die Identitäten der Jugendlichen feststellen, um nachhaltig gegen sie vorgehen zu können.

Unterdessen droht Polizeipräsident Gregor Lange sogar mit Untersuchungshaft für die Jugendlichen. Bei Bedrohung, Körperverletzung, Raub und räuberischer Erpressung in der hohen Zahl sei die Haft nicht ausgeschlossen, sagt Lange.

Video: Wird die Jugend krimineller? - "Das Gegenteil ist der Fall"

Der Polizeipräsident: "Die in Aplerbeck aufgefallenen Jugendlichen wären nicht die ersten, die wir mit Unterstützung der Staatsanwaltschaft in die Untersuchungshaft gebracht haben."

Und auch die Bürger können nun etwas tun, um am Missstand etwas zu ändern: Die Polizei Dortmund (hier mehr Artikel aus der Stadt bei RUHR24.de lesen) fordert Betroffene auf, Straftaten zu melden und zur Anzeige zu bringen.

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