Anlieger-Regel ist weit gefasst

B1 in Dortmund: Immer noch massiver Lkw-Verkehr trotz Fahrverbot - Zahlen sind deutlich

B1 Lkw Dortmund Fahrverbot
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Seit März 2020 gilt auf der B1 durch Dortmund ein Fahrverbot für Lkw.

Auf der B1 in Dortmund gilt ein Fahrverbot für Lkw. Es gibt jedoch eine Ausnahme. Deshalb sind immer noch viele 7,5-Tonner auf der Bundesstraße unterwegs.

Dortmund - Seit neun Monaten dürfen Lkw mit einer Last von über 7,5 Tonnen sowohl nachts als auch tagsüber nicht mehr über die B1 in Dortmund fahren. Trotz des Fahrverbotes wählen aber immer noch viele Laster den Weg über die viel befahrene Bundesstraße.

StraßeBundesstraße 1 (B1)
Länge778 Kilometer
StreckeNiederländische Grenze bei Aachen bis zur polnischen Grenze im Landkreis Märkisch-Oderland

B1 in Dortmund: Lkw-Fahrverbot gilt seit März 2020

Das mag manch einen verwundern, ist aber rechtens. Denn das Fahrverbot auf der B1 durch Dortmund, das seit dem 24. März 2020 gilt, macht eine entscheidene Ausnahme. Laut den Unterlagen zum Luftreinhalteplan dürfen Anlieger die B1 weiterhin nutzen.

„Anlieger frei“ - das bedeutet im Straßenverkehr normalerweise, dass Autofahrer eine Straße durchqueren dürfen, wenn sie dafür einen Grund haben. Das kann zum Beispiel ein Besuch von Anwohnern der Anliegerstraße sein. Im Falle des Durchfahrverbots auf der B1 in Dortmund wird die Regel jedoch anders ausgelegt.

Lkw-Fahrverbot auf der B1 durch Dortmund: Anlieger-Regel schafft Ausnahme

Im Vergleich mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wurde niedergeschrieben, was die Anlieger-Regel für die Lkw-Fahrer konkret bedeutet. Die sagt nämlich aus, dass Lkw mit einer Last über 7,5 Tonnen die B1 durch Dortmund weiterhin befahren dürfen, wenn sie im Umkreis von 75 Kilometern losgefahren sind oder sich in diesem Radius ihr Ziel befindet.

Diese Vorgabe macht es den Lastwagen also möglich, die B1 zu nutzen, um ihre Ziele im Ruhrgebiet oder in weiteren Teilen Nordrhein-Westfalens zu erreichen. Um die Luft in Dortmund zu verbessern und die Bürger vor dem giftigen Stickstoffdioxid (NO2) zu schützen, war eigentlich angedacht, das die großen Laster in Zukunft über die A1, A2 und A45 die Mitte von Dortmund umfahren.

Neun Monate Fahrverbot auf der B1 in Dortmund: Immer noch viele Lkw unterwegs

Das dies auch nach neun Monaten Fahrverbot auf der B1 nicht eingetreten ist, zeigt eine Zählung, die die B1-Initiative Lkw-Durchgangsverkehr in Auftrag gegeben hat. Das Ergebnis: Von insgesamt rund 5.900 Lkw (gezählt an einem Werktag) nutzten etwa 70 Prozent der Lastwagen in Fahrtrichtung Bochum und rund 60 Prozent der Lkw in Richtung Unna die B1 trotz des Fahrverbots.

„Unsere Messungen zeigen, dass die Maßnahmen zur Einhaltung des Lkw-Durchfahrverbots unzureichend sind“, so Gerhard Schubert, Vorsitzender der Initiative. Die Ruhr Nachrichten berichteten zuerst über die Messungen, die bereits im September 2020 durchgeführt wurden.

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B1-Initiative in Dortmund fordert eine „deutlichere Beschilderung“

Schubert fordert deshalb mehr Kontrollen entlang der B1 in Dortmund. Außerdem müsse eine „deutlichere Beschilderung“ her. Das sieht auch Matthias Walter, Sprecher der Deutschen Umwelthilfe, so. Laut einem Bericht der WAZ hat die Umwelthilfe deshalb einen Brief an die Dortmunder Stadtverwaltung verfasst.

 „Wir haben darum gebeten, die Beschilderung zu ändern in ‚Lieferverkehr frei‘. Dann muss der Lkw-Fahrer tatsächlich einen Grund haben, nach Dortmund hineinzufahren“, sagte Walter gegenüber der Zeitung. Eine Antwort darauf habe es bislang allerdings nicht gegeben.

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