Amazon vernichtet massenhaft Neuware: Auch in Dortmund?

Die Mitarbeiter von Amazon streiken am Dienstag und Mittwoch. Auf dem Bild ist das Logistikzentrum von Amazon auf dem Gelände der ehemaligen Westfalenhütte zu sehen. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24
+
Die Mitarbeiter von Amazon streiken am Dienstag und Mittwoch. Auf dem Bild ist das Logistikzentrum von Amazon auf dem Gelände der ehemaligen Westfalenhütte zu sehen. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24

Dortmund/NRW - Amazon vernichtet in seinen Logistiklagern massenhaft neue Ware. Das berichten Frontal21 und die WirtschaftsWoche. Vor allem Elektrogeräte sind von der Vernichtung betroffen - auch in Dortmund?

Wie Frontal21 und die WirtschaftsWoche berichten, vernichtet Amazon offenbar neuwertige Produkte und Retouren. Aus einfachen Gründen: Die Produkte sind nicht mehr komplett neu und es ist zu aufwändig, sie neu zu verpacken. Wird dieses skandalöse Verhalten - wie das Bundesumweltministerium es nennt - auch in Dortmund betrieben?

Kaffeebecher, Plastiktüten und Umverpackungen - der Müll stapelt sich in jeder Ecke und in jeder Tonne. Aus diesem Grund kosten Plastiktüten mittlerweile Geld und Läden, die Produkte ohne Verpackung verkaufen, erleben einen Boom. Umso heftiger ist es daher, was jetzt über Amazon publik wurde. Nachhaltigkeit? Umweltschutz? Fehlanzeige - der Online-Versandhändler macht, was er will. Das ZDF-Magazin Frontal21 hat das aufgedeckt. Mitarbeiter vernichteten Waren im Akkord Fotos, Produktlisten und Aussagen von Mitarbeitern belegen, dass in den deutschen Logistiklagern von Amazon massenhaft Produkte entsorgt wurden. Vor allem Elektrogeräte wie Kühlschränke, Spül- und Waschmaschinen, Handys und Tablets. Aber auch Möbel und Matratzen landeten in der Tonne.

Eine Mitarbeiterin berichtete gegenüber dem ZDF, jeden Tag Warengüter im Wert von mehreren zehntausend Euro entsorgt zu haben. Dabei waren die Produkte nicht unbrauchbar. Mehrere Mitarbeiter berichteten dem ZDF zudem, dass Amazon auch teilweise neue Produkte mit voller Funktionsfähigkeit vernichte. Eine unglaubliche Verschwendung von Ressourcen - die vor allem das Bundesumweltministerium auf den Plan ruft.

"Ein solches Vorgehen passt einfach nicht in diese Zeit" Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, fordert Aufklärung in dem Fall. Er spricht von einem "riesengroßen Skandal" und betont das verschwenderische Verhalten des Online-Riesen. "Wir verbrauchen auf diese Weise Ressourcen mit allen Problemen insgesamt auf der Welt. Ein solches Vorgehen passt einfach nicht in diese Zeit." sagte er in diesem Zusammenhang dem ZDF. Er ist sich sicher, dass viele Verbraucher solch ein Verhalten nicht tolerieren werden.

Der ehemalige Umweltminister Klaus Töpfer ist der gleichen Meinung wie Jochen Flasbarth und betitelt das Vorgehen von Amazon als "verantwortungslos". Als er zum ersten Mal von der Produktvernichtung gehört hat, konnte er nicht glauben, was passiert ist. "Das kann doch nicht wahr sein" war Töpfers erste Reaktion, wie er dem ZDF mitteilte.

Auf Nachfrage des ZDF, bestreitet Amazon die Vernichtung nicht. Betont aber, dass der Konzern täglich an Verbesserungen des Systems arbeite, damit "so wenig Produkte wie möglich vernichtet werden müssen". Aufkäufer von Restbeständen sind solche Verbesserungen und kommen dann ins Spiel, wenn Produkte nicht weiter verkauft oder gespendet werden können.

Amazon entsorgt auch im Auftrag für andere Unternehmen Eine weitere Nachfrage seitens des ZDF ergab, dass der Online-Konzern auch externen Unternehmen, die den Logistikdienst "Versand durch Amazon" nutzen anbiete, unverkaufte Waren zu beseitigen. Das Angebot wird offenbar gut genutzt, denn auf Produktlisten werden unter anderem Güter wie Kinderturnschuhe und Kopfhörer genannt. Sie lagern dort für einen einzigen Tag, bis sie mit der internen Versandmethode "Destroy" zerstört werden.

Auch die Umweltorganisation Greenpeace kritisiert die Vorgehensweise von Amazon scharf. Ihrem Ärger machten sie beim ZDF Luft: "Das ist eine Riesenumweltsauerei, denn der gerade der Onlinehandel und da steht Amazon natürlich prototypisch für, die verleiten die Leute natürlich dazu, im großen Stil erst mal alles Mögliche zu bestellen, mit dem Versprechen, man könne es ja bequem und kostenlos zurückschicken und was dann passiert, ist, dass die Ware, die man zurückschickt, offensichtlich direkt im Müll landet, einfach weil es aufwendiger ist, sie neu zu verpacken oder weil sie nicht mehr ganz picobello ist und das ist aus unserer Sicht gigantische Ressourcenvernichtung." sagen sie in dem Zusammenhang und fordern ein Verschwendungs- und Vernichtungsverbot für neuwertige und gebrauchsfähige Ware. Dortmund ein Tatort der Warenvernichtung? Dass auch Amazon Dortmund Waren im großen Stil vernichtet, ist unwahrscheinlich. Grund dafür liegt in der Art des Warenlagers. Frontal21 und die WirtschaftsWoche schreiben, dass die Güter in den Logistiklagern des Online-Versandhändlers vernichtet wurden. Amazon Dortmund ist aber nur ein Zwischenlager für die Produkte - von hier werden die Sachen an die jeweiligen Partner weiter versendet und an die großen Lager verschickt.