Im Schnitt acht Fahrräder am Tag wurden 2015 in Dortmund geklaut. Alle drei Stunden eines. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr zwar gesunken. Die Aufklärungsquote bleibt dennoch niedrig.

Dortmund – Mehr als 2900 Fahrräder wurden 2015 in Dortmund gestohlen. Das geht aus der Kriminalitätsstatistik 2015 hervor. Ein Jahr zuvor waren es noch 4400. Hinter der hohen Zahl in 2014 vermutet die Polizei Diebesbanden. „Die Banden sind damals mit Lieferwagen gekommen und haben die Fahrräder einfach eingeladen und verschifft“, sagt Polizeipressesprecher Gunnar Wortmann.

Auch wenn die Zahl der Diebstähle im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, weil die Gaunerbanden weitergezogen sind: Die Diebe zu finden, ist für die Ermittler jedoch nachwievor schwierig. Denn sind Drahtesel und Schloss erst einmal weg, sind mit ihnen auch die Spuren fort.

Täter auf frischer Tat ertappen, bleibt schwierig

„Und wenn jemand an einem Fahrrad rumfummelt und es anschließend klaut, bleibt das meistens unbemerkt“, sagt Wortmann. Einen Täter auf frischer Tat zu erwischen, ist und bleibt schwierig.

Dennoch, so Wortmann, gebe es bei der Dortmunder Polizei wöchentlich Festnahmen. „Unsere Zivilpolizisten kennen ihre Pappenheimer“, sagt Wortmann. Das seien in der  Regel Kleinkriminelle oder Drogensüchtige, die ihren Drogenkonsum finanzieren wollen. Und manchmal sei auch ein Jugendlicher unter den Tätern, der eine Mutprobe zu bestehen habe.

Bundesweit liegt die Aufklärungsquote bei gerade einmal neun Prozent – deutlich niedriger als bei vielen anderen Delikten. Dortmund kommt auf eine Quote von nur acht Prozent – und liegt damit unter dem Bundesdurchschnitt. Der ADFC fordert daher mehr Personal bei der Polizei.

Manche Fahrräder sind schwierig zu klauen

Interessant: In 103 Fällen blieb es nur beim Diebstahlversuch. Das mag daran liegen, dass immer mehr Menschen in gute Schlösser investieren. Oder daran, dass sie bei der Tat erwischt werden.

Mit 28 Prozent hatte im vergangenen Jahr übrigens Jena die beste Aufklärungsquote – nach rund 10 Prozent im Jahr 2014. In Wolfsburg verdoppelte sich die Quote im Vergleich zu 2014 von rund 10 auf 23 Prozent. Das bescherte der Stadt damit bundesweit Platz drei. In beiden Städten stieg die Quote jedoch vor allem durch die Festnahme von Diebesbanden.

Bereits seit Jahren in der Spitzengruppe hält sich das fränkische Fürth. Im vergangenen Jahr lag es mit 25 Prozent Aufklärungsquote bundesweit an zweiter Stelle. Seit rund zehn Jahren gibt es in der 120.000-Einwohner-Stadt einen Beamten, der sich ausschließlich um das Thema Fahrraddiebstähle kümmert.

Einen Extra-Beamten nur für Fahrraddiebstähle gibt es in Dortmund nicht. Die Polizei stecke ihre Ressourcen lieber in wichtigere Dinge, sagt Gunnar Wortmann. „Zum Beispiel in die Aufklärung und Verhinderung von Wohnungseinbrüchen.“

Dennoch gibt die Polizei Tipps, wie ein Fahrradiebstahl besser aufgeklärt werden kann. Sie rät dazu, Fahrräder codieren zu lassen und den Code dann auch entsprechend gut aufzubewahren, um das Fahrrad (falls es denn gefunden wird) wieder zurückbekommen zu können. „Und in vielen Fällen ist es auch hilfreich, wenn man Fotos vorweisen kann, auf denen man mit dem Fahrrad zu sehen ist.“

ADFC weiß, wie man Fahrräder schützt

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sowie die Schlosshersteller Abus und Trelock geben dagegen diese Tipps zur Vorbeugung:

Abschreckung: Schon der Anblick massiver, schwerer Schlösser kann Diebe abschrecken. Denn diese wollen schnell zum Erfolg kommen, leicht knackbare Modelle ziehen sie an. Ein dünnes Spiralkabelschloss dagegen leistet nur wenig Widerstand. Es ist schnell durchgetrennt, je nach Schloss geht das schon mit leichterem Haushaltswerkzeug.

Qualität: Rund zehn Prozent des Fahrradpreises sollte man für das Schloss ausgeben. In Städten mit vielen Fahrraddiebstählen kann es sinnvoll sein, auch günstige Räder mit eher teuren Schlössern zu sichern.

Flexibilität: Panzerkabel-, Ketten- und Faltschlösser sind nicht nur massiv, sondern auch flexibel. Beim Anschließen des Rades lassen sie sich auch um etwas voluminösere Gegenstände wickeln. Das geht bei Bügelschlössern oft nur bedingt. Diese starren Schlösser in U-Form gelten dafür im Allgemeinen als widerstandsfähigster Schutz.

Transport: Ein Schloss hilft Radlern nur dann, wenn man es stets dabei hat. Beim Kauf von Bügelschlössern sollte man das Rad mitnehmen, um zu sehen, welche Halterung passt. Denn sehr schwere Schlösser immer im Rucksack zu transportieren, kann mühsam sein.

Technik: Diebe dürfen das Rad nicht wegtragen können – denn an sicheren Orten knacken sie auch sehr robuste Schlösser. Idealerweise wird das Schloss um das Oberrohr des Fahrrads und zugleich um einen verankerten Gegenstand wie einen Fahrradständer oder Laternenpfahl gewickelt. Liegt das Schloss dagegen auf dem Boden, bietet das Dieben manchmal einen besseren Hebel. Sie können zum Beispiel einen Bolzenschneider auf der einen Seite ablegen und mit beiden Händen den anderen Griff umfassen. In geschlossenen Räumen wie Kellern und Garagen sind Räder besonders sicher. Auch dort schließt man sie aber besser an, falls es Dieben gelingt, sich Zugang zu verschaffen. (mit dpa)