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Weit über 100.000 Menschen werden 2019 zum Evangelischen Kirchentag in Dortmund erwartet. Doch Politiker der AfD sind beim großen Fest in Dortmund nicht erwünscht. Der Kirchentag boykottiert sie zum großen Teil.

„Dem Kirchentag geht es ums Zuhören, aber ich möchte nicht Herrn Gauland zuhören“, sagte Hans Leyendecker im Interview mit der Zeit-Beilage Christ & Welt.

Der Journalist Leyendecker ist Präsident des Evangelischen Kirchentages 2019 in Dortmund. Leyendecker schreibt seit 1997 für die „Süddeutsche Zeitung“. Dort hat er das Investigativressort aufgebaut.

Keine pauschale Absage an die AfD

Doch die Absage an Politiker der AfD bedeutet nicht einen pauschalen Boykott. „Wir laden Wähler und Sympathisanten ausdrücklich ein – nicht aber Repräsentanten der Partei“, sagt Leyendecker im Zeit-Interview.

Gerade die Ereignisse in Chemnitz und anderen Teilen Deutschlands hätten die Repräsentanten des Kirchentages dazu veranlasst, die Einstellung „Offen für alles bleiben“, zu ändern.

Präsident des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages Dortmund. Foto: DEKT/robert gross photography
Hans Leyendecker
Präsident des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages Dortmund. Foto: DEKT/robert gross photography

Die AfD, so Leyendecker, sei nicht mit der Partei von vor ein paar Jahren vergleichbar. „Die AfD entwickelt sich rasend weiter nach rechts, die Radikalisierung der Partei schreitet voran. Schauen Sie sich doch an: Wer marschiert mit den Hass-Trommlern von Neonazi-Gruppen, wer knüpft im Bundestag bewusst an nationalsozialistisches Gedankengut und Sprache an, wer diffamiert Menschen? Da darf der Kirchentag nicht stumm bleiben.“

Kirchentag ohne AfD auf Podien

Doch einen pauschalen AfD-Boykott bedeutet das nicht. Denn bei Gottesdiensten, zur Bibelarbeit und zum Segen sei niemand ausgeschlossen. Der Ausschluss der AfD-Politiker gelte lediglich auf Podien und bei Diskussionsveranstaltungen.

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Auf die Frage, ob AfD-Chef Alexander Gauland zum Eröffnunggottesdienst in Dortmund eingeladen sei, antwortet Leyendecker der Zeit: „Wenn er kommen will, wird er einen Platz bekommen.“

Katholiken machen es anders

Der Ausschluss von AfD-Politikern wurde auch schon beim Katholikentag im Jahr 2016 praktiziert. Weil die Partei inzwischen im Bundestag sitzt, rückten die Organisatoren 2018 von diesem Grundsatz ab. Doch „dass die AfD im Parlament sitzt, ändert doch nichts daran, dass sie auf dem Weg zu einem Frontalangriff auf die liberale Demokratie ist“, meint Hans Leyendecker in der Zeit-Beilage.

Info: Der Kirchentag findet alle zwei Jahre in verschiedenen Städten statt und dauert fünf Tage. Über 100.000 Menschen werden vom 19. bis zum 23. Juni 2019 in Dortmund erwartet. Es gibt Workshops, Ausstellungen, Konzerte, Gottesdienste, Bibelarbeiten, Feierabendmahle, Hauptvorträge und Podiumsdiskussionen. Dort wird über Themen der aktuellen Zeit diskutiert.