Bild: Florian Forth/RUHR24

Mit der Note 4,4 gehört Dortmund in Sachen Radverkehr zu den schlechtesten Städten in Deutschland. Wie kommen der ADFC und die vielen Bürger, die für den Fahrradklima-Test abstimmten, zu dieser Note?

Der ADFC-Fahrradklima-Test beleuchtet, wie es um die Fahrradfreundlichkeit in Deutschlands Städten und Gemeinden bestellt ist. In Dortmund scheint die Lage nicht ganz so gut zu sein. In Schulnoten ausgedrückt: Vier minus! Damit hat sich die Stadt im Vergleich zum letzten Test in 2016 sogar leicht verschlechtert.

Unter den 14 deutschen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern belegt die BVB-Stadt den vorletzten Platz. Nur Köln ist mit einer ähnlichen Note etwas schlechter.

Probleme an Baustellen

Besonders schlecht kommen in Dortmund drei Punkte weg: Die Führung für Radfahrer durch Baustellen (Note 5,1); die Breite der Radwege (Note 5,1) sowie die Kontrollen von Falschparkern auf Radwegen (Note 5,3). Zugrunde gelegt hat der ADFC das deutsche Schulnotensystem.

Metropolrad Ruhr Station am Hauptbahnhof. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24
Metropolrad-Ruhr-Station, wie hier am Hauptbahnhof, gibt es genug. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24

Immerhin: Die 1390 Teilnehmer, die in Dortmund bei der Befragung mitmachten, fanden auch Aspekte des Dortmunder Radverkehrs gut.

So bekamen die Auswahl öffentlicher Fahrräder (Note 2,7), die geöffneten Einbahnstraßen in Gegenrichtung (Note 2,9) und die Wegweisung für Radfahrer (Note 3,4) verhältnismäßig gute Bewertungen.

Im Vergleich zu anderen Großstädten scheinen in Dortmund darüberhinaus wenige Fahrräder geklaut zu werden. Und: Auch die Ampelschaltung für Radfahrer bewerteten die Teilnehmer der Umfrage in Dortmund besser, als Radfahrer andernorts. Außerdem scheint es in Dortmund weniger Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern zu geben, als im Rest der Republik.

Zu wenig Werbung für Radverkehr

Was den Befragten dagegen öfter schlecht aufstieß, als in anderen Städten, ist, dass in Dortmund zuletzt zu wenig für den Radverkehr geworben und zu wenig ihn investiert wurde. Zudem würde in der Westfalenmetropole nur eine bestimmte Gruppe das Fahrrad nutzen.

Fahrradweg am Südwall. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24
Fahrradwege wie hier am Südwall sind häufig nicht wirklich glatt. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24

Die erste Reaktion kommt in Dortmund prompt – und zwar von den Grünen. Sie meinen, es gäbe bereits genug Vorschläge, um den Radverkehr in der Stadt zu verbessern, doch es fehle am nötigen Mut, die Maßnahmen umzusetzen.

In Dortmund darüber diskutiert, den Klimanotstand auszurufen – unter anderem auch, weil Vorschläge zum Klimaschutz nur selten konsequent umgesetzt werden.

„Bei der Diskussion um die Gleichberechtigung von Verkehrsteilnehmern muss man sich nur auf der Straße umschauen, das Auto beherrscht weiterhin das Straßenbild“, sagt Matthias Dudde, Grünes Ratsmitglied im Beirat Nahmobilität.

„Müssen Platz schaffen“

Wenn Dortmund den umweltfreundlichen Verkehr in der Stadt fördern wolle, auch weil die Stadt die Grenzwerte bei der Luftbelastung stetig überschreite, „müssen wir bereit sein, im Straßenraum dafür den nötigen Platz zu schaffen“, so Dudde.

Auf der Kreuzung Rüschebrinkstraße/Westfalenhüttenallee stieß am Donnerstagvormittag (2. Februar) ein Fahrradfahrer gegen einen Lkw. Der Radfahrer wurde dabei schwer verletzt und starb später an seinen Verletzungen. Foto: Videonews24.de
Fahrradunfälle wie diese enden oft tödlich. Foto: Videonews24.de

Zum Hintergrund: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Fahrradunfälle in Dortmund stark angestiegen. Hier gab es eine Steigerung von 17,9 Prozent auf 447 (2017: 379).

Auch wenn die Unfälle durch Selbstverschulden gestiegen sind, passieren die häufigsten Unfälle immer noch durch Fremdverschulden. Die Hauptursache ist falsches Abbiegen. In dem Zusammenhang nennt die Polizei den sogenannten problematischen „toten Winkel“, etwa bei abbiegenden Lkw.

Die Stadt hatte deshalb jüngst angekündigt, seinen Fuhrpark mit sogenannten Abbiegeassistenten auszustatten.

Fahrradverbände wie der ADFC fordern aber längst mehr Maßnahmen, etwa getrennte Grünphasen für Auto-Abbieger und für geradeaus fahrende Radfahrer und Fußgänger.

Info

Die kompletten Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests kann man hier abrufen.