Bild: Sandra Schaftner/RUHR24

In genau drei Wochen sollte das Festi Ramazan in Dortmund losgehen. Es war geplant, dass es von 16. Mai bis 17. Juni am Remydamm stattfindet. Jetzt legte die Bezirksvertretung Innenstadt-Ost ein Veto ein. Für Veranstalter Fatih Ilhan ist es kaum zu fassen. Er und 150 Händler stehen nun vor einer Katastrophe.

Das Festi Ramazan ist laut den Veranstaltern „die größte Ramadan-Veranstaltung in Europa“. Es hat sich in den vergangenen Jahren als Fest für Jung und Alt, Deutsche und Türken oder Menschen mit anderen Nationalitäten bewährt. 2018 sollte es zum siebten Mal stattfinden.

Es gab jedoch Probleme mit dem Veranstaltungsort. Der Fredenbaumplatz, wo das Fest 2012 und 2017 stattfand, wurde vergangenes Jahr für ungeeignet für eine so große Veranstaltung erklärt. Rund um die Westfalenhallen, wo es 2014 bis 2016 stattfand, ist derzeit wegen der Bauarbeiten kein Platz. Und der erst vorgesehene Standort am Remydamm ist durch ein Veto der Bezirksvertretung Innenstadt-Ost vom Dienstag (24. April) auch gestrichen. Grund sind Beschwerden von Anwohnern, die 2013 schlechte Erfahrungen mit dem Festival in direkter Nachbarschaft machten.

Hier sollte das Festi Ramazan 2018 stattfinden:

Fatih Ilhan, Veranstalter des Festi Ramazan, hat während der Abstimmung der Bezirksvertretung draußen gewartet und konnte das Ergebnis nicht fassen. „Ich habe eigentlich nicht damit gerechnet“, sagt er. Er hat bereits umfassende Verkehrs- und Sicherheitskonzepte ausgearbeitet, mit denen es zu keinen Problemen kommen sollte. Dabei half ihm der bewährte Dortmunder Schausteller Patrick Arens, der zum Beispiel auch den Weihnachtsmarkt und die Osterkirmes organisiert.

Doch nicht nur viel Arbeit war umsonst, wenn das Festi Ramazan 2018 nun doch nicht stattfinden kann. Ilhan und mit ihm 150 Händler blicken gerade einer finanziellen Katastrophe ins Auge. Denn die Absage der Bezirksvertretung kam reichlich spät. Drei Wochen vor dem Beginn des Festivals und nur sechs Tage vor dem Beginn des Aufbaus.

Kleine Händler bleiben auf Tausenden Euro sitzen

Etwa 150 Händler haben sich darauf vorbereitet, in Kürze ihre Zeltstände auf dem Festgelände zu beziehen. Viele von ihnen haben ihre Waren im Wert von Tausenden Euro bereits in ein Lager in Unna-Massen geliefert. Bezahlt sind die Verkaufsgegenstände und Zutaten längst. „Beim Großhändler muss man mindestens einen Monat vorher bestellen“, erklärt Ilhan. Er ist verzweifelt: „Was soll ein kleiner Händler, der Waren für 20.000 Euro eingekauft hat, damit jetzt machen?“

30 teilnehmende Firmen reisen aus der Türkei an. Sie haben bereits ihre Tickets gekauft und sich um eine Unterkunft gekümmert. Für einige hat der Veranstalter Wohnungen organisiert – und dafür schon die Kautionen gezahlt. Auch die Zelte für die Verkaufsstände sind schon angeliefert worden. Die Sicherheitstechnik erwartet Ilhan in den nächsten Tagen.

„Unsere Existenz ist bedroht“, sagt Ilhan. „Und die von den meisten Händlern auch.“ In der Nacht nach Dienstag hat der Veranstalter zahlreiche Anrufe von den Firmen und von Fans des Festivals bekommen. „Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, sondern nur telefoniert und versucht, die Leute zu beruhigen“, erzählt Ilhan am nächsten Tag.

Dabei trifft ihn selbst die Absage am härtesten. Das Festi Ramazan ist ein Herzensprojekt von ihm. Ilhan ist gebürtiger Dortmunder und will die Stadt mit dem Festival bereichern. „Wir wollen Dortmund damit kulturell und wirtschaftlich etwas Gutes tun“, sagt er.

Festi Ramazan ist ein „Fest für Dortmund“

Ein Drittel der etwa 150 Händler kommt aus Dortmund. Und etwa ein Viertel der Besucher sind Deutsche, schätzt der Veranstalter. Er hat in diesem Jahr mit mehr als 200.000 Gästen gerechnet. Ihm ist wichtig, dass das Festi Ramazan kein religiöses Fest nur für Muslime ist, sondern ein „Fest für Dortmund“, wie er es nennt.

Das Fest ist auch bei Menschen, die nicht zum Islam gehören, beliebt. Sie können für einen Abend in die anatolische Kultur eintauchen, das Essen der Region probieren und Waren kaufen. Die Muslime kommen vor allem nach Einbruch der Dunkelheit zum Festival, um dort das tägliche Fastenbrechen zu begehen. Ilhan glaubt, dass die Absage auch ein Verlust für viele Besucher ist.

Er kann die Entscheidung der Bezirksvertretung nicht verstehen. Durch das Verkehrs- und Sicherheitskonzept könne man mit keinen Problemen rechnen. Auch in den vergangenen vier Jahren verlief die Veranstaltung laut Ilhan reibungslos. Seit zwei Jahren habe es keine einzige Beschwerde beim Ordnungsamt gegeben.

Daher findet es der Veranstalter von der Bezirksvertretung falsch, dass sie sich in ihrer Argumentation so stark auf die Probleme von 2013 bezieht, als das Festi Ramazan auf dem Platz am Remydamm stattfand. Das sei damals die zweite Auflage gewesen und man sei vom hohen Besucheransturm überrascht worden.

2013 hat Ilhan dann jedoch Patrick Arens ins Boot geholt und die Konzepte und die Technik grundlegend überholt. „Das kann man jetzt gar nicht mehr vergleichen“, sagt der Veranstalter. Er will deswegen das Thema Festi Ramazan 2018 noch nicht ganz abschreiben. „Ich will noch nicht aufgeben“, sagt er.