22-Jähriger ruft fast täglich die Polizei - ein Erfahrungsbericht aus der Nordstadt

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Dortmund/NRW - Der Verkauf von Drogen, Diebstähle, Pöbeleien und Schlägereien - diese Delikte gehören leider zum Alltag in der Dortmunder Nordstadt. Haidar S. lebt in der Nordstadt und ruft mittlerweile fast täglich die Polizei. Im Gespräch mit Dortmund24 erzählt der junge Mann von seinen Erfahrungen.

Der Verkauf von Drogen, Diebstähle, Pöbeleien und Schlägereien - diese Delikte gehören leider zum Alltag in der Dortmunder Nordstadt. Gemeinsam versuchen Polizei und Stadt die Probleme in den Griff zu bekommen. H. S. lebt in der Nordstadt und ruft mittlerweile fast täglich die Polizei. Im Gespräch mit Dortmund24 erzählt der junge Mann von seinen Erfahrungen mit Drogengeschäften, Gewalt und vielen Streitereien.

Die Dortmunder Nordstadt ist immer wieder in den Schlagzeilen. Häufig fallen in diesem Zusammenhang Begriffe wie "No-Go-Area" oder "Multi-Problemviertel". Ein 22-Jähriger Bewohner erlebt täglich, wie es in dem Stadtteil zugeht. Ein Erfahrungsbericht.

Täglicher Drogenverkauf an der Mallinckrodtstraße

H. S.* lebt in der Nordstadt. Er ist dort aufgewachsen und fühlt sich hier eigentlich auch wohl. Allerdings gerät er immer wieder in Kontakt mit den Problemen seines Viertels. Seit sechs Jahren leben seine Schwester und er zusammen mit seinen Eltern an der Mallinckrodtstraße. Hier beobachtet er häufig, wie Dealer Kokain und Marihuana verkaufen. Außerdem kommt es vor seiner Haustür immer wieder zu Schlägereien und Angriffen.

"Erst vor einer Woche habe ich gesehen, wie ein Mann seine Bierflasche nach einer Frau mit Kinderwagen geschmissen hat. Einfach nur, weil sie auf sein 'Komm her!' nicht reagiert hat", berichtet H.S. im Gespräch mit Dortmund24. Getroffen wurde die Frau nicht. Die Flasche war vorher auf der Straße aufgeprallt und zersprungen. Derselbe Mann soll dann jedoch zwei Männer grundlos angegriffen haben. H.S. rief daraufhin die Polizei, die den zunächst flüchtigen Täter schließlich festnehmen konnte.

Gegenüber Dortmund24 beschreibt H.S. viele Leute in seinem Viertel als suspekt und komisch. Auf dem Platz an der Ecke Mallinckrodt-/Münsterstraße beobachte er, wie sich dort täglich verschiedene Gruppen, meist Schwarzafrikaner, treffen und Drogen verkaufen würden. "Manchmal weiß man nicht, wer ein Dealer ist und wer nicht. Oft bin ich mir auch nicht sicher, ob die Leute bewaffnet sind", sagt H.S..

Das Hauptproblem sind die zu laschen Strafen

Vor etwa einem Jahr wurde der 22-Jährige Zeuge eines Messerangriffs an einem Kiosk gegenüber seiner Wohnung. "Ich stand am Fenster und habe beobachtet, wie zwei Männer sich stritten. Der eine zückte ein Messer und verletzte den anderen Mann am Bauch. Ich rief aus dem Fenster, sie sollen auseinander gehen. Niemand ist dazwischen gegangen."

H.S. lief nach draußen, alarmierte den Notruf und versuchte den am Boden liegenden, blutenden Mann zu beruhigen, bis die Rettungskräfte eintrafen. "Ich musste damals vor Gericht als Zeuge aussagen. Ob und welche Strafe der Täter bekommen hat, weiß ich nicht", so der Dortmunder.

Generell sieht H.S. das Hauptproblem in den zu laschen Strafen. "Meiner Meinung nach müssten die Dealer und Täter härter bestraft werden. Natürlich ist man nicht besonders eingeschüchtert, wenn man trotz mehrerer Vorstrafen nur ein paar Sozialstunden aufgebrummt bekommt", meint H.S., dessen Eltern aus dem Libanon stammen. Und auch mit der Polizeipräsenz in der Nordstadt ist der Dortmunder nicht wirklich zufrieden. Er würde nur selten Polizisten sehen. Es gäbe Phasen, in denen vermehrt Kontrollen und Razzien durchgeführt werden. Die seien dann aber nur von kurzer Dauer, so sein Eindruck.

Besonders schlimm findet der 22-Jährige, dass die Dealer teilweise sehr aggressiv vorgehen. "Sie sprechen die vorbeigehenden Leute an, und wenn die nicht reagieren, werden sie oft beleidigt oder sogar angegriffen." Außerdem ist der junge Mann erstaunt darüber, dass auch viele Minderjährige den Dealern ihre Drogen abkaufen. Oft seien es junge Mädchen, die angesprochen würden oder selbst auf die Verkäufer zugingen.

Schwester darf abends nicht mehr alleine raus

Seine 19-jährige Schwester lässt er abends gar nicht mehr allein vor die Tür. Er müsse Angst haben, dass ihr etwas passiert. Vor allem jetzt, wo viele wüssten, dass er schon oft die Polizei alarmiert hat. "Seit etwa einem Monat rufe ich fast täglich die Polizei. Vor unserem Haus hält sich nachts häufig eine Gruppe von Leuten auf. Sie hören Musik, trinken Alkohol und sprechen sehr laut. Oft kommt es auch zum Streit und zu Schlägereien", so H.S.. Die Polizei folgt dem Notruf in der Regel, auch wenn der Dortmunder manchmal einige Zeit warten muss, bis die Beamten eintreffen. Dann würde ein Platzverweis ausgesprochen und zumindest die Ruhestörung sei vorerst beseitigt.

"Schon oft habe ich versucht, die Situation zusammen mit der Polizei in Ruhe und sachlich zu lösen. Ich versuche den Leuten dann klarzumachen, dass sie mit ihrem Verhalten ein schlechtes Licht auf die Ausländer und Muslime in Dortmund werfen," sagt der Berufsschüler.

Er befürchtet nun, man könne ihm drohen oder sogar etwas antun, weil er immer wieder die Polizei ruft. Im Gespräch mit Dortmund24 wird die Verzweiflung des 22-Jährigen deutlich. "Einmal habe ich einer Polizistin gesagt, dass ich nicht weiß, was ich sonst machen soll, als die Polizei zu rufen." Die Beamtin soll H.S. daraufhin geraten haben, aus der Nordstadt wegzuziehen.

"Sind auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel"

Gegenüber Dortmund24 erklärte Polizei-Pressesprecher Kim Freigang, dass es gut ist, dass die Leute sensibel auf ihre direkte Nachbarschaft reagieren. "Jeder, der etwas beobachtet oder ein Problem hat, soll sich immer bei uns melden. Die Aufgabe der Polizei ist es, für Sicherheit zu sorgen." Und vor allem in der Nordstadt arbeite man daran mit Hochdruck. Zusammen mit der Stadt Dortmund handelt die Polizei weiterhin im Rahmen der "Task Force Nordstadt" und fast täglich finden Kontrollen durch Zivilfahnder und verdeckte Ermittler statt. Die Kriminalitätszahlen sind weiter rückläufig. Trotzdem weiß auch der Polizei-Pressesprecher, dass "wir auf einem guten Weg, aber leider noch lange nicht am Ziel sind."

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