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Nachdem die aktive Fanszene von Borussia Dortmund verkündet hat, dass sie das Spiel bei RB Leipzig boykottieren, gibt es im Netz viele Diskussionen.

Dortmund – Der Ball rollt noch gar nicht in der Bundesliga und hat schon die ersten Vorboten einer spannenden und ereignisreichen Saison. Ja, Borussia Dortmund und der FC Bayern München werden sich wieder einen (hoffentlich spannenderen) Zweikampf liefern. Vielleicht werden Schalke, Gladbach oder Leverkusen kräftiger eingreifen können als in den letzten Jahren. Was fürchtet der Fußballfan zwischen Elbe und Isar jedoch? Richtig, ein erstarken des „Plastikvereins“ RB Leipzig. Es geht jedoch in erster Linie nicht nur um einen neuen potenziellen Konkurrenten um die Spitzenplätze im Fußball. Es geht auch um eine Richtung, in die sich der moderne Fußball hinbewegt und die von vielen Fußballfans mit Sorge beobachtet wird.

Die aktive Fanszene von Borussia Dortmund hat sich dazu entschieden, das Spiel in Leipzig zu boykottieren. Die Reaktionen des großen „Rest“ der Fans ließen nicht lange auf sich warten. Was Kevin Großkreutz von RB Leipzig hält, hat er am Montag als Reaktion auf seinen ehemaligen Teamkollegen Timo Werner, gepostet.

Auszug aus der offiziellen Stellungnahme

RB Leipzig steht für viele Fans „gegen alles, was wir mit Fußball verbinden. Es ist ein Skandal, dass eine rein kommerzielle Marketingaußenstelle eines österreichischen Getränkeherstellers tatsächlich in Deutschlands höchster Spielklasse antreten darf. Dies widerspricht allen sportlichen und emotionalen Werten.“ (Quelle und komplette Stellungnahme: www.schwatzgelb.de). Schon in der vergangenen Saison fanden zahlreiche Boykotte und Proteste gegen „RBL“ in der 2. Bundesliga statt. Einzig und alleine die Fans vom FC St. Pauli sind zum größten Teil nach Leipzig gefahren, um die Mannschaft zu unterstützten. Die BVB-Fanszene wird am besagten 10. September um 14 Uhr die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund im Traditionsduell gegen den Wuppertaler SV unterstützen. Um 18.30 Uhr (Anfpiff in Leipzig) will man dann Radio hören.

Reaktionen auf den Boykott

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RBL steht gegen alles, was „wir mit Fußball verbinden“. Foto: dpa

Im Endeffekt ist es natürlich jedem selbst überlassen, ob die Reise nach Leipzig angetreten wird oder nicht. Dennoch gab es in den Sozialen Medien zahlreiche Reaktionen auf das angekündigte Fernbleiben der „Aktiven“. Viele „nicht aktive“ Fans können die Entscheidung der „aktiven Fanszene“ nicht nachvollziehen.

 

 

Pro-Boykott

Die Pro-Boykott-Fraktion zeigte sich mit wenigen, aber durchaus tiefgreifenden Kommentaren. Bei RB sei der Sport nur Mittel zum Zweck, um noch mehr Werbung zu machen, um noch mehr Geld zu verdienen und um das Marketing weiter zu vergrößern. Um den „Volkssport“ Fußball ginge es dabei überhaupt nicht. Zudem würde man beim BVB, FCB, S04 oder anderen „normalen“ Vereinen durch das Sponsoring Geld verdienen, um im Endeffekt erfolgreich Fußball zu spielen. Bei RBL würde eine Fußballmannschaft aufgebaut, um Werbung zu machen.

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Die Fans von Union Berlin (15 Minuten mit leeren Rängen) waren nicht die einzigen, die RBL in der vergangenen Saison boykottierten. Foto: dpa

Anti-Boykott

Viele, offensichtlich mehr, Fans würden allerdings nach Leipzig fahren und halten den Boykott schlechthin für lächerlich. Man hätte besser nach Leipzig fahren sollen, um zu zeigen wie ein „richtiger Verein“ im Gästeblock supportet. Auch die Kommerzialisierung des Fußballs wird teilweise relativiert. Es ginge eh nur um das Geld, sodass ein Boykott der Fanszene „eines börsennotierten Vereins“ gegen ein „Marketing-Fußballteam“ im Endeffekt lächerlich sei und man nicht vergessen sollte, dass der BVB soeben von einer Marketingtour in China zurückgekommen sei. Zudem würde man im Endeffekt nur der eigenen Mannschaft schaden. In vielen Kommentaren wird auch eine gewisse Scheinheiligkeit und Selbstverliebtheit der aktiven Fanszene angeprangert. Einige Fans aus dem Osten der Republik sagen zudem, dass sie die Chance, Borussia Dortmund  live zu sehen, nicht verpassen wollen.

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Einige Fans von Borussia Dortmund wollen ihre Mannschaft in Leipzig dennoch unterstützten. Foto: dpa

Und nun? Was tun?

Einige Fans werden sich freuen und live im Stadion in Leipzig sein. Andere werden zuhause am Radio oder vor dem TV sitzen und die Mannschaft unterstützen. Im Endeffekt wird der Boykott Leipzig weder finanziell ruinieren, noch der Mannschaft in Schwarz-Gelb einen Vorteil bringen. Aber darum geht es auch gar nicht. Die aktiven Fans von Borussia Dortmund sind nicht die ersten und werden auch nicht die letzten sein, die RB Leipzig boykottieren, um ein Zeichen zu setzten. Und ein Zeichen gegen RB Leipzig setzten ist definitiv nicht falsch. Allerdings wäre eine Aktion wie in Stuttgart (Tennisbälle) oder ein zeitweise leerer Block (Union Berlin, 2. Bundesliga) auch möglich gewesen, sodass man danach die Jungs in Schwarz-Gelb hätte anfeuern können.