Bild: Christian Charisius/dpa

Das Supercup-Spiel zwischen dem BVB und dem FC Bayern zeigt einmal mehr: In dieser Form ist der Videobeweis nicht mehr tragbar. Ein Kommentar.

  • Trotz Videobeweis treten regelmäßig gravierende Fehlentscheidungen im Fußball auf.
  • Die Entscheidungen der Video-Assistenten sind oftmals nicht nachvollziehbar.
  • Darauf sollte man sich in Zukunft beschränken.

Joshua Kimmich (24) sah nach seinem hinterhältigen Fehltritt gegen Jadon Sancho (19) von Borussia Dortmund lediglich die Gelbe Karte. Nach Ansicht der Fernsehbilder waren sich Fans und Experten schnell einig. Das war eine glasklare Rote Karte! So sah es auch BVB-Sportdirektor Michael Zorc (56). Am Montag hatte sich auch der DFB zu dem Vorfall gemeldet und einen Fehler zugegeben.

Fall Kimmich zeigt: Der Videobeweis macht so keinen Sinn

Einzig Schiedsrichter Daniel Siebert (35) und sein Video-Assistent Robert Schröder (33) hatten, ähnlich wie die Bayern-Verantwortlichen, eine andere Sicht der Dinge. Sie entschieden nur auf Gelb.

Kimmich sieht nach seiner Attacke an Sancho nur Gelb. Der Videobeweis entschied ebenfalls nicht auf Rot. Foto: dpa
Kimmich sieht nach seiner Attacke an Sancho nur Gelb. Der Videobeweis entschied ebenfalls nicht auf Rot. Foto: dpa

Ursprünglich ist dies ein Lehrbuchbeispiel für eine Szene, in der der Video-Assistent einen Platzverweis empfehlen muss. Der 33-Jährige tat dies nicht. So wird der Videobeweis zu einer echten Farce. Auch Roman Bürki übt Kritik.

Schiedsrichter Daniel Siebert stand nicht zum ersten Mal im Zentrum der Debatte

Einen weitaus gravierenderen Fehltritt leistete sich Siebert mit seiner Entourage im Pokal-Halbfinale zwischen Werder Bremen und Bayern München im April. Dort sprach das Schiedsrichtergespann dem FC Bayern einen Elfmeter zu. Zu Unrecht, wie selbst der DFB in Person von „Videobeweis-Chef“ Jochen Drees (49) im Anschluss einräumte.

Daniel Siebert diskutiert mit Werder-Profi Klaassen. Foto: dpa
Daniel Siebert und sein Video-Assistent leisteten sich auch im Halbfinale des DFB-Pokals eine folgenschwere Fehlentscheidung. Foto: dpa

Mit diesen und ähnlichen Entscheidung entfacht sich eine wiederkehrende Debatte aufs Neue. Und zwar die nach der Sinnhaftigkeit des Videobeweises. Diese wird vor allem immer dann in Frage gestellt, wenn es zu den jeweiligen Entscheidungen keine zwei Sichtweisen geben darf. Wie beispielsweise bei Kimmichs Aussetzer im Supercup.

Video-Assistenten bringen zu viel Willkür in den Fußball

Der Videobeweis wird auf diese Weise in seiner eigentlichen Funktion beschnitten oder gar komplett ad absurdum geführt. Nämlich die, klare Fehlentscheidung des Schiedsrichters auf dem Platz zu korrigieren. Denn nur in solchen Situationen darf der Video-Assistent laut DFL eingreifen.

Bei welchen Situationen soll der Video-Assistent eingreifen?

  • Torerzielung (Foul, Handspiel, Abseits und andere Regelwidrigkeiten bei oder im Vorfeld der Torerzielung).
  • Strafstoß/Elfmeter (nicht oder falsch geahndete Vergehen)
  • Rote Karte (nicht oder falsch geahndete Vergehen)
  • Verwechslung eines Spielers (bei Roter, Gelb-Roter oder Gelber Karte)

Im Supercup-Spiel zwischen dem BVB und dem FC Bayern lag zweifelsohne eine Fehlentscheidung vor. Weitaus schwieriger wird die Betrachtungsweise jedoch bei Entscheidungen, die einen gewissen Interpretationsspielraum bieten.

Sven Fekkers ist Mitarbeiter bei RUHR24.de Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24
Sven Fekkers ist Mitarbeiter bei RUHR24.de Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24

Dies ist beispielsweise beim Handspiel der Fall, einem der Streitthemen der abgelaufenen Bundesliga-Saison. Dennoch greift auch in solchen Szenen in schöner Regelmäßigkeit der Videobeweis. Ein Unding.

Die Regeln im Fußball werden immer komplizierter

In seiner zunehmenden Komplexität sind gewisse Situationen nicht immer eindeutig aufschlüsselbar. Die Grenze zwischen richtig oder falsch wird immer unklarer. Vor allem für die Fans. Trotz aller Bemühungen, für mehr Transparenz sorgen zu wollen.

Genau aus diesem Grund muss sich der Videobeweis in seiner jetzigen Form verändern. Der Spielraum für Eingriffe des Video-Assistenten muss im Fußball deutlich minimiert werden.

Man sollte nur bei eindeutigen Entscheidungen in das Spiel eingreifen

Möglich ist das, wenn man den Videobeweis auf Entscheidungen beschränkt, die eindeutig aufzuschlüsseln sind. Mit einigen Einschränkungen ist dies beim Abseits der Fall.

Warum überlässt man den Video-Assistenten daher nicht die Begutachtung von Abseitsentscheidungen? Auch so könnte man die Schiedsrichter auf dem Platz entlasten. Zudem würde man den Fußball wieder ein Stück nachvollziehbarer gestalten.

+++ Großkreutz tritt Gegenspieler und droht Pokalspiel gegen den BVB zu verpassen +++

Fest steht jedenfalls, dass sich die Bundesliga mit Entscheidungen wie der am Wochenende lächerlich macht.

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