Bundesliga-Profis setzen Zeichen

„Ich hoffe, du stirbst“: So wehren sich BVB und Schalke gegen Hass auf Instagram

Michael Zorc vom BVB (l.) und Mark Uth von Schalke 04 (r.) setzen sich gegen Hass-Kommentare ein.
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Michael Zorc vom BVB (l.) und Mark Uth von Schalke 04 (r.) setzen sich gegen Hass-Kommentare ein.

Schalke 04 und der BVB wollen sich das Cyber-Mobbing auf Instagram nicht mehr gefallen lassen. Deshalb haben Spieler und Verantwortliche jetzt reagiert.

Dortmund - Viele junge Fußballer träumen davon, später mal als Profi im Rampenlicht zu stehen. Doch der Ruhm hat auch seine Schattenseiten. Immer mehr Fußballer sind vom sogenannten Cyber-Mobbing betroffen. Einige von ihnen setzen nun ein Zeichen dagegen.

Fußball-Liga1. Bundesliga
Aktuelle Saison2020/21
Aktueller MeisterFC Bayern München
GründerDeutscher Fußball-Bund
Gründung28. Juli 1962, Dortmund
Anzahl Teams18

Üble Hass-Kommentare: Schalke 04 und BVB wehren sich gegen Cyber-Mobbing

Promis wie der Schalker Spieler Mark Uth (29) oder der ehemalige BVB-Profi Ömer Toprak (31) erhalten auf Instagram nicht nur Lob. Viele Kommentare unter ihren Bildern gehen vor allem nach einem schlechten Spiel unter die Gürtellinie. Für eine neue Aktion haben sich zahlreiche Fußballer aus der Bundesliga und anderen europäischen Ligen deshalb zusammen geschlossen und ein Video hochgeladen, dass viele Nutzer der Social-Media-App schockiert.

Dieses Video zeigt ganz klar: Das Leben als Promi in der Öffentlichkeit kann auch verletzend sein. Viele Instagram-Nutzer äußern sich in den Kommentaren unter dem von den Spielern geteilten Video.

„Dann breche ich dir die Beine“ - Ex-BVB-Spieler Pieper und Schalke-Stürmer Uth zeigen Kommentare

Die Krise des FC Schalke 04 scheint die Emotionen der Fans zum Überkochen zu bringen (alle Infos zum FC Schalke 04 bei RUHR24). Das Resultat sind Nachrichten, wie: „Ich hoffe, du liest das hier und verletzt dich so schwer, dass du nie wieder ein Spiel machen kannst.“ Dies wurde an Stürmer Mark Uth geschickt, genauso wie die Mitteilung „du kleiner dreckiger Hundesohn“. Und solche Äußerungen sind kein Einzelfall. Auch Amos Pieper von Arminia Bielefeld muss sich mit Hasskommentaren im Netz herumschlagen, wie es OWL24.de berichtet.

Aber nicht nur die Kicker der Königsblauen sind davon betroffen. Auch den ehemaligen BVB-Spieler Amos Pieper (23), der aktuell bei Arminia Bielefeld unter Vetrag steht, erreichen solche Kommentare über die sozialen Medien. Ihm wurde sogar gedroht mit den Worten: „Ich werde dich finden und dann breche ich dir deine Beine so, dass du nie wieder Fußball spielen kannst.“

Daher haben die Fußballprofis das Video auch auf ihrer jeweiligen Instagram-Seite veröffentlicht, um deutlich zu machen, dass solche Worte nicht akzeptabel sind. Mark Uth schreibt zu dem #UniteAgainstHate unter dem Beitrag: „Regelmäßig werden im Netz Grenzen überschritten. Wir Spieler wollen zusammen ein Zeichen setzen! Wir schätzen eure Meinung, aber Hass und Morddrohungen sind keine Meinung und gehen zu weit.“ Erst kürzlich haben sich der BVB und Schalke 04 mit einer Aktion gegen Homophobie im Fußball geäußert.

„Ich hoffe, du stirbst“ - Nachrichten an Fußballprofis auf Instagram schockieren

Der ehemalige BVB-Profi Ömar Toprak, der aktuell für Werder Bremen spielt, hat in dem Clip ebenfalls einen Hass-Kommentar veröffentlicht. „Komm niemals mehr zurück in das Land... Bleib bei den Deutschen du H****sohn“, hat ihm jemand auf Türkisch geschrieben.

Und die Kommentare gehen sogar noch weiter. So müssen andere Spieler Mitteilungen lesen wie: „Ich hoffe, du stirbst“, „Ich steche dich ab“, „Ich hoffe, du stirbst in der Hölle“ oder „Für dein weiteres Leben von Herzen alles Schlechte, auf dass du eines Tages depressiv, unglücklich und schmerzhaft den Löffel abgibst“, was an den Schalker Bastian Oczipka (32) gerichtet war.

Schalker Spieler wie Bastian Oczipka müssen aktuell viele Hass-Kommentare über sich ergehen lassen.

Besonders geschmacklos ist für die Instagram-Nutzer eine Nachricht, die Ron-Robert Zieler (32) erreicht hat. Der Torwart des 1. FC Köln folgte in der Saison 2010/11 auf Robert Enke bei Hannover 96, der sich am 10. November 2009 das Leben nahm. „Mach den Enke und wirf dich vor nen Zug“ hatte eine Person kommentiert.

Fußball-Fans geschockt von Hass-Nachrichten auf Instagram

Die Instagram-Nutzer sind sich einige: So etwas ist nicht akzeptabel. „Also das mit dem Enke ging zu weit“, „die Enke-Aussage ist schon für sich geschmacklos, aber da Zieler sein direkter Nachfolger war, ist das nochmal fünf Stufen geschmackloser“, ist sich ein User unter dem Video von Mark Uth sicher.

Einige Fans fordern für Hass-Kommentare sogar drastische Maßnahmen. „Ich hoffe, die Leute sehen kein Stadion mehr von innen, solche Leute kotzen mich an. Die Jungs sind auch nur Menschen und [...] dann noch die Familie von den Jungs mit reinzunehmen“. Diese Äußerung spielt auf eine Drohung an, die ebenfalls an Ron-Robert Zieler gerichtet war: „Wir wissen, wo ihr wohnt, eure Kids zur Kita gehen.“

BVB-Verantwortliche nehmen vor Bundesliga-Spiel gegen Bielefeld Stellung zum Cyber-Mobbing

Auch Borussia Dortmund akzeptiert das Cyber-Mobbing nicht. Auf der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Spiel des BVB gegen Arminia Bielefeld haben Pressesprecher Sascha Fligge und Sportdirektor Michael Zorc (58) zu der Aktion Stellung bezogen.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc hat sich zum Thema Cyber-Mobbing geäußert.

„Ich kann Ihnen sagen, dass wir vermehrt bemerken, dass es in sozialen Netzwerken verbale Entgleisungen gibt gegenüber Spielern, Verantwortlichen und Mitarbeitern von Borussia Dortmund“, erklärte Sasche Fligge. Der BVB will daher gegensteuern (alle Infos zum BVB bei RUHR24). „Und das Ganze geht dann selbstverständlich über Gesprächsangebote mit Leuten, die sich da auskennen über einen sehr sehr regelmäßigen Austausch mit den Spielern, mit allen Verantwortlichen.“

Die Profis von Borussia Dortmund wüssten daher „genau, welche Kontaktpersonen sie bei uns haben, um mit ihnen Dinge zu regeln, um eventuell auf die Löschung von Beiträgen zu gehen, um sich um Fake-Accounts zu kümmern, um all das zu thematisieren. Und da sind wir sehr eng miteinander“, fügte der Pressesprecher hinzu.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc: Cyber-Mobbing nicht mehr nur Problem im Fußball

Auch BVB-Sportdirektor Michael Zorc hat die Problematik bereits erkannt und sieht sie noch größer. „Generell ist es ja kein Problem des Fußballs oder ein Problem, das auf den Fußball begrenzt ist, sondern es geht in erster Linie um Personen, die bekannt sind, die im öffentlichen Leben stehen“, macht er deutlich. „Ich will mir nicht ausmalen, was in diesen Zeiten der eine der andere Politiker zu hören bekommt - oder man hört es bei Reality-Stars“.

Video: Nagelsmann über Cyber-Mobbing: „Es ist erschreckend“

Doch Zorc gibt auch zu, dass er in den sozialen Medien nicht aktiv sei, was vor allem bei Niederlagen ein Vorteil sei. „Aber ich glaube, das ist ein schlechtes gesellschaftliches Phänomen, was eben durch Social Media Einzug gehalten hat“, so der 58-Jährige.