Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Der Hashtag #Nazisraus trendet aktuell bei Twitter. Auch die Social-Media-Abteilung von Borussia Dortmund ist mit etwas Verspätung auf den „No-Nazis-Zug“ aufgesprungen. Die Dortmund24-Redakteure Dennis Liedschulte und Florian Forth haben unterschiedliche Auffassungen über die Vorgehensweise von Borussia Dortmund.

Contra: Nazi-Problem ist größer als jeder Hashtag

Seit Neujahr trendet der Hashtag #Nazisraus auf Twitter. Auslöser war ein Tweet der ZDF-Journalistin Nicole Diekmann.

Nazis raus.

— Nicole Diekmann (@nicolediekmann) 1. Januar 2019

Die Folge dieser Selbstverständlichkeit: Massive Beschimpfungen und Morddrohungen aus der rechten Ecke. Tage später haben sich zahlreiche Politiker, Institutionen und Vereine mit der Reporterin solidarisiert.

Florian Forth Dortmund24
 Dortmund24-Redakteur Florian Forth.

Das ist ein gutes Zeichen. Doch mittlerweile ist der Hashtag #Nazisraus offenbar zum Werbemittel geworden. Auch viele Fußballvereine solidarisierten sich. Von Fußball-Blogger Jan-Henrik Gruszecki erntete der BVB jedoch bereits Kritik für sein „lautes Schweigen“:

Beim lauten Schweigen zu #NazisRaus vom @BVB-Account wünscht man sich doch wieder sehr den guten @pflore zurück an die Tastatur. Aber nun.

— Jan-Henrik Gruszecki (@JH_Gruszecki) 7. Januar 2019

Als sich der Verein am späten Dienstagabend (8. Januar) doch noch äußerte, gab es zwar viel Zuspruch. Dennoch: Solidarität ist das eine, doch es müssen weiter Taten folgen.

Ich werde das Gefühl nicht los, der BVB springt – wie viele andere Vereine übrigens auch – bloß auf den Zug auf.

Angriffe auf die Gesellschaft

Denn das Nazi-Problem besteht nicht bloß im Internet. Viel übler sind die Angriffe der Neonazis auf die freiheitliche Gesellschaft im echten Leben – und im Stadion.

Dabei ist bereits sichtbar, dass der BVB dagegen versucht anzugehen. Bereits vor Jahren verhängte der Verein Stadionverbote. Ende 2018 berichteten die Ruhr Nachrichten jedoch darüber, dass zumindest ein bekannter Neonazi wieder den Weg in den Fanblock gefunden hat.

Es fällt offenbar schwer, die Süd sauber zu halten. Hashtags hin oder her: wenn der Verein weiter versuchen würde, die Idee hinter #Nazisraus zu unterstützen, das wäre schön.

Pro: Das Echo wäre ungeheuerlich

Dennis Liedschulte. Foto: Carsten Strübbe
 Dennis Liedschulte. Foto: Carsten Strübbe

Ja, der BVB muss als Institution und einer der größten Fußballvereine auf den #Nazisraus-Zug aufspringen. Ich stelle mir nur mal die Reaktionen vor, wäre dieser Tweet nicht irgendwann von der Social-Media-Redaktion abgegeben worden.

Das Echo wäre ungeheuerlich: Auf der Südtribüne stehen bekannte Nazis und der Verein macht nicht bei #Nazisraus mit.

#Nazisraus ist als Symbol wichtig

Ja, es mag nur eine Message mit 280 Zeichen sein. Doch gerade in dieser politisch aufgewühlten Phase, in der Journalisten angefeindet werden und rechtsextreme Tendenzen ihren Weg in die Bevölkerung finden, sind Symbole wichtig. Die Social-Media-Abteilung mag langsam gewesen sein. Aber besser langsam als gar nicht.

Aktuelle Top-Themen:

Wichtig ist jedoch, dass es nicht einfach bei #Nazisraus bleibt. Auch im Westfalenstadion gibt es regelmäßig Aktionen gegen Nazis. Die Fanabteilung ist aktiv und ich gehe davon aus, dass ein großer Teil der Fans nach dem Slogan „Borussia verbindet Generationen, Männer und Frauen, alle Nationen“ lebt. Das muss weiter gehen.