Interview im "Blick"

BVB-Profi Manuel Akanji zu Rassismus auf Social Media: "Man sollte Hatern keine Plattform bieten"

Manuel Akanji erlebt mit dem BVB bisher eine sehr wechselhafte Saison. In einem Interview hat er nun über die aktuelle sportliche Situation, seine Erfahrungen mit dem Thema Rassismus und den Videobeweis gesprochen.

  • BVB-Abwehrspieler Manuel Akanji glaubt noch einen an den Meistertitel.
  • Auf Social Media wird der 24-Jährige immer wieder rassistisch beleidigt.
  • Beim Videobeweis sieht der Schweizer sowohl Vor- als auch Nachteile.

Dortmund – Im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf gab Manuel Akanji (24) nach langer Zeit mal wieder den BVB-Abwehrchef. In Abwesenheit des gelb-rot gesperrten Mats Hummels (30) führte er die Defensive als zentraler Akteur der Dreierkette an. Dabei bestätige der 24-Jährige seinen Aufwärtstrend. Beim 5:0-Erfolg seiner Mannschaft löste Manuel Akanji die wenigen Abwehraufgaben mit Bravour und konnte sogar offensive Akzente setzen.

BVB-Profi Manuel Akanji verteidigt seine Leistungen: „Ich glaube nicht, dass ich bisher nur schlecht gespielt habe“

Insgesamt verläuft die bisherige Saison von Manuel Akanji, der jetzt das erste Mal Vater wird, aber wenig konstant. Der Schweizer Nationalspieler steht dabei sinnbildlich für das gesamte BVB-Team, das vorerst ohne den verletzten Axel Witsel auskommen muss. Starke Vorstellungen werden immer konterkariert durch unerklärliche Leistungsschwankungen in anderen Partien. 

Dazu kommen unzählige individuelle Fehler. Nach zwölf benoteten Bundesliga-Spielen führt ihn das kicker-Sportmagazin mit einer wenig schmeichelhaften Note 4,04. Damit zählt er notentechnisch zu den drei schlechtesten Profis im BVB-Kader.

Im Interview mit dem Schweizer Boulevardblatt Blick sagte Manuel Akanji dennoch: „Ich glaube nicht, dass ich bisher nur schlecht gespielt habe. Aber in der letzten Saison war es auch einfacher für mich. Wenn es der Mannschaft läuft, sieht man automatisch auch besser aus.“

Manuel Akanji glaubt im Meisterkampf an eine Chance für den BVB

Der Unterschied zur vergangenen Saison lässt sich am besten an der Punkteausbeute verdeutlichen. Während der BVB im Spieljahr 2018/2019 nach 14 Spieltagen schon 36 Punkte auf dem Konto hatte, sammelten die Schwarzgelben in der aktuellen Saison bisher nur 26 Zähler. 

Dass der BVB trotzdem noch realistische Chancen auf den Meistertitel besitzt, verdankt man in erster Linie den Konkurrenten. In einer historisch spannenden Bundesliga liegen nach 14 Spielen nur sieben Punkte zwischen Platz eins und sieben.

Vielleicht erklärte Manuel Akanji auch deswegen, dass die Saison aus seiner Sicht bisher „ganz okay“ gewesen sei. Der Innenverteidiger erinnerte dabei an das Vorjahr, wo der BVB satte neun Punkte Vorsprung auf den FC Bayern verspielte. „Wenn wir es nun umgekehrt machen und in der Rückrunde aufdrehen, hat keiner etwas dagegen. Und ich bleibe optimistisch, dass es so kommt und wir werden bis zum Schluss alles geben.“

BVB-Profi Manuel Akanji erlebt immer wieder Rassismus auf Social Media

Auch beim Thema Rassismus vertritt BVB-Profi Manuel Akanji eine klare Meinung. „Es ist unglaublich, wie einige Menschen ihre Aggressionen über uns ausschütten. (…) Ich bin überzeugt, sie würden sich nicht trauen, es dir ins Gesicht zu sagen.“ Während er in der Bundesliga „weniger“ Probleme mit diesem Aspekt habe, werde der Schweizer auf Social Media „öfters rassistisch beschimpft.“ 

Auf entsprechende Postings würde er dabei nicht reagieren, sondern sie sofort löschen oder blockieren. „Man sollte Hatern keine Plattform bieten“, so Manuel Akanji. In seiner Jugend sei er zudem auf dem Fußballplatz rassistisch beleidigt worden.

Manuel Akanji vom BVB nennt Videobeweis bei Handspielen „inkonsequent“

Beim Videobeweis ist der 22-fache Schweizer Nationalspieler dagegen unentschlossen. Dieser habe „Vor- und Nachteile.“ Während beim Abseits meist richtig entschieden würde, sei die Umsetzung bei Handspielen „inkonsequent.“ 

An zwei Beispielen verdeutlichte Manuel Akanji seine Meinung: „Im Sommer wurde uns erklärt, dass nie gepfiffen werde, wenn der Ball die Hand, welche näher zum Boden ist, berührt. Wenn man sich zum Beispiel abstützt. Oder es hieß, ein Penalty werde wiederholt, wenn der Goalie die Linie verlasse. Das hat der Torwart von Freiburg beim Elfmeter von Breel Embolo getan – passiert ist danach nichts. Das verstehe ich dann nicht.“ Auch im Spiel gegen Mainz 05 gab es wieder Ärger mit dem Videobeweis.

Schon am Dienstag (10. Dezember) könnte es Manuel Akanji wieder mit dem Videobeweis zu tun bekommen. Im entscheidenden Gruppenspiel der Champions League gegen Slavia Prag kämpft der BVB dann um den Einzug ins Achtelfinale. Seit dieser Saison kommt die umstrittene Videotechnologie auch in der Königsklasse des Fußballs zum Einsatz.

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