BVB kann Meisterschaft abhaken - Schalke darf von Europa träumen

Das Derby hat wichtige Erkenntnisse für Schalke und den BVB geliefert. Foto: Bernd Thissen/dpa
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Das Derby hat wichtige Erkenntnisse für Schalke und den BVB geliefert. Foto: Bernd Thissen/dpa

Das Derby lässt tief blicken. Der BVB kann die Meisterschaft abhaken. Schalke darf von Europa träumen. Warum? Ein Kommentar.

Das Derby zwischen Schalke und dem BVB fand keinen Sieger - aber doch einen Gewinner. Das Revier-Duell lässt tief blicken. Ein Kommentar.

  • Das Derby zwischen Schalke und dem BVB hat gezeigt, wie sich der Wind im Revier gedreht hat.
  • Der S04 begeistert und erinnert an Zeiten von Jürgen Klopp beim großen Rivalen.
  • Borussia Dortmund hingegen enttäuscht auf gleich mehreren Ebenen.

BVB kann die Meisterschaft nach Derby gegen Schalke 04 abhaken

Die beiden Kommentare entsprechen der Meinung der Autoren und müssen nicht zwingend die Ansicht der gesamten Redaktion widergeben.

Den Fans von Borussia Dortmund dürfte das wie ein Déjà-vu vorkommen. Erneut kann die Meisterschaft nach dem Derby gegen Schalke 04 abgehakt werden. Obwohl eine 2:4-Demütigung im eigenen Stadion diesmal ausgeblieben und die Situation gewiss eine andere ist.

Trotzdem wären dem BVB zwei Rote Karten, wie in der Vorsaison, vermutlich gar nicht unrecht gewesen. Denn dann hätte man der Mannschaft von Lucien Favre (61), der seinem Team aufgrund einer Grippewelle ein Kontaktverbot erteilte, zumindest attestieren können, mit der richtigen Einstellung auf den Platz gegangen zu sein.

BVB lässt im Derby gegen Schalke 04 alles vermissen

Stattdessen liefen die Spieler von Borussia Dortmund - von denen sich einige jüngst für eine G-Star-Kampagne ablichten ließen - einmal mehr wie Falschgeld über den Rasen. Als "C-Jugend-Fußball ohne Körperkontakt und Durchsetzungsvermögen" bezeichnete Michael Rummenigge (55), der auch Lucien Favre scharf kritisierte, die Leistung von Julian Brandt (23) in der Champions League gegen Inter Mailand.

Das gleiche Vokabular reicht aus, um den Auftritt der gesamten Mannschaft in der Veltins-Arena gegen Schalke 04 zu beschreiben. Gegen den BVB gewann der S04 nahezu jeden wichtigen Zweikampf - obwohl die Dortmunder auf dem Papier die bessere Zweikampfquote besaßen. Einer zweifelhaften Schiedsrichter-Entscheidung und dem Unvermögen der Schalker Offensivabteilung blieb es zu verdanken, dass Borussia Dortmund am Ende einen Punkt entführen konnte.

BVB unter Lucien Favre: Kampf um Europa statt Meisterschaft

In dieser Form kann die Meisterschaft für den BVB kein Thema mehr sein. Auch wenn die Konstellation in der Tabelle zu der Illusion führt, durch den Punktgewinn im Derby gegen Schalke 04 noch immer im Rennen um den Titel zu sein.

Eine wesentlich treffendere Erkenntnis liefert die Tabelle hinsichtlich der momentanen Platzierung: Platz fünf - das ist die Realität. So lange Lucien Favre an der Seitenlinie steht und die Mannschaft kein grundlegend anderes Gesicht zeigt, kämpft der BVB um die Champions League, möglicherweise sogar nur um die Europa League. Die Meisterschaft ist hingegen in ganz weite Ferne gerückt.

BVB-Kommentar von Christian Keiter

Schalke: Derby gegen den BVB bestätigt die Stärken und Schwächen

Stark, wie Schalke den BVB im Derby nicht hat zur Entfaltung kommen lassen und den großen Rivalen mit seinen eigenen alten Waffen aus Klopp-Zeiten bespielt hat. Schwach hingegen ist die Chancenauswertung - mal wieder.

Bereits zum vierten Mal im neunten Bundesliga-Spiel konnten die "Knappen" kein Tor erzielen. Also fast alle zwei Spiele! Bereits in den Partien gegen Borussia Mönchengladbach, Bayern München und TSG Hoffenheim zeigten sich die Königsblauen nicht kaltschnäuzig genug.

Schalke vergibt reihenweise Chancen für die Tabellenführung in der Bundesliga

Nur mal angenommen, Guido Burgstaller hätte gegen den 1. FC Köln (1:1) das 2:0 erzielt, Alessandro Schöpf bei der TSG Hoffenheim (0:2) das 1:0 und Rabbi Matondo gegen den BVB (0:0) ebenfalls getroffen: Schalke hätte vermutlich sieben Punkte mehr als jetzt und wäre damit Tabellenerster - und alle drei genannten Spieler waren jeweils immer freistehend vor dem Tor!

Das Leben findet aber nun einmal nicht im Konjunktiv statt. Die Realität heißt, dass Trainer David Wagner nicht zaubern kann. Der 47-Jährige hat dem Sauhaufen der vergangenen Saison binnen weniger Wochen ein komplett neues Gesicht gegeben.

Schalke hatte im Derby gegen den BVB mehrmals den Torschrei auf den Lippen

Er kann aber nicht auch noch das Toreschießen übernehmen. Dabei hatte der Schalke-Trainer diesen im Derby gegen den BVB wiederholt auf den Lippen.

Nichtsdestotrotz zeigen die Spiele bei der TSG Hoffenheim und gegen den BVB, zu was der S04 in der Lage ist. Noch dazu scheint er schon jetzt auch den Hänger zu haben, den Klubs wie Borussia Mönchengladbach, VfL Wolfsburg oder SC Freiburg noch bevorstehen.

Schließlich hat Schalke durch das 0:0 im Derby gegen den BVB zum dritten Mal in Folge nicht gewonnen. Doch die Bundesliga-Tabelle ist so eng, dass der Fast-Absteiger der vergangenen Saison sehr wohl wieder um die internationalen Plätze mitspielen kann.

Wenn dann sogar Guido Burgstaller das Tor trifft oder Mark Uth und Benito Raman wieder zu alter Stärke finden, die sie zumindest bei ihren Ex-Klubs bewiesen, ist für die Königsblauen mindestens eine stabile Leistung zu erwarten. Das bedeutet nicht, dass bis zum Saisonende die Tabellenspitze nicht in all zu weite Ferne rückt.

Sehr wohl aber, dass die bescheidene Zurückhaltung in der Rückrunde wird ad acta gelegt werden können. Spätestens nach dem Derby gegen den BVB hat jeder Schalke-Fan wieder das Gefühl: Das ist mein Klub, so will ich ihn spielen sehen - wohl auch im DFB-Pokal bei Arminia Bielefeld (hier geht es zum Live-Ticker).

Schalke-Kommentar von Raphael Wiesweg