BVB: Mehr Mut, Herr Favre! Ein Kommentar

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Lucien Favre bei einem BVB-Heimspiel. Foto: dpa

Lucien Favre, BVB-Trainer, sollte in seinem Amt bei Borussia Dortmund an einigen Stellen mehr Mut zeigen. Das meint BVB-Redakteur Niklas Kuhr.

BVB-Trainer Lucien Favre (61) ist bekannt für eine zurückhaltende und vorsichtige Art. Dies zeigt sich sowohl auf, als auch neben dem Platz. Viele Fans von Borussia Dortmund stören sich an dieser Einstellung und fordern mehr Mut. Ein Kommentar von Buzz09-Redakteur Niklas Kuhr.

  • Lucien Favre teilt die Meisterschaftsambitionen des Vereins nur zögerlich.
  • Auf dem Platz entscheidet sich der Schweizer oft für die sichere Aufstellungsvariante.
  • Eine mutige Auf- und Einstellung hat den BVB bisher immer ausgezeichnet.

BVB-Trainer Favre wirkt nicht glücklich mit den offensiv vorgetragenen Meisterschaftsambitionen

Dieser Artikel entspricht der Meinung des Autoren und spiegelt nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion wider.

Der BVB will in diesem Jahr Meister werden. Das wollte man vermutlich auch schon in der letzten Saison gerne, öffentlich hat man sich mit Aussagen dazu aber lange zurückgehalten. Das ist diesmal anders.

„Wir wollen Meister werden!“, äußerte sich beispielsweise BVB-Boss Hans-Joachim Watzke vor der Saison in der BILD. Die Mannschaft trägt diese Forderung nicht nur mit, sondern hat sie sogar maßgeblich initiiert.

Lucien Favre, zu dem es unterschiedliche Meinungen gibt, fühlt sich damit sichtlich nicht wohl. „Wir müssen aufpassen, was wir sagen“, formulierte der Trainer bereits mehrmals seine Zweifel an der offensiven Kommunikation. Der Schweizer sieht, wie gewohnt, noch viele Defizite im Team und viel zu verbessern.

Als Trainer eines Vereins wie Borussia Dortmund und mit dieser Transferoffensive im Sommer, ist es aber nur logisch, dass Titelambitionen gehegt werden. Damit muss man als Trainer des BVB umgehen können. Borussia Dortmund hat übrigens für den englischen Nationaltrainer Gareth Southgate, der über Jadon Sancho gesprochen hat, einen gewissen Standortnachteil.

Eine mutigere Aufstellung bei Borussia Dortmund

Schon länger kritisieren die BVB-Fans die häufig sehr defensiven Aufstellungen Favres. Selbst gegen deutlich unterlegene Teams rückt der Trainer nicht von seinem 4-2-3-1 System ab. Bei Union Berlin startete er mit einer Doppel-6 aus Weigl und Delaney.

Dabei böte das enorme Offensivpotenzial des BVB viele Möglichkeiten, die Mannschaft deutlich offensiver aufzustellen. Beispielsweise mit nur einem defensiven Mittelfeldspieler. Auch die Abkehr von der Viererkette hin zu einer Dreierkette wäre mit dem Personal und den offensiven Außenverteidigern denkbar.

Insgesamt wünscht man sich von Lucien Favre etwas mehr Flexibilität, was die Wahl der Systematik und der Herangehensweise an einzelne Spiele angeht.

Favre fordert Geduld – das ist wichtig, aber nicht alles

Immer wieder fordert Favre von seinem Team Geduld. Bei der Niederlage in Berlin mahnte der Schweizer, eben diese Geduld sei seinem Team abhandengekommen. Richtig ist, dass Geduld eine große Stärke des BVB unter Favre ist. Häufig erzielt man so späte Tore und dreht Spiele noch in der Schlussphase.

Bei aller Geduld muss das Spiel aber trotzdem druckvoll und intensiv sein. Das ließ der BVB vor allem in Berlin über 90 Minuten vermissen. Von Favre wünscht man sich in solchen Situationen dann auch ein größeres Einwirken von der Seitenlinie.

Favre ist der richtige Trainer für den BVB, aber…

Die Probleme, die der BVB vor allem gegen kleinere Teams hat, sind keine trainerspezifischen. Dementsprechend wäre es falsch, einen anderen Trainer für den BVB zu fordern. Wünschen würde man sich dennoch eine etwas mutigere Herangehensweise des Trainers, auch in einzelnen Personalfragen.

Sollte zum Beispiel Manuel Akanji aufgrund seiner bei der Nationalmannschaft erlittenen Verletzung gegen Leverkusen ausfallen, sollte nicht erneut Julian Weigl in die Innenverteidigung rücken. Der Platz sollte an einen der beiden hochtalentierten Verteidiger gehen, die der BVB noch im Kader hat: Zagadou oder Balerdi.

Auch das wäre mit Mut und etwas Risiko verbunden. Aber genau das würde man sich von Lucien Favre an einigen Stellen deutlich öfter wünschen.