BVB bricht mit Prinzipien

Kommentar: Warum der Haaland-Transfer für den BVB ein Fehler ist

Mit dem Transfer von Erling Haaland sorgt der BVB für große Aufmerksamkeit. Doch der Coup birgt für Borussia Dortmund ein großes Risiko. Ein Kommentar.

  • Der BVB gewährt Erling Haaland angeblich eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag.
  • Diese schloss Hans-Joachim Watzke vor längerer Zeit kategorisch aus.
  • Nun könnten andere Talente und Berater ein Exempel statuiert sehen.

Erling Haaland: Beim BVB mit Ausstiegsklausel - Borussia Dortmund bricht mit Prinzipien

Am 29. Dezember des mittlerweile vergangenen Jahres gab der BVB den Transfer von Sturmjuwel Erling Braut Haaland (19) bekannt. Ein Transfer, der für Aufmerksamkeit sorgte und seitdem auch immer wieder für Spekulationen. Immerwährender Bestandteil dieser Spekulationen: Eine mögliche Ausstiegsklausel.

Nachdem nun verschiedene Medien übereinstimmend berichten, kann mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, dass der BVB Haaland eine solche Ausstiegsklausel im Vertrag gewährt hat. Damit bricht Borussia Dortmund mit einem eisernen Prinzip, das er sich vor Jahren selbst auferlegt hat (Die Details zu Haalands Ausstiegsklausel findet ihr hier). 

Erling Haaland: BVB droht erneut ein schmerzlicher Abgang? 

"Es wird künftig bei Borussia Dortmund keine Ausstiegsklauseln mehr geben". Das sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (60) im Mai 2013. Für diese Aussage gab es zwei für den BVB äußerst schmerzhafte Gründe: Der Wechsel von Nuri Sahin für 10 Millionen Euro 2011 zu Real Madrid. Und der Wechsel von Mario Götze für 37 Millionen Euro 2013 zum FC Bayern. Beide wechselten per Klausel und beide zu diesem Zeitpunkt deutlich unter Marktwert.

Danach machte es der BVB deutlich besser. Top-Talente wie Ousmane Dembele (22) oder Jadon Sancho (19) unterschrieben langfristig ohne Klausel. Ousmane Dembele brachte dem BVB weit über 100 Mio. Euro ein. Auch Jadon Sancho wird diese Marke bei einem Wechsel deutlich knacken. Gerüchte um Jadon Sancho gibt es reichlich, zuletzt sogar eines, dass ihn mit dem FC Bayern in Verbindung bringt.

Erling Haaland: BVB ist auf Transfereinnahmen angewiesen 

Ein Blick in die Bilanzen zeigt: Der BVB ist mittlerweile angewiesen auf Transfereinnahmen in dieser Größenordnung. Mit den Einnahmen müssen die inzwischen sehr hohen Personalkosten gedeckt werden. Und es wird benötigt, um den Kader weiterzuentwickeln. Ein immerwährender Kreislauf aus (relativ) günstigem Einkauf von Top-Talenten, deren Fähigkeiten der BVB für zwei bis drei Jahre genießt. Und einem anschließenden Verkauf für ein Vielfaches, was wiederum weitere Schritte auf dem Transfermarkt ermöglicht.

Eine Transferpolitik, die den BVB zur einzigartigen Adresse für Top-Talente in ganz Europa gemacht hat und mit der BVB eine Art Nische im immer höher kochenden Transferwahnsinn eingenommen hat. Nun musste man diesem Wahnsinn wohl ein erstes Mal Tribut zollen und den erfolgreichen Weg verlassen.

Erling Haaland beim BVB als Exempel - Ausstiegsklausel birgt Gefahr für die Zukunft

Auch Erling Haaland, der im ersten BVB-Testspiel des Wintertrainingslagers gegen Standard Lüttich noch nicht zum Einsatz kommen wird, dürfte bei zu erwartender Entwicklung an die Ablösesummen von Ousmane Dembele und Jadon Sancho heranreichen - wenn sie frei verhandelt wird. Mit einer Ausstiegsklausel wird das nicht passieren. Die Bild (Bezahlartikel) brachte heute eine Summe von "deutlich über 60 Mio." ins Gespräch. Läuft alles wie erwartet, ist Erling Haaland in zwei bis drei  Jahren die doppelte Summe Wert. Dabei geht der BVB mit der Klausel nicht nur finanziell ein Risiko ein.

In den nächsten Verhandlungen mit Top-Talenten könnten die Spieler und Berater das Vorgehen bei Erling Haaland als Beispiel nehmen und ebenfalls eine Klausel verlangen. Dann stellt sich die Frage, ob Erling Haaland für den BVB eine Ausnahme war, oder, ob dieser Transfer die Transferstrategie nachhaltig negativ beeinflusst hat.

Rubriklistenbild: © BVB

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