Mit Jakub „Kuba“ Blaszczykowksi verlässt Borussia Dortmund ein Typ, der für die BVB-Fans mehr war als nur ein Fußballspieler. 

Dortmund – Der Sommer 2007 erscheint aus heutiger Sicht wie eine andere Zeit. Borussia Dortmund gab knapp 10,5 Millionen Euro für neue Spieler aus. Verdammt, so viel? Für damalige Verhältnisse war das ein Vermögen. Kurze Erinnerung: Der schändliche aber notwendige Gang nach Düsseldorf war erst zwei Jahre her. Die Jubelstürme des 12. Mai 2007 waren noch nicht ganz verhallt und die Neuzugänge versprachen zumindest Besserung. Während Dortmund 2004 (keine Ausgaben) und 2005 (1,7 Mio Ausgaben) auf dem Transfermarkt blass bleiben musste, fand im Jahr 2006 (11,75 Mio Ausgaben) und 2007 (10,5 Mio Ausgaben) eine wahre Transfer-Offensive statt. Die Neuzugänge versprachen nach Hungerjahren wieder mehr Erfolg. Frei, Tinga, Federico, Kovac, Klimowicz und Petric halfen dem Verein kurzfristig weiter. Talente wie Mats Hummels oder eben der junge, polnische Mittelfeldspieler Jakub Blaszczykowski waren Vorboten einer Ära, die sich nicht einmal Hollywoodautoren hätten ausdenken können.

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Jakub „Kuba“ Blaszczykowski (unten rechts) ist unter den Neuzugängen im Sommer 2007. Foto: dpa

2007 – „Kuba“ – der polnische Figo

Zwei Anekdoten sind aus der Anfangszeit im Kopf geblieben. Jakub Blaszczykowksi sagte in einem der ersten Interviews, dass ihn die Leute gerne „Kuba“ nennen können. „Mein Name ist in Deutschland sehr kompliziert, das weiß ich“, sagte der sympathische Pole im Sommer 2007. Witzig waren die zahlreichen Variationen, die sich Sky- und Sportschaureporter in den kommenden Jahren ausdachten.

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Zudem sprach die polnische Presse in höchsten Tönen. „Er ist der polnische Figo. Ihr in Dortmund werdet viel Freude an Jakub haben!“. Stimmt. Auch wenn das erste Jahr unter Thomas „da lach ich mir doch den A… ab“ Doll nicht so leicht war und Borussia Dortmund sehr lange gegen den Abstieg spielte, so kann man heute ohne Zweifel behaupten – an Jakub Blaszczykowski hatten wir sehr viel Freude.

2011 – 2013 – Polonia Dortmund

In Dortmund wuchs „Kuba“ zu einem der besten Mittelfeldspieler in Europa heran und hatte zwischen 2011 und 2013 seinen Höhepunkt. Besonders die Verpflichtung von Lukasz Piszczek im Jahr 2011, der ablösefrei von Hertha BSC Berlin kam, bewirkte Wunder. Borussia Dortmund stellte auf dem Höhepunkt der Klopp-Ära eine der wohl besten rechten Angriffsseiten in Europa. Vor der EM 2012 in Polen & Ukraine nannte der damalige polnische Nationaltrainer Franciszek Smuda Borussia Dortmund den „wichtigsten Verein für die polnische Nationalelf“. Es spielte ja auch noch ein gewisser Robert Lewandowski im Sturm.

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„Polonia“ Dortmund auf dem Höhepunkt. Foto: dpa

Es war Jürgen Klopp, der aus „Kuba“ einen ackernden, fairen und nimmermüden „Gaul“ machte, dessen Revier die rechte Mittelfeldseite war. Der Pole fiel jedoch nicht nur durch seine Taten auf dem Feld auf. Auch seine Taten neben dem Platz machten ihn zu einem der beliebtesten Spieler von Borussia Dortmund der letzten Jahre.

2015 – Vorboten eines Endes

Das „Ende“ von Blaszczykowski in Dortmund kam mit dem Kreuzband- und Muskelfaserriss im Jahr 2014. Danach kam der Mittelfeldspieler nicht mehr in Dortmund auf die Beine. 2015 suchte „Kuba“ in einem anderen Verein Spielpraxis und lehnte ein Angebot aus der Umgebung ab. „Schalke wollte mich unbedingt. Aber aus Respekt für die Fans des BVB habe ich diese Möglichkeit nicht in Betracht gezogen. Ich glaube immer noch daran, dass es im Fußball und im Leben um mehr geht als nur Geld“, sagte Blaszczykowski im Sommer des letzten Jahres.

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Eine Verletzung warf „Kuba“ 2014 aus der Bahn. Foto: dpa

2015, als er unter Thomas Tuchel zum ersten Mal schlechtere Perspektiven sah und sich nach Florenz ausleihen ließ. Nun ist es soweit. Blaszczykowski wird nicht ausgeliehen. Er verlässt den Verein und macht Platz für neue, jüngere und (aus Sicht der aktuellen sportlichen Leitung) bessere Spieler. Ob es ein Fehler sein wird, den erfahrenen Polen ziehen zu lassen? Bei der Europameisterschaft gehörte „Kuba“ zu den Besten im polnischen Team und stellte auch die Leistung von Robert Lewandowski in den Schatten. Er kann es noch, dachten viele BVB-Fans und freuten sich auf eine Rückkehr, die nur von kurzer Dauer war.

2016 – Mit der Nummer „16“…

Egal ob der Fehlschuss von Freiburg, die Magie gegen Madrid oder seine tiefe Dankbarkeit gegenüber dem Verein Borussia und der Stadt Dortmund (wie beim Facebook-Post vor knapp elf Monaten) – die Nummer 16 wird bei Borussia Dortmund mittlerweile ebenso legendär sein wie die Nummer 17 eines gewissen linken Außenverteidigers.

Dziekuje Kuba!
Do Widzenia!

PS: Am Ende habe ich doch noch gelernt, dass dein Nachname mit „zcz“ und nicht mit „czc“ geschrieben wird.