Klubboss hat die Nase voll

BVB: Corona-Regeln sind Watzke ein Dorn im Auge – Schotten haben Hoffnung

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke will im Zweifel juristisch gegen die geltenden Corona-Auflagen für Fußballspiele vorgehen. In Schottland hört man genau hin.

Dortmund – Der Corona-Gipfel von Bund und Ländern am Montag (24. Januar) war beschlussarm wie lange nicht mehr. Weniger diskutiert wird deshalb über das Treffen im Nachgang aber nicht. Insbesondere Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, hat Redebedarf.

UnternehmerHans-Joachim Watzke
Geboren21. Juni 1959 (Alter 62 Jahre), Marsberg
AmtGeschäftsführer von Borussia Dortmund
seit2005

BVB: Watzke nach Corona-Gipfel sauer – Borussia Dortmund erwägt Eilverfahren

Die Beschlüsse, die sich mit „Erst mal weiter so“ zusammenfassen lassen, sehen zwar keine Verschärfungen der geltenden Corona-Regeln vor, aber eben auch keine Lockerungen. Für Fußballspiele in NRW bedeutet das: Vorerst sind weiterhin nur 750 Zuschauer zugelassen. Verständigt wurde sich lediglich darauf, die Zuschauerfrage am 9. Februar für alle Bundesländer einheitlich zu klären.

BVB-Boss Watzke hat angesichts dessen die Nase voll. Bereits kurz nach dem Corona-Gipfel am Montagabend verschaffte er seinem Ärger Luft. Es sei „bitter, dass die Mehrheit der MPK-Teilnehmer nach zwei Jahren nur an Verbote denkt und nicht auch an ein Mindestmaß an Möglichkeiten und logischen Entscheidungen“, ließ der 62-Jährige gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA) verlauten. Über die Wutrede von Watzke berichtet auch wa.de*.

BVB-Geschäftsführer Watzke ist nach dem jüngsten Corona-Gipfel bedient.

Mehr noch: Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund kündigte an, notfalls juristisch gegen die Beschlüsse des Landes NRW vorzugehen. „Wir werden prüfen, ob wir sie im Eilverfahren kontrollieren lassen.“ Seine ablehnende Haltung gegenüber dem Festhalten am Quasi-Zuschauerverbot für Spiele der Bundesliga begründete Watzke mit der Zahl der Impfungen und der fehlenden Verhältnismäßigkeit mit Blick auf andere Veranstaltungen.

BVB-Boss Watzke will mehr Zuschauer im Fußballstadion: „Keine Wissenschaft mehr“

Knapp drei Viertel der Deutschen seien geimpft und es gebe ausreichend Impfangebote für jeden einzelnen Bürger. Man wisse zudem mehr über die Variante Omikron. Den BVB-Boss ärgert insbesondere, dass „in Innenräumen teilweise fast 90 Prozent der Kapazität“ zugelassen sein, in Freiluftstadien hingegen nur 750 Menschen (mehr Corona-News aus NRW bei RUHR24).

Das sei nicht verhältnismäßig und habe auch nichts mehr mit Wissenschaft zu tun, so der BVB-Boss. Statt des oft erhobenen Vorwurfs, der Fußball erhalte mit Blick auf die Corona-Pandemie in Deutschland eine Extrawurst, sei laut Watzke das genaue Gegenteil der Fall. Der Fußball werde „zum Opfer von Symbolpolitik“.

Unter freiem Himmel werden die Leute ausgesperrt. Das ist nicht verhältnismäßig, das ist auch keine Wissenschaft, das versteht kein Mensch mehr.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke

Grundsätzlich ähnlich äußerte sich auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL). Wenngleich der Ligaverband betonte, zumindest bis zum besagten 9. Februar die Füße stillzuhalten. Es sei „nicht nachvollziehbar, dass der Profisport aktuell an vielen Stellen objektiv schlechter gestellt ist als andere Lebensbereiche“, so DFL-Chefin Donata Hopfen. Man hoffe in zwei Wochen auf konkrete Lösungsansätze.

BVB: Watzke-Aufschrei weckt leise Hoffnungen bei Euro-League-Gegner Rangers

Der Ärger von Watzke wurde aber nicht nur in Deutschland wahrgenommen, sondern auch in Schottland – genauer gesagt in Glasgow. Denn von dort kommen die Rangers, der Gegner von Borussia Dortmund in der Zwischenrunde der Europa League. Die dortigen Medien, wie die in Glasgow ansässige Zeitung Daily Record, berichten über die Corona-Rebellion des 62-Jährigen.

Auf der Insel hat Watzke mit seinem Aufschrei leise Hoffnungen geweckt, dass möglicherweise doch noch Gästefans zum Hinspiel am 17. Februar (18.45 Uhr) in den Dortmunder Signal Iduna Park reisen dürfen. Klar ist schon jetzt: Zum Rückspiel im Ibrox Stadium in Glasgow (24. Februar, 21 Uhr) dürfen tausende BVB-Fans kommen.

Allzu optimistisch ist man auf der Insel aber nicht. Im Bericht der Daily Record heißt es, dass die Zulassung von mehr Zuschauern und Gästefans beim Hinspiel unwahrscheinlich sei, sofern Borussia Dortmund keinen Rechtsstreit in der Sache gewinnt. Es bleibt also abzuwarten, ob die Corona-Brandrede von Watzke zu einem rechtzeitigen Umdenken – auch im schottischen Interesse – führen wird. mit Material von SID und DPA

Rubriklistenbild: © Christopher Neundorf/Kirchner-Media, Ina Fassbender/AFP; Collage: RUHR24

Mehr zum Thema