Kommentar

BVB: Der Dortmund-Umbruch droht zur Enttäuschung für Fans zu werden

Der BVB-Umbruch im Sommer wird enttäuschend ausfallen. Ein Kommentar.

Dortmund – „Ein ‚Weiter so‘ wird es nicht geben“, kündigte der künftige BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl mit Blick auf die kommende Saison kürzlich im Kicker an. Der ausgerufene Umbruch wird viele Fans von Borussia Dortmund enttäuschen, glaubt RUHR24-Autor Nicolas Luik.

VereinBorussia Dortmund (BVB)
Gründung19. Dezember 1909
StadionSignal Iduna Park
TrainerMarco Rose

BVB: Der Umbruch im Sommer wird viele Fans enttäuschen

Ende Februar lautet die enttäuschende Bilanz: Raus in allen drei Pokal-Wettbewerben und in der Bundesliga im Bestfall die zweite Geige hinter dem FC Bayern. Die schwarz-gelbe Saison liegt schon jetzt in Scherben. Die Hoffnung vieler Fans ruht auf Sebastian Kehl, der im Sommer den scheidenden Sportdirektor Michael Zorc ablöst. Dieser hat über Jahre hinweg überragende Arbeit geleistet, zuletzt aber viel zu oft bei Transfers in die Tonne gegriffen.

Inzwischen unterhält der BVB eine Mannschaft, die nahezu untrainierbar ist. Nur einzelne Jungstars wie Erling Haaland, Jude Bellingham oder Gregor Kobel zeigen das Winner-Gen. Und besitzen auch die sportlichen Fähigkeiten, dieses auf den Platz zu bringen.

BVB vor „Umbruch Light“: Ladenhüter haben Vertrag – Haaland weg, Bellingham bedient

Aber: Erling Haaland wird im Sommer mit großer Wahrscheinlichkeit gehen. Jude Bellingham beschwert sich schon jetzt lautstark auf dem Platz über die Durchschnittlichkeit seiner Mitspieler. Die Versuche, teure Ladenhüter mit hohem Gehaltsscheck abzugeben, werden aber auch künftig nur bedingt erfolgreich sein.

Verträge wie jene von Roman Bürki, Nico Schulz oder Marius Wolf laufen noch über den Sommer hinaus, Interessenten sind Mangelware. Der so talentierte Raphael Guerreiro fällt zu oft durch Lustlosigkeit und Verletzungen aus, Julian Brandt und Thorgan Hazard sind bestenfalls große Fragezeichen.

BVB: Kehl wird Marco Reus und Mats Hummels nicht degradieren – eigene Talente haben es schwer

Führungsspieler wie Marco Reus und Mats Hummels haben ihre beste Zeit hinter sich. Dass Sebastian Kehl seine langjährigen Weggefährten degradiert oder gar einen Abschied nahelegt, ist aber nahezu ausgeschlossen.

Der BVB benötigt Verstärkungen in nahezu allen Mannschaftsbereichen. Besonders drückt der Schuh in der Innenverteidigung. Auch auf den defensiven wie offensiven Flügeln werden dringend Verstärkungen gebraucht. Und natürlich eine Sturm-Spitze, die Erling Haaland ersetzen muss. Die personelle Großbaustelle wird für den finanziell angeschlagenen Klub zur kaum stemmbaren Mammutaufgabe.

Zu viele Strukturen beim BVB sind zu festgefahren, als dass ein umfassender Umbruch im Sommer aussichtsreich wäre.

Auch Talente aus den eigenen Reihen haben es in Dortmund schwer. Marco Rose zog es bei der neuerlichen 1:1-Enttäuschung in Augsburg trotz zahlreicher verletzungsbedingter Ausfälle vor, einen Kaderplatz freizulassen, anstatt Verstärkung aus der U19 oder U23 eine Chance zu geben.

BVB Umbruch mit Marco Rose? Dortmund muss Trainer als Teil des Problems in Erwägung ziehen

Hinzu kommt: Sebastian Kehl ist der Management-Ziehsohn von Aki Watzke und Michael Zorc. Schwer vorstellbar, dass er das Werk seiner BVB-Vorbilder im Handumdrehen auf links dreht. Dazu hat Berater Matthias Sammer seinen Vertrag bereits um ein weiteres Jahr verlängert – obwohl der Nutzen seiner Anstellung weiterhin ein großes Fragezeichen bleibt.

Nicht zuletzt muss sich Trainer Marco Rose vorwerfen lassen, dass seit seiner Ankunft in Dortmund kein spielerischer Fortschritt erkennbar ist. Eine klare Identität – sie ist den Fans im Ruhrpott immer besonders wichtig – konnte der gebürtige Leipziger seinem Team bisher nicht vermitteln.

Beim BVB ist man aber weiterhin nicht bereit, auch den Trainer als Teil des Problems zu benennen. Zumindest Stand jetzt. Insgesamt erhärtet sich der Verdacht: Die Neuorientierung im Sommer wird als enttäuschender „Umbruch Light“ ausfallen.

Rubriklistenbild: © Ronny Hartmann/AFP