Nach Aufstieg und Einspruch

Spott und Häme nach BVB-Aufstieg: U23 verhöhnt in der Kabine Rot-Weiss Essen

Nach dem Aufstieg der BVB U23 geht der Streit mit Rot-Weiss Essen in die nächste Runde. RWE ist erbost über einen Kabinensong. Und hält am Einspruch fest.

Dortmund - Das Verhältnis zwischen der U23 von Borussia Dortmund und Rot-Weiss Essen ist im Moment angespannt. Nach dem sportlichen Aufstieg des BVB II in die 3. Liga entlud sich in der Kabine, was sich zuvor angestaut hatte.

VereinBorussia Dortmund U23 (BVB II)
SpielstätteStadion Rote Erde
LigaRegionalliga West
TrainerEnrico Maaßen

BVB feiert Aufstieg nach RWE-Einspruch - U23 verspottet Rot-Weiss Essen

Den 2:1-Sieg gegen den Wuppertaler SV am letzten Spieltag feierten die Spieler ausgelassen. Sekt und Bier flossen reichlich. Die Spieler tanzten in den Aufstiegsshirts mit der Aufschrift „Simply the Best in Regionalliga West“ durch den Raum, andere feierte mit freiem Oberkörper auf den Bänken.

So weit, so normal für eine Mannschaft, die erstmals seit der Saison 2011/2012 wieder aufgestiegen ist. Etwas ungewöhnlicher waren die Klänge, zu denen sich die Mannschaft von Trainer Enrico Maaßen austobte.

BVB U23: Tobi Raschl, Ansgar Knauff und Kollegen skandieren Vereinshymne von Rot-Weiss Essen

Es handelte sich um „Adiole“. Das ist die Vereinshymne des großen Konkurrenten Rot-Weiss Essen. „Seit wir zwei uns gefunden, OH RWE! Kenn ich nur frohe Stunden, OH RWE!“ heißt es da. „Ich hab den Himmel auf Erden, OH RWE! Schöner kanns nicht mehr werden, OH RWE!“ Die BVB-Truppe um Siegtorschütze Ansgar Knauff und Tobias Raschl sangen kräftig mit.

Der Mittelfeldspieler der U23 stellte die Szene schließlich auf seinem Instagram-Account online. Das stieß bei Rot-Weiss Essen auf wenig Begeisterung.

Der BVB II mit Trainer Enrico Maaßen steigt in die 3. Liga auf.

BVB feiert Aufstieg in 3. Liga mit RWE-Hymne: Rot-Weiss Essen reagiert erbost

„Es wird immer davon gesprochen, dass man ein fairer Verlierer sein soll. Ich finde es viel wichtiger, ein fairer Sieger zu sein“, echauffierte sich Sportdirektor Jörn Nowak gegenüber Reviersport. „Mit unserer Vereinshymne in der Kabine den Aufstieg zu feiern, ist an Überheblichkeit nicht zu überbieten. Diese Dortmunder Mannschaft wurde nur zu einem Zweck zusammengestellt - wenigstens nach dem 40. Spieltag könnte man einmal öffentlich dazu stehen.“

Ingo Preuß, Teammanager der BVB U23, entschuldigte sich später. Die ungewöhnliche Ausleihe der RWE-Hymne sei „nicht in Ordnung“ gewesen.

BVB U23 im Clinch mit RWE: Aufstieg mit Ansgar Knauff und Steffen Tigges missfällt Rot-Weiss Essen

Die Vorgeschichte: Bei RWE ist man nicht erfreut darüber, dass bei der BVB U23 Spieler wie Steffen Tigges oder Ansgar Knauff zwischen Bundesliga-Team und Regionalliga West hin und her pendelten.

In Dortmund kann man diese Kritik nicht nachvollziehen. „Es ist eine ganz klare U23. Eher verstärkt mit U19-Spielern als mit Profis“, sagte Lars Ricken nach Spielschluss in Wuppertal.

BVB weist Vorwürfe von Rot-Weiss Essen zurück, RWE-Sportdirektor kontert

„Steffen Tigges und Ansgar Knauff sind hier zur U23 gekommen und haben es sich dann im Laufe der Saison verdient, bei den Profis zu spielen. Letztendlich hat die Mannschaft es komplett ohne Profis geschafft“, so der Nachwuchkoordinator des BVB.

Jörn Nowak hält für Rot-Weiss Essen dagegen. Man habe zwar Respekt vor der außergewöhnlichen Leistung der jungen Dortmunder Mannschaft. „Wenn ich aber lese, dass die Dortmunder ohne Profis ausgekommen sind, gehe ich kaputt. Ich lade Herrn Ricken gern zum Kaffee ein, um mit ihm mal den Begriff des „Profis“ zu erörtern.“

Steffen Tigges (r.), hier im Duell mit Mats Hummels, feierte sein Profi-Debüt für den BVB. Er spielt seit Juli 2019 für Borussia Dortmund.

BVB U23 in der Regionalliga: Einspruch von Rot-Weiss Essen könnte Aufstieg noch verhindern

Den zwischenzeitlichen Gipfel der Meinungsverschiedenheiten erreichte der Zwist, als RWE Einspruch gegen Spiele der BVB U23 einlegte. Diesmal ging es um den Vorwurf, Borussia Dortmund habe seinen Spielern vor dem Saison-Endspurt eine Pause gönnen wollen.

Weil zahlreiche Spieler der U23 von Borussia Dortmund in Corona-Quarantäne mussten, hatte die Mannschaft eine mehrwöchige Pause. So konnten auch Steffen Tigges und Ansgar Knauff im Finale der Regionalliga West mitwirken, die zu diesem Zeitpunkt mit der Bundesliga-Mannschaft im Quarantäne-Trainingslager waren.

BVB U23 nach Einspruch von Rot-Weiss Essen: „Hatte oft genug wenig mit Sport zu tun“

Bei Rot-Weiss Essen bezweifelt man weiterhin die Rechtmäßigkeit der Spielverlegungen in diesem Zusammenhang. Würden die beanstandeten Spiele nachträglich gegen Borussia Dortmund gewertet, könnte sich RWE über den Aufstieg freuen. Der BVB hingegen betont, stets in Absprache nach den Regeln des Verbandes gehandelt zu haben.

Ansgar Knauff schoss das entscheidende Tor zum Aufstieg der BVB U23.

„Wir können für die Eingaben von RW Essen nichts“, sagte BVB-Teammanager Ingo Preuß im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten (Bezahlartikel). „Mit so vielen Dingen abseits des Platzes wie in diesem Jahr, das habe ich noch nicht erlebt. Das hatte oft genug wenig mit Sport zu tun.“

BVB: U23-Spieler Franz Pfanne kritisiert RWE- Einspruch und wünscht Aufstieg im nächsten jahr

Mittelfeldspieler Franz Pfanne wurde im RN-Interview noch deutlicher: „Letztes Jahr war das dasselbe. Verl wird Meister, Rot-Weiss Essen legt Einspruch ein. Dieses Jahr wussten sie, dass sie nicht mehr von selbst Meister werden können und dann kommt plötzlich wieder ein Einspruch.“

Über mehrere Berater sei nachgefragt worden, ob die damals betroffenen Spieler tatsächlich Corona hätten. „Ich verstehe es, dass es der Verein macht. Trotzdem finde ich es ein bisschen respektlos“, sagt der 26-Jährige. Allerdings wünscht er dem Verein „mit geilen Fans“ trotzdem den Aufstieg in der kommenden Saison.

Franz Pfanne jubelt über ein Tor für die BVB U23.

BVB: Rot-Weiss Essen bekräftigt Einspruch, Auch Jude Bellingham gratuliert der U23

Rot-Weiss Essen hält unterdessen wie Absteiger SV Bergisch Gladbach weiterhin am Einspruch fest. „Wir wissen, dass es Montag ein verbandsinternes Meeting und Vorgespräch gibt. Und dann warten wir auf den Termin der Gerichtsverhandlung“, erklärte erklärte der RWE-Vorstandsvorsitzende Marcus Uhlig bei der WAZ.

Beim BVB trübte die bevorstehende juristische Abklärung die Freude über den Aufstieg nur bedingt. Auch ein junger Profi jubelte mit den U23-Kollegen mit. „Jaaa Jungs“, kommentierte Jude Bellingham in seiner Instagram-Story.

Bezüglich der Feierlichkeiten gab er den nicht ganz ernst gemeinten Rat: „Kein Alkohol, bitte.“ Hintergrund: Auch nach dem DFB-Pokalsieg der Profis war das Bier in Strömen geflossen. Damals hatte Felix Passlack rigoros versucht, dem Engländer einen kräftigen Schluck einzuflößen.

Rubriklistenbild: © Noah Wedel/Kirchner

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