Kommentierende Analyse

Minimalziele in Gefahr: Warum Borussia Dortmund jetzt fünf Transfers abwickeln muss

Borussia Dortmund läuft den Ansprüchen völlig hinterher. Veränderungen in Form von Transfers müssen beim BVB her, kommentiert RUHR24-Redakteur Marcel Witte in seiner Analyse.

Dortmund – Die Bundesliga-Saison 2020/21 verläuft bislang überhaupt nicht nach den Ansprüchen von Borussia Dortmund. Im Jahr 2021 holte der BVB erst sieben Punkte aus fünf Spielen. Zu wenig für einen Champions-League-Aspiranten. Mit fünf Transfers könnten die Schwarz-Gelben den Problemen entgegenwirken, doch die Verantwortlichen sträuben sich.

VereinBorussia Dortmund
TrainerEdin Terzic
StadionSignal Iduna Park
Kapazität81.365 Zuschauer
OrtDortmund

Borussia Dortmund: Keine Transfers zum BVB im Januar 2021

Sportdirektor Michael Zorc (58) verriet bereits die Pläne des BVB im Transfer-Winter. Eine personelle Aufstockung ist nicht geplant: „Die Spieler, die wir haben, sind gut genug. Und die müssen wir in eine gute Verfassung bringen und erreichen, dass sie einfach weniger Fehler machen.“ Unrecht der 58-Jährige damit nicht. Dass die Profis das Potenzial zu einer besseren Platzierung haben, zeigte nicht zuletzt der 3:1-Sieg bei RB Leipzig am 9. Januar.

„Dortmund wie entfesselt“ oder „Mega-Sieg des BVB bei RB Leipzig“ waren nur ein Teil der vielen Überschriften in den Medien zum Sieg beim Konkurrenten um einen Champions-League-Platz. Die Hoffnung war groß, dass der Vizemeister unter Trainer Edin Terzic (38) wieder langanhaltend in die Erfolgsspur finden würde. Doch der Schein trog. Seit dem Leipzig-Spiel hat die Borussia nicht mehr gewonnen.

Borussia Dortmund: Der BVB könnte in der Bundesliga die internationalen Plätze komplett verfehlen

Jetzt herrscht in Dortmund sogar Alarmstufe Rot: Das Verpassen der Champions League hätte heftige Folgen. Aktuell würde der BVB als Tabellensiebter der Bundesliga die internationalen Plätze sogar komplett verpassen. Sollte auch am Samstag (30. Januar) gegen den FC Augsburg kein Sieg folgen, droht die Borussia ins Tabellen-Mittelmaß abzurutschen – hinter Klubs wie Union Berlin und den SC Freiburg.

Womöglich rächt sich beim BVB nun die Transferpolitik, die bereits vor der Saison 2020/21 immer wieder ein Thema war. Ein immer wiederkehrender Vorwurf: die fehlende Breite im Kader. Zwar hat Borussia Dortmund immer noch die Chance, die Bundesliga-Saison 2020/21 zum Guten zu wenden, doch spätestens im Sommer 2021 sollten die Schwarz-Gelben über mehrere Veränderungen nachdenken – fünf Transfers könnten es sein.

Roman Bürki steht beim BVB in der Kritik. Der Torwart von Borussia Dortmund zeigte zuletzt immer wieder Schwächen.

Angefangen bei der Torhüter-Situation. Roman Bürki (30) steht heftig in der Kritik - muss der BVB sogar eine Torwart-Diskussion führen? Marwin Hitz (33) stünde bereit, doch ob er Borussia Dortmund langfristig in die Champions League verhelfen könnte, wäre zumindest fraglich. Ein guter neuer Keeper wäre jedoch teuer, andere Baustellen zudem wichtiger.

Borussia Dortmund: Roman Bürki steht nach Fehlern beim BVB immer wieder in der Kritik

Aber: Mit 48 gehaltenen Schüssen liegt Roman Bürki lediglich auf Rang 13 in der Bundesliga-Statistik. Manuel Neuer (34) vom FC Bayern hat beispielsweise vier Bälle mehr gehalten. Ein zuverlässiger Torwart würde der Defensive von Borussia Dortmund mehr Stabilität verleihen.

Doch auch hier muss der BVB nachlegen. Bereits früh in der Saison war klar: Die Abwehr könnte die Titelträume von Borussia Dortmund bremsen. Im Grunde gibt es nur eine konstante in der Innenverteidigung: Mats Hummels (32). Neben ihm ist zumeist Manuel Akanji (25) gesetzt. Eine solide Abwehr, dennoch sollten die Westfalen nachrüsten.

Zum einen mangelt es an Alternativen. Dan-Axel Zagadou (21) kämpft immer wieder mit Verletzungen. Emre Can (27) ist nur in einer Dreierkette eine wirkliche Option für die Position und Dortmund muss gewappnet sein: BVB-Abwehrchef Mats Hummels sprach zuletzt offen über sein Karriereende. Legt die Borussia nicht nach, drohen künftig noch größere Probleme.

Borussia Dortmund: Rechtsverteidiger Thomas Meunier bekommt immer wieder Kritik ab

Kurz nach dem Start in Dortmund gab es auch scharfe Kritik an Neuzugang und Rechtsverteidiger Thomas Meunier (29). Diese ist auch im weiteren Verlauf der Saison nicht abgeklungen. So hat der Belgier im Offensivspiel weiterhin Probleme, sich im Spiel der Schwarz-Gelben zurechtzufinden. „Thomas tut unserem Spiel gut“, wehrte sich Michael Zorc wiederum gegen die kritischen Stimmen.

Zumeist wurde der Vergleich zum Vorgänger Achraf Hakimi (22) herangezogen, der des Öfteren in der Offensive brillierte. Vergessen wird, dass er aber mitunter auch die Defensive vernachlässigte. Ein ähnlicher Spielertyp ist Raphael Guerreiro (27) auf der linken Außenseite. Der Portugiese könnte als linker Mittelfeldspieler oder sogar Linksaußen mehr seine Stärken ausspielen. Mit einer guten Rückendeckung wäre die fehlende Defensivarbeit nicht ganz so tragisch.

Raphael Guerreiro (r.) spielt beim BVB als Linksverteidiger. Weiter vorne wäre er aber wohl besser aufgehoben, um seine Stärken auszuspielen.

Der BVB bräuchte also auf beiden Außenverteidiger-Positionen neue Spieler. Auch alleine aus dem Grund, dass Borussia Dortmund bei einem Ausfall von Raphael Guerreiro und Thomas Meunier aktuell keine geeigneten Ersatzleute hat.

Borussia Dortmund: Auf den Außenverteidiger-Positionen fehlen dem BVB die Alternativen

Mateu Morey (20) zeigte auf der rechten Seite noch enorme Defizite und bräuchte vermutlich erst einmal noch Spielpraxis – die er aber bei den Westfalen nicht bekommt. Nico Schulz (27) läuft auf der linken Seite den Ansprüchen des BVB deutlich hinterher.

Würde Raphael Guerreiro auf der linken Seite nach vorne rücken können, wäre auch eine weitere Lücke im Kader des BVB geschlossen. Auf Rechtsaußen hat Borussia Dortmund mit Jadon Sancho (20) einen Weltklasse-Spieler in seinen Reihen. Dass auch der 20-Jährige mal einen schlechten Tag hat, kann bei einem jungen Spieler in der Entwicklungsphase vorkommen.

Doch in der Stärke-Rangliste kommt beim BVB auf den offensiven Außenpositionen nach Jadon Sancho lange nichts. Julian Brandt (24) sucht vergeblich nach der Form, die ihn vor seinem Wechsel in Leverkusen auszeichnete und die er bei der Borussia nur hin und wieder aufblitzen lässt. Thorgan Hazard (27) fehlt aktuell verletzt, aber womöglich auch einmal ein Spiel alleine entscheiden, gelingt dem Belgier in Dortmund bislang nicht. Zehn Tore in 55 Spielen sprechen eine deutliche Sprache.

Borussia Dortmund: Ein weiterer Flügelstürmer würde dem BVB weiterhelfen

Womöglich müssen die Schwarz-Gelben im Sommer 2021 tatsächlich einmal mehr Geld in die Hand nehmen und auf dem Transfermarkt aktiv werden. Ein Transfer eines Flügelstürmers wie Memphis Depay (26) wurde beim BVB immer wieder gehandelt. Der Niederländer würde Borussia Dortmund Erfahrung auf internationalem Niveau mitbringen – und wäre im Sommer 2021 sogar ablösefrei, da sein Vertrag bei Olympique Lyon Ende Juni ausläuft.

Denn ein Punkt wird beim BVB immer wieder gerne vergessen: Ex-Trainer Lucien Favre (63) warnte bei Borussia Dortmund bereits eindringlich, dass der Jugendtrend zum Verhängnis wird. Selbst ein Top-Stürmer wie Erling Haaland (20) kann mal eine Durststrecke haben. Schwankungen sind bei jungen Profis völlig normal.

Problematisch wird es nur, wenn letztlich fünf, sechs solcher Spieler gleichzeitig auflaufen. Dann ist Geduld gefragt – oder Veränderungen sind erforderlich, um die gesteckten Ziele direkt zu erreichen, wie jetzt bei Borussia Dortmund.

Diese Analyse entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Neundorf/Kirchner-Media

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