Brisante Aussagen

BVB: Julian Brandt löst Welle der Empörung aus – und reagiert sofort

Julian Brandt hat mit einem Interview für Empörung bei vielen BVB-Fans gesorgt. Er sei missverstanden worden, erklärt er anschließend.

Dortmund – Julian Brandt schloss seine persönliche Saison bei Borussia Dortmund mit neun Toren und acht Vorlagen aus 31-Bundesliga-Spielen ab. Hinzu kommen zwei Assists im DFB-Pokal. In Champions League und Europa League blieb der BVB-Star komplett ohne Torbeteiligung. Jetzt zieht er extrem offen Bilanz, was für reichlich Aufsehen sorgt.

NameJulian Brandt
Geboren2. Mai 1996 (Alter 26 Jahre), Bremen
Größe1,85 Meter
Aktueller VereinBorussia Dortmund (BVB)

BVB: Julian Brandt packt aus – Welle der Entrüstung bricht über ihn hinein

„Mein Anspruch ist es, mehr Tore, mehr coole Momente und mehr Assists zu haben als diese Saison. Es war in Ordnung für mich, mehr aber auch nicht“ sagt er rückblickend beim Kicker meets DAZN-Podcast. „Weil ich habe schon einen hohen Anspruch an mich selbst. Ich sehe manchmal ein bisschen ehrgeizlos aus. Aber ich habe einen großen Ehrgeiz in mir drin. Und trotzdem ist es in Ordnung und eine gute Basis für die nächste Saison.“

Aussagen von Julian Brandt sorgten für Empörung bei den BVB-Fans.

Julian Brandt sagt, er sei früher noch öfter ins Dribbling gegangen. Er bewundert Künstler wie Ronaldinho. Sein Ding ist, dem Publikum im Stadion mit besonderen Aktionen ein Raunen zu entlocken. Inzwischen, so der BVB-Star, habe er aber sein Spiel etwas mehr an die aktuellen Begebenheiten des Profifußballs angepasst. Das heißt weniger Risiko, weniger Kontakte und schnelleres, schnörkelloseres Passspiel.

BVB-Star Julian Brandt: „Gibt welche, denen gehst du seit drei Jahren auf den Sack“

Dennoch hat er sich seinen Hang zur Verspieltheit beibehalten. „Ich glaube, dass das ein paar Leuten tief auf den Sack geht“, sagt er. „Es gibt zwei Lager in Dortmund. Es gibt welche, die finden dich cool. Und es gibt welche, denen gehst du seit drei Jahren auf den Sack. Und die denken sich wahrscheinlich auch: ‚Wär gut, wenn wir das Kapitel irgendwann mal abschließen‘“.

Seit er im Sommer 2019 von Bayer Leverkusen zum BVB gewechselt ist, wird dem 26-Jährigen immer wieder vorgeworfen, sein Potenzial nicht vollständig abzurufen. 17 Torbeteiligungen in der abgelaufenen Bundesliga-Saison sind ein ordentlicher Wert, aber Mängel im Defensivverhalten und unnötige Ballverluste sind ein wiederkehrendes Thema.

BVB-Star Julian Brandt will sich nicht verbiegen lassen

Julian Brandt erklärt: „Es ist sehr extrem. Aber ich persönlich finde das nicht mal schlimm. Denn ich gehe nicht mit der Erwartung rein, dass jeder Mensch mich mag, so wie ich bin. Sowohl von der Art als auch von meinem Spielstil, oder von der Art, wie ich über Fußball denke. Dass gerade im Pott sowas ehrlich kommuniziert wird, ist für mich auch kein Problem. Ich weiß, wie die Leute drauf sind. Für mich war in den letzten Jahren eine wichtige Erkenntnis: Du musst dem, was du machst, treu bleiben.“

Der BVB-Star sagt, er würde jedem jüngeren Spieler raten: “So wie du bist als Spieler, spiel einfach so weiter. Es wird immer Menschen, Trainer und Vereine geben, die das geil finden und die dich in ihrem Profil genau so sehen. Dieses Anpassen ist auf Dauer nix.“ Als Spielertyp will sich Julian Brandt nicht vollständig verbiegen lassen.

BVB: Julian Brandt gesteht Defensiv-Probleme – und packt brisanten Spruch aus

„Bei allen Trainern, die ich bislang hatte, hatte ich offensiv nie Probleme. Offensiv war nie ein Knackpunkt bei uns.“ Dann fügt Julian Brandt mit einem Augenzwinkern an: „Aber ich hatte natürlich viele Trainer, die ich defensiv maximal gebrochen hab. Das Geile ist: Es zieht sich ein bisschen durch wie ein Faden. Jeder erzählt mir dasselbe. Wenn ich einen neuen Trainer habe, höre ich quasi dieselben Sachen.“

Gelächter in der Runde. Ein flapsiger Spruch, der im Kern eben doch einen Funken Wahrheit enthält. „Bei allem Witz glaube ich schon, dass sich da was getan hat in den letzten Jahren“, sagt Julian Brandt. Beim BVB gehört er regelmäßig zu den Profis mit der besten Laufleistung, spult nicht selten über 12 Kilometer pro Spiel ab.

BVB-Star Julian Brandt wird nie ein Brecher werden, will sich defensiv aber verbessern

Aber: „Ich bin kein Brecher. Und das werde ich auch nicht werden in den nächsten Jahren. Das muss man auch einfach mal so anerkennen. Ich bin kein Sven Bender oder Lars Bender, die da jemanden mit ihren Schienbeinen komplett rasieren. Aber ich weiß schon, dass gewisse Sachen einfach nötig sind, um der Mannschaft zu helfen.“

Dabei gehe es um ein kompaktes Defensivverhalten, um Ballgewinne. Das sei ihm durchaus bewusst. „Das ist wirklich ein Prozess, bei dem ich versuche, mich stetig zu verbessern. Viele andere Knackpunkte gabs eigentlich gar nicht. Aber das ist etwas, da musste ich auch viel einstecken in den letzten Jahren.“

Julian Brandt steht beim BVB noch bis Sommer 2024 unter Vertrag.

BVB: Julian Brandt fehlt im Defensiv-Zweikampf die letzte Konsequenz

Jeder Trainer habe versucht, ihn im Hinblick auf sein Defensivverhalten noch zu verbessern. So richtig habe es aber bisher noch keiner gepackt. „Bei mir ist das ein extremes Thema, wo ich einfach sage: Das ist jetzt nicht so ein Ding, das du ein-zwei Jahre lang machst und dann hast du das drin. Sondern es ist auch viel vom Kopf, wo du einfach sagst: Gehe ich die letzten zwei Meter noch rein in den Zweikampf oder stoppe ich einfach ab und versuche, ihn einfach nur zu stellen?“

Das „Hereingehen“ ins Duell mit dem Gegner sei oft das Thema. „Es kann halt sein, dass es jetzt Bein gegen Bein geht und dass es jetzt auch mal wehtut. Und dass man in Duellen die richtige Entscheidung trifft. Dass man sich nicht mit einer leichten Körperfinte aushebeln lässt und dann ist das Gefühl da, der ist schon wieder 15 Meter weit weg.“

BVB: Julian Brandt löst mit offenherzigem Interview Welle der Entrüstung aus

Verbessern müsse der BVB-Profi: „Dass man da dran bleibt. Diese Hartnäckigkeit, diesen Zweikampf wirklich gewinnen zu wollen. Alles andere: In Duelle kommen, Laufbereitschaft, hinterherrennen, anlaufen, das ist alles okay. Darum ging es auch nie.“

Bei den Fans sorgten diese teilweise sorglos getätigten Aussagen im Rahmen des zweistündigen Gesprächs für viel Aufregung. Julian Brandt wurde mangelnde Einstellung vorgeworfen. Einige wünschten sich eine vorzeitige Trennung. In den sozialen Netzwerken war der Aufschrei so groß, dass der BVB-Star sich zu einer Stellungnahme gezwungen sah.

BVB: Julian Brandt klärt nach brisantem Interview auf – „wir arbeiten hart und mit viel Freude“

Auf Instagram schrieb er: „Der Podcast wurde grundsätzlich mit ein wenig Augenzwinkern geführt und es war sicherlich nicht alles ernst gemeint, was wir dort bequatscht haben.“ Es sei naiv gewesen, „frei Schnauze“ draufloszureden.

Jedenfalls: „Ich kann euch beruhigen: Bislang ist noch kein Trainer in zwei Teile gebrochen. Und kein Coach, der bei diesem tollen Verein war, hat sich von mir verarscht oder sonst was gefühlt. Wir arbeiten hart und mit viel Freude an meinen Stärken, aber vor allem auch an meinen Schwächen.“

Zusammenfassend kann gesagt werden: Julian Brandt hat erkannt, in welchen Bereichen er sich verbessern muss. Als eher feingeistiger Spielertyp komplett verbiegen lassen will sich der BVB-Profi aber nicht.

Rubriklistenbild: © Mika Volkmann/Imago, Chai v.d. Laage/Imago, BVB, Collage: Nicolas Luik/RUHR24

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