Ex-Profi überrascht im Interview

BVB-Berater Matthias Sammer warnt: Ein Transfer würde mehr schmerzen als Haaland-Verlust

Beim BVB ist die Angst groß, dass Erling Haaland den Klub verlassen könnte. Laut Matthias Sammer ist ein anderer Spieler aber noch wichtiger für Borussia Dortmund.

Dortmund – Erling Haaland (20) besitzt bei Borussia Dortmund noch einen gültigen Vertrag bis zum 30. Juni 2024. Eigentlich könnte alles so einfach sein, doch die Tormaschine (21 Treffer in 21 Ligaspielen) weckt Begehrlichkeiten. Ein Verbleib des norwegischen Wunderstürmers in Dortmund ist längst nicht so sicher, wie es die Vertragslaufzeit vermuten lässt.

Ehemaliger FußballspielerMatthias Sammer
Geboren5. September 1967 (Alter 53 Jahre), Dresden
Stationen als TrainerBorussia Dortmund, VfB Stuttgart
Aktueller PostenExterner Berater bei Borussia Dortmund (seit 2018)

BVB: Immer wieder neue Spekulationen über einen Abgang von Wunderstürmer Erling Haaland

In Spanien brodelte jüngst wieder die Gerüchteküche. Real Madrid bereite für einen Transfer von BVB-Star Erling Haaland ein XXL-Paket vor, hieß es dort. Für gewöhnlich dürften die Verantwortlichen des deutschen Vizemeisters derartige Meldungen bestenfalls schulterzuckend zur Kenntnis nehmen.

Brisant ist allerdings ein Bericht der spanischen Sportzeitung AS, wonach der 20-jährige Torjäger seinen Verbleib bei Borussia Dortmund über den Sommer hinaus von der Teilnahme an der Champions League in der kommenden Saison abhängig macht. Das soll Erling Haaland gegenüber seinem Berater Mino Raiola (53) deutlich gemacht haben.

BVB: Wechsel von Erling Haaland wäre laut Matthias Sammer nicht der größtmögliche Verlust

An der Strobelallee wähnte man sich mit Blick auf die Zukunft des Norwegers bislang einigermaßen in Sicherheit. Die zugesicherte Ausstiegsklausel greift dem Vernehmen nach erst nächstes Jahr und mit „unmoralischen Angeboten“ im Sommer rechnet Hans-Joachim Watzke (61) aufgrund der Corona-Folgen ohnehin nicht, wie er dem kicker verriet (alle News zu Erling Haaland auf RUHR24.de).

Angesichts der neuesten Berichte aus Spanien müssten beim BVB also eigentlich die Alarmglocken schrillen. Zumindest sollte man das meinen. Umso überraschender erscheinen vor diesem Hintergrund Aussagen von Matthias Sammer (53), die er im Interview mit Sport Bild (Ausgabe vom 24. März) tätigte.

Matthias Sammer (hier mit Hans-Joachim Watzke) ist seit 2018 externer Berater von Borussia Dortmund.

Grundsätzlich hofft Matthias Sammer zwar auf einen Verbleib von Erling Haaland beim BVB. Gleichzeitig betont der externe Berater der Westfalen aber auch, dass ihm der Abgang eines anderen Profis im Sommer wesentlich größere Bauchschmerzen bereiten würde – gemeint ist Mats Hummels (32).

Matthias Sammer adelt BVB-Verteidiger Mats Hummels: Für Dortmund noch wichtiger als Erling Haaland

Der Verteidiger und ehemalige Nationalspieler habe die Mannschaft in der laufenden Saison nicht nur stabilisiert, sondern Trainer Edin Terzic (38) in einer schwierigen Situation in einer Art und Weise verteidigt, die Matthias Sammer imponiert habe. „Das ist ein Charakterzug, den wir in Zukunft ganz dringend brauchen.“ Die Ruhr Nachrichten berichten derweil, dass Matthias Sammer die Hoffnungen auf einen Titel mit dem BVB noch nicht aufgegeben hat.

Mats Hummels, Marco Reus (31), Thomas Delaney (29) und Emre Can (27) bilden laut Matthias Sammer das Herz der Dortmunder Mannschaft. Beim BVB seien diese erfahrenen Führungsspieler insbesondere deshalb so wichtig, weil der Kader der Schwarz-Gelben traditionell mit vielen Jungen Talent gespickt ist.

Matthias Sammer adelt BVB-Verteidiger Mats Hummels.

„Mit 17, 18, 19 Jahren brauchst du noch Hilfe, da kannst du noch nicht alles verstehen. Wenn diese Spieler nicht aktiv beeinflusst werden, brauche ich mich nicht wundern, dass die jungen Spieler dann ausbrechen“, so der 53-Jährige. Insbesondere bei der Entwicklung von Jadon Sancho (20) hätte die Riege der Führungsspieler um Mats Hummels dahingehend ganze Arbeit geleistet.

Borussia Dortmund: Mats Hummels hilft als Führungsspieler jungen Talenten wie Jadon Sancho

In der Vergangenheit habe der Engländer auf der Jagd nach Toren und Torvorlagen andere Aufgaben vernachlässigt. Die Kommunikation mit den Führungsspielern und dem Trainer hätte laut Matthias Sammer für eine spürbare Verbesserung gesorgt. So sei die Intensität, mit der Jadon Sancho nach Ballverlusten arbeitee, mittlerweile eine andere.

Große Sorgen, dass Mats Hummels den BVB verlässt, muss sich Matthias Sammer nicht machen. Der Vertrag des 32-Jährigen ist noch bis Sommer 2022 datiert. Nach seiner Rückkehr zu Borussia Dortmund im Sommer 2019 fand sich der Verteidiger schnell zurecht und fühlt sich offenbar wohl. Mittlerweile fordern nicht wenige Experten in Deutschland, dass Bundestrainer Joachim Löw (61) Mats Hummels für die anstehende Europameisterschaft nominiert.

Eigentlich galten die Tage des früheren Müncheners in der Nationalmannschaft als gezählt, nachdem Löw den Weltmeister von 2014 vor zwei Jahren gemeinsam mit Thomas Müller (31) und Jerome Boateng (32) aussortierte. Nach der verkorksten Weltmeisterschaft sollte so der Umbruch eingeläutet werden.

BVB-Verteidiger Mats Hummels zur EM 2021? Laut Matthias Sammer kann er ein Eckpfeiler sein

Seitdem hat sich einiges getan. Thomas Müller und Jerome Boateng gewannen in der Zwischenzeit mit dem FC Bayern München das Triple und standen dabei im Champions-League-Finale gegen Paris St. Germain (1:0) in der Startelf. Mats Hummels blüht beim BVB auf.

Entsprechend hofft Matthias Sammer auf ein Comeback in der Nationalmannschaft. „Die Besten sollten zum Turnier. Mats kann ein Eckpfeiler sein, der die Mannschaft stabilisiert, ohne Wenn und Aber.“ Gleiches gelte für Thomas Müller. Auf ihn zu verzichten, könne sich der deutsche Fußball nicht leisten.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner, Roland Weihrauch/dpa; Collage: RUHR24

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