Kritik bei PSG nimmt weiter zu

Ausraster live im TV: Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel beschimpft Reporter mitten im Interview

Die Arbeit für Thomas Tuchel bei Paris Saint-Germain bleibt schwierig. Nun legte sich der Ex-BVB-Trainer auch noch mit einem TV-Reporter an.

Paris – Seit Sommer 2018 steht Thomas Tuchel (47) bei Paris Saint-Germain (PSG) unter Vertrag. Ruhige Momente gab es für den ehemaligen Trainer von Borussia Dortmund seitdem selten.

NameThomas Tuchel
Geboren29. August 1973 (Alter 47 Jahre), Krumbach (Schwaben)
Größe1,90 Meter
Gewicht72 Kg
EhefrauSissi Tuchel (verh. seit 2009)
ElternRudolf Tuchel, Gabriele Tuchel
Bisherige TrainerstationenFSV Mainz 05 (2009 - 2014), BVB (2015 - 2017), PSG (seit 2018)

Thomas Tuchel (Paris Saint-Germain): Harmonie bei PSG ähnlich selten wie beim BVB

Dabei liegt es vermutlich in der Natur der Sache, dass es bei einem Spitzenklub, wie es PSG ist, selten harmonisch zugeht. Andererseits dürfte der 47-Jährige selbst einen gehörigen Anteil dazu beitragen, wenn er sich im Vergleich zu seiner Zeit in Dortmund nicht großartig verändert hat.

Eine Biografie über Thomas Tuchel behauptete sogar, dass ein peinlicher Zwischenfall auf Sylt zum Bruch mit dem BVB geführt habe. Ob das aber tatsächlich so stimmt?

Thomas Tuchel (PSG): Trennung vom BVB nicht im Guten

Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel ließ es sich zumindest nicht nehmen, Klartext über seine Biografie zu sprechen. Er habe das Buch nie in Auftrag gegeben. Sein Berater Olaf Meinken ging sogar noch weiter und behauptete, dass „Thomas noch nie auf Sylt war“.

So oder so wäre dieser Zwischenfall aber vermutlich nur der Tropfen auf dem ansonsten sowieso schon sehr heißen Stein gewesen. Wirklich warm wurde Borussia Dortmund mit dem gebürtigen Schwaben nie - und davon kann PSG vermutlich auch ein Lied von singen.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (l.) und Thomas Tuchel gingen nicht freundschaftlich auseinander.

Thomas Tuchel (PSG) mit Paris Saint-Germain in Frankreich sehr erfolgreich

Dabei hat Thomas Tuchel zumindest national bei Paris Saint-Germain bislang voll überzeugt. Sechs Titel hat der ehemalige BVB-Trainer bislang in die Stadt der Liebe geholt.

In der Meisterschaft ist es im Prinzip immer nur eine Frage der Zeit, wie früh PSG rechnerisch von der Konkurrenz nicht mehr einzuholen ist. Doch das Star-Ensemble überzeugte lange Zeit nur national, nicht auch international, was dem reichen Investor gar nicht gefiel.

Thomas Tuchel (PSG): Niederlage im Champions-League-Finale gegen den FC Bayern München

Bis zum Sommer dieses Jahres. Da schaltete PSG im Champions-League-Achtelfinale zunächst den BVB aus. Auf dem Weg ins Finale mussten zudem noch Atalanta Bergamo sowie RB Leipzig den Kürzeren gegen den Klub aus der französischen Hauptstadt ziehen.

Der ganz große Wurf für das Team von Thomas Tuchel blieb aber aus. Im Finale gewann der FC Bayern München mit 1:0. Erneut durfte das große Paris Saint-Germain den Henkelpott nur streicheln, aber nicht in den Himmel recken. Das war am 23. August.

Thomas Tuchel (PSG) und Paris Saint-Germain mit schlechtem Saisonstart

Da überraschte es wenig, dass der Start in die neue Saison holprig war, da sie bereits im nächsten Monat begann. Ausgelaugte, teils auch verletzte Spieler waren das eine, Corona-Fälle das andere.

Das Star-Ensemble von PSG wirkte plötzlich menschlich. Thomas Tuchel musste sogar mit ansehen, wie die ersten beiden Ligaspiele verloren gingen. In der Champions League gingen zudem in der Gruppenphase zwei der ersten drei Partien an den Gegner.

Trainer Thomas Tuchel und PSG-Sportdirektor Leonardo werden wohl keine besten Freunde mehr.

Thomas Tuchel (PSG) mit ständiger Kritik seiner Arbeit bei Paris Saint-Germain unzufrieden

Mittlerweile sieht es zwar zumindest national schon wieder viel besser aus. Ein Schuldiger bei PSG war offenbar trotzdem schnell gefunden. Thomas Tuchel fühlte sich aber ungerecht behandelt.

„Ich hatte mal die naive Vorstellung, dass nach vier Titeln und einem Champions-League-Finale der Trainer für eine Weile aus der Schusslinie ist. Das war fünf Tage so, da waren wir im Urlaub. Danach ging es in der Tonart weiter“, so der 47-Jährige gegenüber Sky.

Thomas Tuchel (PSG): Schlechtes Verhältnis mit Paris-Sportdirektor Leonardo

Die Tonart ist allerdings bei PSG in der Vergangenheit wohl immer öfter an der Tagesordnung. Thomas Tuchel wird unter anderem ein schlechtes Verhältnis zu Sportdirektor Leonardo (51) nachgesagt.

Öffentliche Kritik, auch an den Transfer-Plänen, kommen da gar nicht gut an. „Die Aussagen gefielen uns nicht. Der Klub mochte sie nicht, ich persönlich mochte sie nicht. Wir werden intern sehen, wie wir es machen“, sagte der 51-Jährige nach dem Spiel von Paris Saint-Germain gegen SCO Angers (6:1).

Thomas Tuchel (PSG): Vertrag bei Paris Saint-Germain läuft am Saisonende aus

Doch damit nicht genug. Der PSG-Sportdirektor ging sogar noch weiter.

„Wenn jemand nicht glücklich ist, reden wir darüber. Wenn er sich entschließt zu bleiben, muss er die Sportpolitik und die internen Regeln respektieren.“ Schnell machte die Runde, dass Thomas Tuchel womöglich gar nicht mehr das Saisonende als Trainer in Paris erlebe. Eine Vertragsverlängerung könne er völlig abhaken.

Thomas Tuchel (PSG): Sportdirektor Leonardo erklärt Diskussion für beendet

Doch in einem Interview mit dem vereinseigenen TV-Kanal von PSG beschwichtigte Leonardo nun: „Wir fanden es nicht gut, wie er öffentlich über die Transfer-Phase gesprochen hat. Aber wir da intern drüber diskutiert und alles geklärt.“

War trotzdem zuvor alles für Thomas Tuchel zu viel? Hatte sich der Frust aus den vergangenen Wochen und Monaten so sehr angestaut, dass dieser nun in einem Interview herausmusste?

Thomas Tuchel (PSG) schießt im TV-Interview gegen Reporter und vermisst Respekt

PSG hatte soeben gegen Stade Rennes 3:0 (2:0) und das trotz neun Ausfälle, darunter die Superstars Neymar (28) und Kylian Mbappé (21). Trotzdem missfielen Thomas Tuchel im Anschluss daran die Fragen vom TV-Reporter Olivier Tallaron von Canal Plus.

„Für mich fehlt es Ihnen an Respekt für die Spieler und vor der Leistung des Teams, wenn Sie fünf Fragen zu Marquinhos, zwei zu Florenzi und keine über das Spiel, keine über den Gegner stellen“, legte der 47-Jährige los. Doch war noch nicht alles.

Thomas Tuchel (PSG) zum TV-Reporter: Das ist sehr traurig für mich

Thomas Tuchel gestikulierte dabei wild und schaute dem TV-Reporter tief in die Augen. „Das zeigt: Sie haben keinen Respekt für das was wir tun und das was die Mannschaft hier leisten muss. Das ist sehr traurig für mich.“

Dabei waren die Nachfragen an den PSG-Trainer berechtigt. Marquinhos (26), eigentlich ein Mittelfeldspieler, wurde in der Innenverteidigung eingesetzt. Alessandro Florenzi (29), der eigentlich Rechtsverteidiger ist, musste als Außenstürmer aushelfen.

Thomas Tuchel (PSG) erklärt Hintergründe zur Aufstellung von Paris Saint-Germain

Kurze Zeit später hatte sich Thomas Tuchel aber offenbar auch schon wieder mehr unter Kontrolle. In einem Interview mit der L‘Équipe erklärte er seine Beweggründe für die PSG-Aufstellung.

„Ich hatte zwei Möglichkeiten mit Thilo Kehrer und Marquinhos. Ich habe Marquinhos aus zwei Gründen gewählt: Um Abdou Diallo die Möglichkeit zu geben, neben Marqui Erfahrung zu sammeln. Und um Thilo auf der Seite einsetzen zu können. Marqui ist das Herz und die Seele dieser Mannschaft.“ Fragt sich nur, wie lange der ehemalige BVB-Trainer noch den Takt vorgeben darf.

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