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Ex-BVB-Trainer Tuchel verzweifelt: „Wir können nicht mehr“

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Von: Nicolas Luik

Der BVB beeindruckt gegen Frankfurt. Bayern-Trainer Thomas Tuchel ist derweil der Verzweiflung nahe. RUHR24 berichtet aus Dortmund.

Dortmund – Borussia Dortmund hat es endlich geschafft, aus einem Patzer des FC Bayern Kapital zu schlagen. Beim 4:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt setzte sich der BVB in beeindruckender Manier an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga. Und in München brennt der Baum.

BVB jetzt Bundesliga-Spitze: Sebastian Kehl nach Sieg gegen Eintracht Frankfurt erleichtert

Durch Tore von Jude Bellingham (19.), Donyell Malen (24., 66.) und Mats Hummels (41.) hat der BVB Eintracht Frankfurt besiegt. Der neunte Heimsieg infolge ist nicht nur vereinsintern historischer Bestwert. Erstmals seit der Saison 2011/12 ist die Borussia nach dem 29. Bundesliga-Spieltag wieder Bundesliga-Tabellenführer. Damals ging die Schale am Ende nach Dortmund.

Folglich traf RUHR24 am Samstagabend (22. April) in der Mixed Zone nur auf erleichterte Gesichter. „Wir haben uns letzte Woche sehr schlecht gefühlt. Wir haben uns dafür auch sehr stark selbst kritisiert“, sagte Sportdirektor Sebastian Kehl im Rückblick auf das enttäuschende Last-Minute-3:3 in Stuttgart.

BVB nutzt Bayern-Patzer aus: Thomas Tuchel holt 2 Siege aus 7 Spielen

„Aber heute haben wir eine sehr gute Reaktion gezeigt. Da kann ich der Mannschaft nur ein Kompliment machen.“ Ganz einfach sei die Situation nicht gewesen. „Man kommt aus dem Bus raus, man bekommt das Ergebnis aus Mainz mit. Und dann weiß man natürlich auch, dass man heute liefern muss.“

Mit 1:3 hatte der FC Bayern München schon am Samstagnachmittag in Mainz verloren. Trotz einer 1:0-Führung. Für den Rekordmeister war es die dritte Auswärtspleite gegen Mainz in Folge. Die Bilanz von Neu-Trainer Thomas Tuchel: Zwei Siege aus sieben Spielen. Die Titel-Talfahrt schreitet mit immer rasanterer Geschwindigkeit voran.

BVB jetzt auf Meister-Kurs: Jetzt ziehen die dunklen Wolken nach München

Der BVB gegen Eintracht Frankfurt hingegen „sehr konzentriert, sehr fokussiert und sehr effektiv.“ Sebastian Kehl sah am Ende auf dem Statistik-Zettel einen xG-Wert (xG steht für „Expected Goals.“ Der xG-Wert gibt an, wie viele Tore die jeweilige Mannschaft in Anbetracht der erspielten Torchancen voraussichtlich schießt) von 1,65 zu 0,97. Das 4:0-Endergebnis fiel also deutlich klarer aus, als die Qualität der Torchancen dies vermuten ließe.

„Ein paar Spieler haben aber auch richtig, richtig gut gespielt, heute. Und dann stehst du auf einmal an der Tabellenspitze. Und das, was uns letzte Woche ab Sonntag ereilt hat, mit den Kritiken und mit den Geschichten über diese Mannschaft ... die werden womöglich morgen anders geschrieben.“

Der BVB jubelt mit Karim Adeyemi beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt
Unbändiger Jubel des BVB beim 4:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt. © Neundorf/Kirchner-Media

BVB überholt FC Bayern: Thomas Tuchel nach Niederlage in Mainz ratlos

Kehl kennt das Geschäft. Und blickt man gen Süden, so bewahrheitet sich seine Vermutung. Denn die dunklen Wolken sind vom Ruhrpott abgezogen. Sie hängen tief über Thomas Tuchel und seiner Mannschaft. Der Ex-BVB-Trainer, der in einer Hau-Ruck-Aktion als Nachfolger für den kurzfristig entlassenen Julian Nagelsmann präsentiert wurde, ist ratlos.

Im Anschluss an die Niederlage in Mainz sagte er: „Wieder mal sitze ich da und sage: Ich habe es nicht kommen sehen. Ich finde nicht, dass es sich angebahnt hat.“ Ähnliches hatte Tuchel, wohl auch um Wahrung einer positiven Grundstimmung innerhalb des Vereins bemüht, schon bei vorangegangenen Niederlage seiner Bayern verlauten lassen.

BVB überholt FC Bayern: Punkte gehen Tuchel „wie Sand durch die Hände“

„Dann fällt ein Tor. Wir können offensichtlich nicht ohne individuelle Fehler und Konzentrationsmängel spielen. Und geben dann innerhalb von 12, 13 Minuten drei Tore weg. Und damit ist die Geschichte fast schon erzählt. Da gibt es keine Erklärung dafür. Offensichtlich fehlt uns im Moment die Energie, um mit Rückschlägen umzugehen. Aber das ist jetzt erst mal die Analyse.“

Was ihn denn zuversichtlich stimme, dass der FC Bayern den BVB in den verbleibenden fünf Saisonspielen noch abfangen könne, wurde Tuchel gefragt. Dazu sagte Tuchel nur, seine Mannschaft sei nicht in der Lage, Spiele konzentriert zu Ende zu spielen, Fehler zu vermeiden oder sich Großchancen herauszuspielen. „Und deshalb gehen die Punkte weg. Wie Sand durch die Hände.“ Zuversicht sieht anders aus.

BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl und Bayern-Trainer Thomas Tuchel
Bei BVB und FC Bayern waren die Gemütslagen am Samstagabend grundverschieden. © Simon/Imago, Hufnagel/Imago, Collage: RUHR24

BVB auf Meisterkurs – Tuchel verzweifelt: „Wir können nicht mehr“

„Wir wirken ausgelaugt. Wir wirken wie eine Mannschaft, die schon 70-80 Spiele in den Knochen hat. Wir können nicht mehr. Zumindest im Moment können wir keine Reaktion zeigen. Weder mental noch körperlich. Es fehlt uns an Durchsetzungsvermögen, es fehlt uns an körperlicher Präsenz. Es fehlt uns die Basis, die du immer brauchst.“

Land unter beim FC Bayern. Beim BVB hofft man dagegen, endlich das Meister-Gen in sich entdeckt zu haben. „Wir wollten schon die ganze Zeit Deutscher Meister werden, aber jetzt sagen wir es auch“, hatte Boss Hans-Joachim Watzke schon vor Anpfiff des Spieles gegen Eintracht Frankfurt angekündigt. Mit Bravour wurde diese Aufgabe erledigt.

Ein nächster Prüfstein wartet am Freitag (28. April, 20.30 Uhr) mit dem VfL Bochum. Der FC Bayern empfängt am Sonntag (30. April) um 15.30 Uhr den Tabellenletzten Hertha BSC. Dann geht die wilde Fahrt weiter. In der Achterbahn, die sich Saison-Endspurt nennt.

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