Borussia Dortmund und die Mentalität

Nach Pleite in Augsburg: Diese BVB-Profis sind jetzt besonders gefordert

BVB-Trainer Lucien Favre kann nicht zufrieden mit der Leistung seiner Führungsspieler gegen den FC Augsburg sein.
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BVB-Trainer Lucien Favre kann nicht zufrieden mit der Leistung seiner Führungsspieler gegen den FC Augsburg sein.

Der BVB ging mit 0:2 beim FC Augsburg baden. Besonders die erfahrenen Spieler von Borussia Dortmund enttäuschten. Sie müssen nun Leistung zeigen.

Dortmund – Thomas Meunier (29) erwischte bei der 0:2-Pleite des BVB gegen den FC Augsburg einen rabenschwarzen Tag. Er war aber nicht der einzige routinierte Spieler, der gegen den Underdog seiner angedachten Rolle als Führungspersönlichkeit nicht gerecht werden konnte.

BVB flopt gegen Augsburg: Führungsspieler Hummels, Witsel, Can und Meunier können Pleite nicht verhindern

Immer wieder zeigen sich bei Borussia Dortmund große Probleme, wenn die Mannschaft gegen aufopferungsvoll kämpfende Underdogs spielt. Diese Thematik hat sich auch nach den Verpflichtungen der "Mentalitätsspieler" Mats Hummels (31), Axel Witsel (31), Emre Can (26) und Thomas Meunier nicht geändert. 

Den Beweis trat die Mannschaft des BVB bereits am 2. Spieltag der neuen Bundesliga-Saison an. Gegen den FC Augsburg verlor man sang- und klanglos mit 0:2. Und zwar trotz über 80 Prozent Ballbesitz. Nach der Pause gelangen lediglich drei Torschüsse.

BVB: Thomas Meunier ist mit seinem Start in Dortmund zufrieden

Damit hängt bei Borussia Dortmund der Haussegen schon wieder schief (alle News zum BVB auf RUHR24.de). Dabei hatte alles so gut angefangen. 

Vor knapp 10.000 Fans im Signal Iduna Park hatte der BVB am 1. Spieltag einen begeisternden Bundesliga-Auftakt gefeiert. Auch Neuzugang Thomas Meunier hatte sich anschließend bei BVB-TV begeistert gezeigt.

BVB-Neuzugang Thomas Meunier schwärmte nach Start gegen Gladbach

"Diese 10.000 Zuschauer haben mehr Stimmung gemacht als ich in anderen Stadien vor 20.000 oder 30.000 Zuschauern erlebt habe. Das war wirklich unglaublich", so der routinierte Belgier, der im Sommer ablösefrei von PSG nach Dortmund gewechselt war. 

Und weiter: "Ich finde, wir haben ein gutes Spiel gemacht. Ich bin mit unserer Teamleistung sehr zufrieden, aber auch mit meiner persönlichen Leistung". In der Einzelkritik zum BVB-Spiel gegen Gladbach hatte er allerdings "nur" die Note 3,5 erhalten.

Nach BVB-Gala gegen Gladbach folgt der Absturz in Augsburg

Nun also, eine Woche später, lieferte der BVB gegen den FC Augsburg (zur Einzelkritik) wieder einen mentalen Offenbarungseid ab. Nach der Gala gegen Gladbach folgte der Absturz in Augsburg

Und wie so oft stellten sich die Spieler nach einer Pleite gegen einen vermeintlich kleinen Verein ratlos vor die Kamera. Mats Hummels etwa war angesichts der positiven Torschuss-Bilanz von 16:6 der Meinung, man habe "in vielen Bereichen ein sehr gutes Spiel gemacht".

BVB ratlos: Trotz Ballbesitz und Torschüssen gegen Augsburg abgemeldet

Und Manuel Akanji (25) fand: "Wir hatten viele solche Spiele, die wir gewonnen haben. Mal ist es so, mal so. Wenn man verliert, findet man immer was." Gleichwohl müsse man sich defensiv wie offensiv verbessern. 

Auch Mats Hummels konnte die BVB-Pleite gegen den FC Augsburg nicht verhindern.

Was die BVB-Profis in diesem Moment nicht erwähnten: Sie ließen sich vom FC Augsburg in Sachen Kampfgeist den Schneid abkaufen. Der Underdog gewährte Borussia Dortmund zwar ein Übermaß an Ballbesitz.

BVB läuferisch und kämpferisch gegen Augsburg unterlegen

Dafür gewann man über die Hälfte der Zweikämpfe und war mit 123,6 abgespulten Kilometern deutlich engagierter unterwegs als der BVB (112,2 Kilomter). Bezeichnend: Der lauffreudigste Spieler in schwarz-gelb war mit dem 17-jährigen Giovanni Reyna (11,8 Kilometer) der zweitjüngste Spieler auf dem Platz.

Die Mentalitätsspieler beim BVB hingegen fielen gegen Augsburg selten auf. Und wenn, dann in der Regel negativ.

BVB-Führungsspieler Emre Can, Axel Witsel und Thomas Meunier sind gegen Augsburg Ausfälle

  • Emre Can: Hat auf der Innenverteidiger-Position meist mit sich selbst zu kämpfen. Sorgte mit überzogenem Ellenbogeneinsatz für den Augsburg-Freistoß, der zum 1:0 führte.
  • Axel Witsel: Nach dem Lichtblick gegen Gladbach verfiel der einst so umtriebige Anführer wieder in bekannte Muster, die das Spiel des BVB verlangsamen. Ließ Florian Niederlechner zudem unbedrängt zum 2:0 für Daniel Caligiuri vorlegen (54.) und gewann nur ein Drittel seiner Zweikämpfe.
  • Thomas Meunier: Machte offensiv nichts aus dem Freiraum, den ihm Augsburg gewährte. In erschreckender Regelmäßigkeit landeten Zuspiele beim Gegner. Als er defensiv gefordert war, wurde er von Daniel Caligiuri abgekocht.

BVB: Jungstars benötigen Unterstützung von den erfahrenen Profis

Einzig Mats Hummels ging voran, versuchte sich in der Schlussphase sogar verzweifelt als Mittelstürmer. Kurz vor Schluss bot sich ihm sogar die größte Chance im Spiel des BVB, doch er scheiterte am unüberwindbaren Rafał Gikiewicz (32).

So engagiert wie bei dieser Rudelbildung ging der BVB in Augsburg selten zu Werke.

Jungstars wie Erling Haaland (20), der laut Ruhr Nachrichten Tipps von einer echten Stürmer-Legende bekommt, und Jadon Sancho (20) sind noch nicht in der Lage, die Mannschaft in komplizierten Spielen zu führen. Und von den Teenagern Jude Bellingham (17) und Giovanni Reyna (17) kann man noch nicht Top-Leistungen im Wochenrhythmus erwarten.

BVB investiert über 100 Millionen Euro: Trotz Hummels, Can, Witsel und Meunier ein Mentalitätsproblem

In solchen Fällen sind die erfahrenen Spieler im BVB-Kader gefordert, ihren jungen Teamkollegen Halt zu geben und sie mitzuziehen. Gegen den FC Augsburg gelang das zum wiederholten Male nicht.

Über 75 Millionen Euro an Ablöse-Zahlungen hat Borussia Dortmund in Mats Hummels, Emre Can und Axel Witsel investiert. Thomas Meunier kam zwar ablösefrei aus Paris, soll aber laut Sport Bild inklusive Handgeld bis zu 50 Millionen Euro kosten.