Kommentar: Darum ist der Nike-Deal ein großes Risiko für Youssoufa Moukoko

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BVB-Wunderkind Youssoufa Moukoko. Foto: Peter Ludewig/dpa

Moukoko unterschrieb einen „Mega-Deal“ mit Nike. Bis zu zehn Millionen Euro zahlt Nike. Er wird zum Spielball des Fußball-Geschäfts. Ein Kommentar.

BVB-Talent Youssoufa Moukoko unterschrieb offenbar einen „Mega-Deal“ mit Nike. Dies berichtete die Bild. Bis zu zehn Millionen Euro zahlt der Sportartikelhersteller für den 14-Jährigen. Eine Million Euro wurden demzufolge bei Vertragsunterzeichnung fällig. Ganz schön viel Geld für einen Teenager. Noch schlimmer: Moukoko wird somit zum Spielball des immer absurder werdenden Fußball-Geschäfts. Ein Kommentar.

Der Fußball wird immer verrückter

Im November 2018 ist Youssoufa Moukoko 14 Jahre alt geworden. Dennoch hat er wohl schon mehr Geld verdient, als manch Erwachsener in seinem kompletten Arbeitsleben. Der US-Konzern Nike machte den Teenager nämlich auf einen Schlag zum Millionär.

Viel verrückter geht es kaum. Denn Moukoko kickt noch – wenn zwar sehr erfolgreich – in der U17 des BVB. Bedenkt man sein Alter, dann könnte er noch problemlos in der U15 spielen. Wahrscheinlich noch unter dem Radar der medialen Berichterstattung.

Bei Youssoufa Moukoko laufen die Dinge jedoch etwas anders. Der 14-Jährige erfährt einen unglaublichen Personenhype. Ein Vergleich mit Altersgenossen verdeutlicht dies schnell.

Millionen anstelle von Taschengeld

Viele Jugendliche dürften sich im Alter von 14 Jahren noch über eine Taschengelderhöhung freuen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend empfiehlt beispielsweise einen Betrag zwischen 25,50 Euro und 30,50 Euro für Moukokos Altersklasse.

So sollen Jugendliche einen gesunden Umgang mit Geld erlernen. Eine Summe, über die das BVB-Talent wohl nur noch müde lächeln kann. Ohnehin sollte man sich die Frage stellen, ob Moukoko noch ein gesundes Verhältnis zu Geld vermittelt werden kann. Angesichts oben genannter Summen ist dies nämlich nur noch schwer vorstellbar.

Was braucht es also für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung? Ein wichtiger Teil der Sozialisation ist beispielsweise die Fähigkeit sich selbst zum Objekt zu machen. Etwas vereinfacht: Wie sehen mich die anderen Teilnehmer der Gesellschaft? Im Falle Youssoufa Moukoko ist die Antwort schnell gefunden.

Für Moukoko gehen die Superlative nicht aus

Im Internet sieht sich der 14-Jährige mit folgenden Begriffen konfrontiert: Wunderkind. BVB-Juwel. Supertalent. Nachwuchshoffnung. Die Liste der Superlative scheint grenzenlos. Gleichzeitig zeigt sie vor allem eines: Auch uns Medienvertretern würde ein Funken Zurückhaltung guttun.

Schließlich schüren jene Begrifflichkeiten Erwartungen, denen ein Jugendlicher nicht gerecht werden kann. Der Druck im Fußball wird ohnehin ständig größer. Teilweise ist die mentale Belastung für gestandene Profis kaum auszuhalten.

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Stattdessen lasten auf Moukokos Schultern die Hoffnungen einer ganzen Fußballnation. In ein paar Jahren kann er sicherlich die Sturmprobleme der deutschen Nationalmannschaft lösen. Eine höhere Erwartungshaltung an das BVB-Talent ist kaum noch möglich.

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Auf der anderen Seite versucht der BVB eben jene Erwartungshaltung zu bremsen. Interviewanfragen blocken die Dortmunder noch rigoros ab. Der Verein möchte seinen Nachwuchsspieler schützen. Eine gute Entscheidung.

Der Fußball wird zum Spielball

Was passiert eigentlich, wenn der Nachwuchsstürmer plötzlich andere Interessen verfolgt? Für einen 14-Jährigen ist dies ja durchaus vorstellbar. Ob das Talent jemals zum Profi wird, lässt sich zum jetzigen Stand noch gar nicht seriös beurteilen.

Aktuelle BVB-Themen

Für den Mega-Konzern Nike wäre das wahrscheinlich nur eine Randnotiz. Anlässlich 36,4 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz im Geschäftsjahr 2017/18 ist Moukoko bestenfalls eine gewinnbringende Investition in die Zukunft.

Der Fußball und seine Spieler sind ohnehin längst zum Spielball der Multi-Milliarden-Dollar-Konzerne und Großinvestoren geworden. Ebenfalls werden die Machenschaften immer absurder. Belege hierfür lieferte der Spiegel dutzendfach. Die Enthüllungsplattform Football Leaks hat einigen Vereinen und Funktionären das Fürchten gelehrt.

Jedoch gehört diese dunkle Seite mittlerweile zum Fußball dazu. Eben in jenem Geschäft bewegt sich fortan auch der 14-jährige Youssoufa Moukoko. Deshalb sollten er und sein Umfeld solche Sponsorendeals mit Vorsicht genießen. Sich entsprechend nicht zum Spielball der Großkonzerne machen lassen. Mit anderen Worten: einfach wie ein normaler Heranwachsender leben.

Denn auch einem Nachwuchsspieler sollte eine normale, kindgerechte Entwicklung zugestanden werden.