Bild: Andreas Gora/dpa

Die Niederlage bei Union Berlin führt rund um den BVB zu Sprach- und Ratlosigkeit. Eigentlich wollte man in dieser Saison in solchen Spielen ganz anders auftreten. Doch Borussia Dortmund setzte eine mittlerweile desaströse Serie gegen Aufsteiger fort.

  • Der BVB offenbart seit Jahren die gleichen Probleme gegen kleine Teams.
  • Die Statistiken aus dem Spiel in Berlin sind alarmierend.
  • Spieler und Verantwortliche zeigen sich ratlos.

Die anstehende Länderspielpause bietet zumindest für das Trainerteam genug Möglichkeiten, die Niederlage am Samstag beim Aufsteiger aufzuarbeiten. Allein, die Umsetzung dieser Aufarbeitung wird schwierig, da der Großteil des BVB-Kaders mit den Nationalmannschaften unterwegs ist.

BVB gibt bei Aufsteiger Union Berlin ein bedenkliches Bild ab

Die Statistiken des BVB aus dem Spiel in Berlin lesen sich für eine Mannschaft mit Titelambitionen katastrophal. Nur zwei Schüsse fanden den Weg auf das Tor der Unioner.

Ebenfalls nur zwei Mal begingen die Borussen ein Foul – Tiefstwert seit Beginn der Datenerfassungen. Der Aufsteiger aus Berlin absolvierte rund 100 intensive Läufe mehr als der BVB. Zahlen, die eine fehlende Bereitschaft ausdrücken, Spiele wie dieses anzunehmen.

BVB mit desaströser Bilanz gegen Aufsteiger

So erschreckend diese Zahlen für Borussia Dortmund auch sind: Neu ist das Phänomen nicht. Bereits in der vergangenen Saison konnte der BVB keines der beiden Auswärtsspiele bei den Aufsteigern Nürnberg und Düsseldorf gewinnen.

Ebenso gab es nur ein 0:0 beim sang- und klanglosen Absteiger Hannover 96. Die entscheidenden Punkte, die am Ende zur Meisterschaft fehlten.

Über einen längeren Zeitraum betrachtet liest sich die Bilanz sogar noch desaströser: In den letzten drei Jahren konnte der BVB nur drei von 18 Spielen bei einem Aufsteiger gewinnen.

Fehlende Bereitschaft und Einstellung

Insgesamt holte man aus diesen Spielen nur 14 von 54 möglichen Punkten. Gegen die Top-5 der Tabelle der vergangenen Saison holte der Vizemeister 27 von 30 möglichen Punkten. Gegen die letzten fünf nur 20 von 30.

Es sind besonders die Auswärtsspiele, die dem BVB gegen die Underdogs große Probleme bereiten. „Wenn unsere Spieler nachher in der Mixed Zone feststellen, dass es die anderen mehr wollten, dann ist das sehr bedenklich“, sagt Sportdirektor Zorc (57) dem kicker nach der Niederlage in Berlin.

Seit Jahren hat man das Gefühl, dass sich die Mannschaft nicht bewusst ist, was sie in solchen Spielen erwartet. Und ist das Spiel einmal angepfiffen, ist es oft schon zu spät, die richtige Einstellung für das Spiel zu entwickeln.

Probleme unabhängig von Team und Trainer

Auffällig bei all den Problemen ist, dass sie relativ unabhängig zu sein scheinen von der aufgestellten Mannschaft und dem Trainer an der Seitenlinie. 2017 verlor der BVB 2:4 beim Aufsteiger Hannover 96.

Von der damaligen Mannschaft stand am Samstagabend in Berlin nur ein einziger Spieler in der Startformation: Torwart Roman Bürki (28), den an der Niederlage jedoch noch die geringste Schuld traf. Auch der Trainer war ein anderer.

Ein Spiel gegen Borussia Dortmund ist für viele Underdogs ein Saison-Highlight

Das Problem scheint von viel grundsätzlicherer Natur. Der BVB wird mittlerweile von den Gegnern ähnlich wahrgenommen wie der FC Bayern. Die Heimspiele der Aufsteiger gegen diese beiden Teams sind das Highlight jeder Saison.

Borussia Dortmund hat sich diese Wahrnehmung durch Erfolg erarbeitet und durch die zuletzt offen kommunizierten Titelambitionen nochmal untermauert. Es fehlt jedoch der letzte, entscheidende Schritt: In diesen Spielen dann auch wie ein Titelaspirant aufzutreten.