Wirbel um Topspiel

BVB-Schreck Felix Zwayer: Jetzt zieht der Schiedsrichter-Boss Konsequenzen

Schiedsrichter Felix Zwayer leitet vorerst keine BVB-Spiele mehr. Schiedsrichter-Boss Lutz Michael Fröhlich übt trotzdem auch scharfe Kritik an Borussia Dortmund.

Dortmund – Die 2:3-Niederlage des BVB im Spitzenspiel gegen den FC Bayern München vom 4. November hallt nach wie vor nach. In einem Interview bezogen nun Schiedsrichter-Boss Lutz Michael Fröhlich sowie der Projektleiter der Video-Schiedsrichter (VAR), Jochen Drees, ausführlich Stellung.

NameFelix Zwayer
Geboren19. Mai 1981 (Alter 40 Jahre), Berlin
BerufImmobilienkaufmann
VereinSC Charlottenburg

BVB: Schiedsrichter-Boss zieht für Felix Zwayer Konsequenzen – und kritisiert Jude Bellingham

Die Schiedsrichter-Chefs gaben gegenüber dem Kicker Fehler zungunsten von Borussia Dortmund in der besagten Partie gegen den FC Bayern zu. Gleichzeitig verteidigten sie aber ebenso den eingesetzten Schiedsrichter Felix Zwayer für andere Entscheidungen und kritisierten Jude Bellingham scharf.

Was aber bestehen bleibt, sind die Konsequenzen für Felix Zwayer. Der Schiedsrichter wird vorerst keine BVB-Spiele leiten, wie Lutz Michael Fröhlich nun bestätigte.

Schiedsrichter-Boss Fröhlich bestätigt: Vorerst keine BVB-Spiele mehr für Felix Zwayer

Zwar sei das Thema „ein weniger großes für uns als für manch Außenstehenden“, so der 64-Jährige im Gespräch mit dem Fachmagazin. „Aber es wäre für meine Begriffe in einem solchen oder vergleichbaren Fall nicht verantwortungsvoll gegenüber allen Seiten, dieselbe Konstellation gleich wieder anzusetzen. Da sollte doch etwas Zeit ins Land gehen.“

Damit kommen die Schiedsrichter-Bosse dem Wunsch von Hans-Joachim Watzke nach. Der Geschäftsführer des BVB wollte vorerst keine Einsätze mehr von Schiedsrichter Felix Zwayer in Spielen mit Beteiligung von Borussia Dortmund. Mehr noch.

Die Schiedsrichter-Bosse Jochen Drees und Lutz Michael Fröhlich nehmen Felix Zwayer in Schutz und kritisieren den BVB.

BVB-Bosse kritisieren Schiedsrichter Felix Zwayer für die Art des Gesprächsangebotes

Sowohl Hans-Joachim Watzke als auch Sportdirektor Michael Zorc hatten ein Friedensangebot von Felix Zwayer abgelehnt. Der hatte ein vertrauliches Gespräch öffentlich über die Bild den BVB-Verantwortlichen angeboten.

„Die Basis eines Gesprächs ist nicht gegeben, wenn Vertraulichkeit nur von einer Seite erwartet wird. Das Thema ist für uns durch und erledigt“, hatte Michael Zorc zu Protokoll gegeben und damit Hans-Joachim Watzke beigepflichtet. Komplett durch war das Thema deswegen für alle Beteiligten aber noch lange nicht.

Schiedsrichter-Boss Fröhlich kritisiert BVB-Star Jude Bellingham für seine Zwayer-Aussage

So kassierte Jude Bellingham nach seiner heftigen Kritik gegen Felix Zwayer eine Geldstrafe vom DFB. Der junge Mittelfeldspieler des BVB hatte unmittelbar nach der 2:3-Niederlage gegen den FC Bayern in einem TV-Interview gefrustet auf die unrühmliche Vergangenheit des Unparteiischen angespielt. „Du gibst einem Schiedsrichter, der in Spielmanipulationen verwickelt war, das wichtigste Spiel Deutschlands. Was erwartest du?“ 

Schiri-Boss Lutz Michael Fröhlich kritisierte die Aussagen des 18-Jährigen nun im Interview mit dem Kicker scharf. „Es gehört sich nicht, die Integrität und Professionalität eines Schiedsrichters infrage zu stellen. Ich möchte ganz generell mal einen Appell loswerden. Alle sollten sich immer bewusst sein, dass alles, was sie sagen oder tun, eine bestimmte Wirkung entfaltet – auch wenn sie für Handlungen Dritter nicht verantwortlich sind.“ Doch damit nicht genug.

BVB gegen FC Bayern: Schiedsrichter-Bosse sehen sehr komplexe und schwierige Entscheidungen

„Wie einige unserer Schiedsrichter zuletzt vor allem online verbal beleidigt und bedroht wurden, ist nicht mehr akzeptabel und auch nicht hinnehmbar. Schließlich steht hinter jedem Schiedsrichter nicht nur ein Sportler, sondern auch ein Mensch mit Familie und Privatleben. Nicht jeder Frust muss aus der ersten Emotion heraus direkt nach Abpfiff vor der TV-Kamera herausgelassen werden, man kann auch mit etwas Abstand sachliche Kritik üben.“

Davon ab verteidigten sowohl Lutz Michael Fröhlich als auch Jochen Drees die eine oder andere Entscheidung aus dem BVB-Heimspiel gegen den FC Bayern. Wie schwierig die Entscheidungen aber gewesen sein, zeigen die Beurteilungen zu dem Duell im Bayern-Strafraum zwischen Lucas Hernandez gegen Marco Reus.

Schiedsrichter Felix Zwayer darf vorerst keine BVB-Spiele mehr leiten.

BVB gegen FC Bayern: Szene zwischen Hernandez und Reus kein zwingender Elfmeter

Während Lutz Michael Fröhlich von einer „komplexe Situation“ spricht und, dass man „als neutraler Beobachter zu dem Schluss kommt, dass man den Strafstoß pfeifen kann, aber nicht unbedingt pfeifen muss“, zieht Jochen Drees ein differenziertes Fazit.

„Es mag sein, dass ein Treffer im Oberschenkelbereich zu erkennen ist, der aber erst dann erfolgt, als Reus schon durch Hernandez‘ Armeinsatz in der Vorwärtsbewegung ist. Es gab also keinen sturzauslösenden Kontakt im Unterschenkelbereich. Die Szene ist extrem komplex“, so der Projektleiter der Video-Schiedsrichter.

BVB gegen FC Bayern: Handspiel von Mats Hummels strafbar und Elfmeter richtige Entscheidung

„Wir sind letztlich zu dem Urteil gekommen, dass es besser gewesen wäre, Strafstoß zu pfeifen. Es gibt aber auch die Argumentation, dass der Schiedsrichter eine volle Wahrnehmung hatte und den Ablauf im Funkkontakt genau so beschrieben hat, wie auf den TV-Bildern zu sehen. Deshalb gab es keine Grundlage für einen VAR-Eingriff.“

Ähnlich schwierig, zumindest aus BVB-Sicht, sei die Szene zu bewerten gewesen, die nach einem Handspiel von Mats Hummels zum spielentscheidenden Elfmeter für den FC Bayern geführt habe. Das sieht Jochen Drees aber anders.

„Da kommt ein Ball über 30 Meter auf Hummels zu, der sich im Übrigen auch nicht mehr im Zweikampf mit Thomas Müller befindet. Man könnte argumentieren, dass ihn sein eigener Mitspieler Jude Bellingham irritiert. Aber die Armhaltung mit dem angewinkelten Arm vor dem Kopf und zum Ball ist keine natürliche Bewegung für einen Kopfball. Und wenn man dann damit einen sich so lange in der Luft befindlichen Ball spielt, darf man sich allein aufgrund grober Fahrlässigkeit nicht wundern, wenn das als strafwürdig ausgelegt wird.“

Rubriklistenbild: © Christopher Neundorf/Kirchner-Media

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