Routinier enttäuscht bei Dortmund

BVB-Auswertung im Mittelfeld: Youngster sogar besser als Jadon Sancho

Borussia Dortmund zeigte in der Saison 2020/21 viele schwankende Leistungen. Im Mittelfeld waren nur zwei Spieler nahezu immer gesetzt, zwei Profis überraschten aber.

Dortmund – Borussia Dortmund hat es geschafft: Am Ende der Saison 2020/21 qualifizierte sich der BVB für die Champions League, gewann den DFB-Pokal und schied im Viertelfinale der Königsklasse gegen den späteren Finalisten Manchester City aus. Nach zwischenzeitlichen Problemen sorgte auch das Mittelfeld für den gehörigen Aufschwung.

VereinBorussia Dortmund
Gründung19. Dezember 1909
TrainerEdin Terzic (ab 1. Juli: Marco Rose)
StadionSignal Iduna Park
OrtDortmund

BVB in der Saison-Analyse: Im Mittelfeld spielten Marco Reus und Jadon Sancho fast immer

Wechselspielchen gehörten bei den Schwarz-Gelben zur Saison dazu. Wie die Saison-Auswertung im BVB-Tor zeigt, wurde selbst auf der Torwart-Position gewechselt. Auch in der Abwehr von Borussia Dortmund zeigt die Analyse, dass immer mal wieder andere Spieler zum Einsatz kamen, wenngleich hier mehrere Akteure nahezu gesetzt waren.

Doch im Mittelfeld des BVB gab es während des Saisonverlaufs nur wenige Konstanten. Kapitän Marco Reus spielte in der Bundesliga fast immer. Jadon Sancho, wenn er fit war, auch. Doch die restlichen Positionen wechselten die BVB-Trainer Lucien Favre und Edin Terzic munter durch. Ein früherer Mittelfeld-Abräumer kam sogar meist in der Verteidigung zum Einsatz: Emre Can. Deshalb taucht der deutsche Nationalspieler auch bereits in der Abwehr-Analyse zum BVB auf.

BVB: Zwei Überraschungen im Mittelfeld von Borussia Dortmund

Im Mittelfeld gab es bei Borussia Dortmund gleich zwei Überraschungen in der Saison 2020/21. Zum einen wäre da der erst 17-jährige Jude Bellingham, der sich direkt stark beim BVB einbrachte. Zum anderen wäre da Mahmoud Dahoud, der einen bemerkenswerten Aufstieg in seinen Leistungen hatte.

Beide Akteure finden sich weit vorne im Mittelfeld-Ranking. RUHR24 hat alle BVB-Einzelkritiken mit Noten der Bundesliga-Spiele in der Saison 2020/21 ausgewertet und listet nachfolgend alle eingesetzten Mittelfeldspieler auf. Die Profis sind sortiert nach ihren Durchschnittsnoten, beginnend beim am besten benoteten Spieler.

Der beste Mittelfeldspieler des BVB in der Saison 2020/21 war Jadon Sancho (l.), wie die Saison-Analyse zeigt.

Jadon Sancho (BVB): Der beste Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund

Jadon Sancho: Es verwundert kaum, dass der Engländer der beste BVB-Mittelfeldspieler der Saison 2020/21 war. In den meisten Fällen fielen die Einzelkritiken für den Flügelspieler gut, angesichts von acht Toren und zwölf Vorlagen in der Bundesliga keine Überraschung. Allerdings bekam Jadon Sancho auch einmal die Note 5 und siebenmal waren seine Leistungen nur „ausreichend“ – bei insgesamt 26 Einsätzen.

Aber gerade in der Schlussphase der Saison, als Jadon Sancho von seinem Muskelbündelriss zurückkehrte, blühte der 21-Jährige auf. Überwiegend zeigte der Flügelspieler gute bis sehr gute Leistungen, insgesamt stand viermal die Note 1 oder 1,5 in der Einzelkritik. Durchschnittsnote: 2,9

Thomas Delaney (BVB): Viele solide Leistungen im Mittelfeld in der Saison 2020/21

Thomas Delaney: Mit Blick auf seine Einsatzzahlen war die Saison des Dänen eher durchwachsen. Insgesamt 20-mal lief er auf, 17-mal wurde er benotet*. Zwischen dem 8. und 13. Spieltag kam der 29-Jährige unter anderem verletzungsbedingt gar nicht zum Einsatz, ansonsten saß er immer mal wieder 90 Minuten lang auf der Bank.

Spielte Thomas Delaney, zeigte er meist aber eine unauffällige und ordentliche Leistung. Für den Auftritt am 19. Spieltag gegen den FC Augsburg gab es sogar einmal die Note 1. Als „griffig“, „gallig“ und „kernig“ wurde er damals in der Einzelkritik beschrieben. Nur in einer Partie bekam der defensive Mittelfeldspieler die Note 5. Insgesamt war er sogar der zweitbeste Akteur im Mittelfeld, der regelmäßig zum Einsatz kam. Durchschnittsnote: 3,1.

Mahmoud Dahoud (BVB): Die größte Steigerung während der Saison im Mittelfeld

Mahmoud Dahoud: Was war das für eine Saison des 25-Jährigen? Nach der Hinrunde sah es so aus, als wenn der Mittelfeldspieler die Schwarz-Gelben sogar schon im Januar verlassen könne. Jetzt winkt Mahmoud Dahoud eine Vertragsverlängerung beim BVB. Bis zum 20. Spieltag wurde er nur viermal benotet und zweimal spät eingewechselt. Doch dann folgte die krasse Wende: Der gebürtige Syrer stand in jedem Spiel bis zum Saisonende auf dem Platz und machte seine Sache überwiegend gut.

So bekam Mahmoud Dahoud für seine Leistung gegen Arminia Bielefeld sogar die Note 1,5, als er sein einziges Liga-Tor schoss. In den letzten vier Bundesliga-Spielen gab es stets die Note 2 oder 2,5 für den 25-Jährigen. Mit dieser Steigerung katapultierte sich der zweimalige deutsche Nationalspieler weit nach vorne im Mittelfeld-Ranking. Durchschnittsnote: 3,2

Mahmoud Dahoud (l.) war die Überraschung der Saison bei Borussia Dortmund. Er feierte eine enorme Steigerung, was viele gute Noten unterstreichen.

Jude Bellingham (BVB): Der Youngster deutet sein Potenzial bei Borussia Dortmund an

Jude Bellingham: Der 17-Jährige überzeugte bei Borussia Dortmund von Beginn an. Die Ablöse von 25 Millionen Euro erschien zunächst wahnsinnig hoch, doch der Mittelfeldmann scheint jeden Cent wert zu sein. In seiner Debüt-Saison für den BVB lief der junge Engländer 29-mal in der Bundesliga auf, er erzielte ein Tor und drei Vorlagen.

Seine Bewertung in der Einzelkritik fiel fast immer gut aus. Es ist kein Wunder, dass BVB-Trainer Edin Terzic im April sagte: „Das Einzige, was wir über Jude noch nicht wissen, ist sein Limit. Er hat so viel Potenzial und so viel Talent.“ Durchschnittsnote: 3,2

Thorgan Hazard (BVB): Das Verletzungspech verhindert eine mögliche bessere Bewertung

Thorgan Hazard: Der Belgier hatte in der Saison 2020/21 mit enormem Verletzungspech zu kämpfen. Erst ein Muskelfaserriss, dann eine Oberschenkelzerrung und schließlich wieder ein Muskelfaserriss – Thorgan Hazard fehlte dem BVB insgesamt in 15 Bundesliga-Spielen. Das verhinderte auch eine bessere Bilanz als ein Tor und drei Vorlagen in 16 Liga-Partien.

Denn spielte der Flügelspieler, machte er seine Sache zumeist solide. Die Note 1 gab es zwar nie, aber auch nur einmal die Note 5. Meist hielt sich Thorgan Hazard im Zweier- oder Dreier-Bereich auf. Deshalb steht am Ende auch eine ordentliche Gesamt-Note zu Buche. Durchschnittsnote: 3,3

Marco Reus (BVB): Die Entwicklung vom Buhmann zum unumstrittenen Kapitän

Marco Reus: 32 Spiele bestritt der Kapitän des BVB in der Saison 2020/21. Das schaffte der 32-Jährige zuletzt in der Spielzeit 2012/13. Anschließend wurde er immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Doch diesmal nicht. Die Diskussionen, ob der Offensivmann eines Anführers würdig sei, verstummten spätestens gegen Saisonende, als Marco Reus mit fünf Toren und einer Vorlage in den letzten sieben Bundesliga-Spielen die Schwarz-Gelben in die Champions League führte.

Noch gegen Ende der Hinrunde sah es so aus, dass es nicht die Saison des Marco Reus werden würde. Zwischen dem 11. und 20. Spieltag bekam der Kapitän gleich jeweils dreimal die Noten 5 und 6. Doch die Leistungen zum Saisonende retteten den 32-Jährigen in seiner Bewertung. Durchschnittsnote: 3,3

Marco Reus ging als BVB-Kapitän vor allem zum Saisonende voran. Das zeigt auch seine Durchschnittsnote in der Saison-Analyse zum Mittelfeld.

Giovanni Reyna (BVB): Starker Saisonstart im Mittelfeld, dann nur noch im Mittelmaß

Giovanni Reyna: Der US-Amerikaner feierte beim BVB einen Saisoneinstand nach Maß. In den ersten drei Bundesliga-Spielen steuerte der 18-Jährige ein Tor und vier Vorlagen bei. Doch dann lief es plötzlich nicht mehr so rund beim Youngster. Zwar folgten noch jeweils drei Tore und drei Vorlagen, aber die erste Wahl war er unter Lucien Favre und später Edin Terzic nicht mehr so häufig.

Erst gegen Saisonende berappelte sich Gio Reyna in seinen Leistungen wieder etwas und kam in den Einzelkritiken häufiger in den Dreier- oder sogar Zweier-Bereich. Letztlich half das aber nicht mehr, um sich im Mittelfeld-Ranking deutlich verbessern zu können. Dafür fehlte dem US-Amerikaner die Beständigkeit. Durchschnittsnote: 3,5

Axel Witsel (BVB): Durchwachsene Leistungen im Mittelfeld bis zur schweren Verletzung

Axel Witsel: Lediglich 13 Spiele konnten in die Bewertung des Belgiers einfließen, dazu kamen zwei späte Einwechslungen. Am 9. Januar riss sich der Mittelfeld-Stratege im Auswärtsspiel bei RB Leipzig die Achillessehne und fiel für den Rest der Saison aus. Dennoch wurde er vom belgischen Nationalteam für den EM-Kader nominiert.

Axel Witsel (m.) musste beim BVB-Sieg gegen RB Leipzig verletzt ausgewechselt werden. Er zog sich einen Achillessehnenriss zu und fiel für den Rest der Saison aus.

In der ersten Hälfte der Saison litt Axel Witsel unter den schwankenden Leistungen des BVB. Präsentierte er sich anfangs noch stark und bekam in den ersten vier Spielen einmal die Note 2 und zweimal die Note 2,5, kam der Belgier in den weiteren Einzelkritiken kein einziges Mal mehr in den Zweier-Bereich. Durchschnittsnote: 3,8

Reinier (BVB): Die Leihgabe von Real Madrid läuft im Mittelfeld nur hinterher

Reinier: Ein Jahr zum Vergessen für den Brasilianer. Im August 2020 lieh der BVB den Offensivspieler von Real Madrid aus, damit er bei den Schwarz-Gelben nach einer Muskelverletzung wieder Spielpraxis sammeln könnte. Doch dazu kam es kaum. Nur 14-mal stand Reinier in der Bundesliga auf dem Platz, dabei spielte er insgesamt lediglich 245 Minuten – also durchschnittlich nur 17,5 Minuten pro Einsatz.

Nur am letzten Bundesliga-Spieltag vertraute BVB-Trainer Edin Terzic auf Reinier von Beginn an – er zahlte das mit einer Vorlage beim 3:1-Sieg über Bayer Leverkusen zurück und bekam die Note 3. Ansonsten flossen lediglich zwei weitere Spiele in die Bewertung des Brasilianers ein (Noten: 4 und 4,5), da er meist weniger als 20 Minuten auf dem Spielfeld stand. Durchschnittsnote: 3,8

Julian Brandt (BVB): Der schlechteste Mittelfeldspieler mit regelmäßigen Einsätzen

Julian Brandt: Eine Saison mit viel Schatten und wenig Licht für den einstigen deutschen Nationalspieler. Seit seinem Wechsel zum BVB fasst der 25-jährige Routinier nicht richtig Fuß. Nur drei Tore und zwei Vorlagen gelangen ihm in 31 Bundesliga-Spielen, in denen er satte 13-mal eingewechselt wurde.

Spielte Julian Brandt und wurde letztlich auch benotet, waren die Einzelkritiken fast durchweg schlecht. Es gab nur wenige Ausreißer nach oben, wie etwa beim 3:0-Sieg im Hinspiel gegen den FC Schalke 04, für den er die Note 2 erhielt. Seinen Marktwert von 25 Millionen Euro laut Transfermarkt.de rechtfertigte der 25-Jährige in der Saison 2020/21 nicht. Durchschnittsnote: 4,0

Ansgar Knauff (BVB): Flügelspieler deutet sein Talent nach dem Bundesliga-Debüt an

Ansgar Knauff: Am 20. März feierte der 19-Jährige sein Bundesliga-Debüt, drei Einsätze folgten. Ein Tor und eine Vorlage sprangen dabei heraus. Der Youngster wurde allerdings nur zweimal benotet, da er zweimal erst spät eingewechselt wurde. Letztlich hat er sogar die beste Gesamtnote aller BVB-Mittelfeldspieler, angesichts seiner geringen Einsatzzeit ist das aber nicht vergleichbar. Dennoch: Sein Potenzial deutete er an, Ansgar Knauff könnte die Zukunft bei Borussia Dortmund gehören. Durchschnittsnote: 2,5

Ansgar Knauff zahlte das Vertrauen in ihn mit einem Tor in Stuttgart zurück. Der Youngster kam viermal in der Bundesliga zum Einsatz für den BVB.

Tobias Raschl: Der 21-Jährige war nur einmal im Kader der Profis. Er saß 90 Minuten lang beim 2:2 gegen den 1. FC Köln in der Rückrunde auf der Bank. Ansonsten spielte der Mittelfeldmann 28-mal für die U23 in der Regionalliga. Keine Note

Marius Wolf (BVB): Kein Einsatz für Borussia Dortmund, dafür viele Spiele für Köln

Marius Wolf: Bereits in der Saison 2019/20 war der 26-Jährige an Hertha BSC verliehen, im Oktober 2020 folgte eine Leihe zum 1. FC Köln, wo er 31-mal in der Bundesliga auflief. Zuvor saß er zweimal beim BVB auf der Bank, kam aber nicht zum Einsatz. Keine Note

*Hinweis: bei den Einzelkritiken werden jeweils nur die Spieler benotet, die mehr als 20 Minuten Einsatzzeit pro Spiel bekommen haben.

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