Kommentar

Joachim Löw kommt jetzt für die EM an BVB-Kapitän Marco Reus nicht mehr vorbei

Marco Reus ist seit Wochen fit und darüber hinaus überragend. Bundestrainer Joachim Löw kommt so nicht am BVB-Kapitän vorbei, meint RUHR24-Redakteur Raphael Wiesweg.

Berlin/Dortmund – Es war der 3. April, als Fußball-Deutschland über den Lustlos-Abgang von BVB-Kapitän Marco Reus gegen Eintracht Frankfurt leidenschaftliche diskutierte. Für die Kritiker war der unmotivierte Gang zur Auswechslung Wasser auf den Mühlen. Doch seit dieser Aktion und der bitteren 1:2-Niederlage, die gefühlt das Aus für die erneute Champions-League-Qualifikation bedeutete, ist der gebürtige Dortmunder wie Phoenix aus der Asche emporgestiegen.

NameMarco Reus
Geboren31. Mai 1989 (Alter 31 Jahre), Dortmund
Größe1,80 Meter
Gewicht71 Kg
EhepartnerinScarlett Gartmann
Aktuelles TeamBorussia Dortmund

Marco Reus (BVB) in überragender Form: Kapitän hatte vor DFB-Pokal-Finale schon gutes Gefühl

Beim deutlichen 4:1-Sieg des BVB im DFB-Pokal-Finale gegen RB Leipzig waren viele Spieler in ausgezeichneter Form. Erling Haaland und Jadon Sancho zum Beispiel, die den Red-Bull-Profis die Flügel stutzten und mit ihrer Wucht und ihrem Tempo über sie herfielen.

Marco Reus darf sich getrost in diese Riege einordnen. Der Kapitän „hatte die vergangenen Tage schon ein gutes Gefühl“, wie er nach der Partie im Sky-Interview zu Protokoll gab, und marschierte wie einer vorneweg.

Marco Reus (BVB): Raumdeuter antizipiert wie kein Zweiter - Kapitän bringt Gabe mit

Der 31-Jährige besticht dabei nicht wie Jadon Sancho mit unglaublichen Tricks und dessen Tempo oder ebenso wenig wie Erling Haaland, der wie eine norwegische Naturgewalt die Gegenspieler an sich wie eine lästige Fliege abprallen lässt und über sie spielend leicht hinwegfegt. Marco Reus bringt eine Gabe mit, die man als Fußballer nicht lernen kann.

Der Raumdeuter von Borussia Dortmund antizipiert wie kein Zweiter. Er sieht Chancen und Räume, die er dann effizient nutzt. Für sich und sein Team. Das ist Qualität, wie sie die Leipziger im DFB-Pokal-Finale verzweifelt suchten.

Nicht aufzuhalten: BVB-Kapitän Marco Reus (l.) ist derzeit in überragender Form.

Marco Reus (BVB) leitete vier Tore und mehrere Top-Chancen im DFB-Pokal-Finale ein

Exemplarisch dafür stahl er Kevin Kampl auf Höhe der Mittellinie den Ball und war damit entscheidend am 1:0 beteiligt. Das 2:0 bereitete Marco Reus direkt vor, als er nach einem Fehler des Gegners blitzschnell in den Angriffsmodus umschaltete und Erling Haaland sofort suchte – und fand. Wie auch beim 3:0, als er uneigennützig vor dem Tor noch mal auf Jadon Sancho quer legte, der dann locker einschieben konnte.

Das 4:1 leitete er ein, indem er einen hohen, steilen und absichtlichen Diagonalball aus der Drehung heraus auf Jadon Sancho spielte, ehe dieser den späteren Torschützen Erling Haaland bediente. Ein genialer Instinkt. Hätte Thorgan Hazard kurze Zeit vorher schon die starke Vorarbeit vom BVB-Kapitän genutzt und den Ball im leeren Tor untergebracht, wäre noch ein Assist dazugekommen.

Marco Reus (BVB): Note 1 für Kapitän von Borussia Dortmund für das DFB-Pokal-Finale

Marco Reus zählte völlig verdient zu dem Pokal-Trio, das in der BVB-Einzelkritik gegen RB Leipzig die Note 1 kassierte. Der Angreifer bestätigte in eindrucksvoller Manier seine bärenstarke Form aus den vergangenen Wochen.

Bundestrainer Joachim Löw (l.) überlegt, BVB-Kapitän Marco Reus mit zur EM zu nehmen.

Beispielhaft seine Aktion in der 60. Minute, als er erneut gegen Kevin Kampl den Ball eroberte und anschließend gegen Christopher Nkunku einen Freistoß herausholte, wodurch Borussia Dortmund in der Sturm- und Drangphase der „Roten Bullen“ durchschnaufen konnte und wertvolle Zeit gewann. Erling Haaland eilte sofort herbei und spendierte lange Szenenapplaus für den Anführer.

Marco Reus (BVB): Tore und Vorlagen seit Wochen regelmäßig für Borussia Dortmund

Neben den beiden Torvorlagen gegen RB Leipzig, war Marco Reus seit dem 1:2 gegen Eintracht Frankfurt in vier von fünf Bundesligaspielen an weiteren Toren direkt beteiligt. Dreimal davon traf er selbst. Dank seiner Leistungen und dank seiner Anführer-Qualitäten haben die Schwarz-Gelben die Champions-League-Qualifikation plötzlich wieder in den eigenen Händen.

In dieser Form und mit seiner Erfahrung muss der BVB-Kapitän von Bundestrainer Joachim Löw nominiert werden. Hat das DFB-Team eine gut besetzte und talentierte Offensive? Ja. Konnten Spieler wie Serge Gnabry, Leroy Sané, Kai Havertz, Timo Werner und wie sie alle heißen aber in den vergangenen Wochen und Monaten restlos überzeugen? Nein!

Marco Reus (BVB) will zur EM: Joachim Löw sollte Dortmund-Kapitän mitnehmen

„Ja natürlich! Warum nicht?“, fragte Marco Reus nach dem furiosen Sieg des BVB im DFB-Pokal-Finale im Sky-Interview rhetorisch, ob er zur EM wollen würde. Er könne es zwar nur auf dem Platz beeinflussen, mache sich da aber auch keinen Stress.

Was spricht dagegen, ihn zu nominieren? Joachim Löw hört nach der EM als Bundestrainer eh auf und will sicherlich seine Zeit beim DFB mit einem krönenden Abschluss feiern. Das geht aber nur mit den besten deutschen Spielern, die es derzeit gibt. Und dazu zählt Marco Reus!

Marco Reus (BVB): Bundestrainer Joachim Löw überlegt Dortmund-Kapitän mitzunehmen

„Marco hat seit Wochen einen guten Rhythmus“, lobte Joachim Löw den 44-maligen Nationalspieler. Er sei ein Kandidat für die EM und stehe im erweiterten Kader.

Am 19. Mai wird das Aufgebot bekannt gegeben. Wenn Marco Reus fehlt, fehlt dafür jegliches Verständnis. Einig sind sich nämlich auch die Kritiker immer gewesen: Wenn Marco Reus fit ist, ist er überragend. Und das ist der BVB-Kapitän jetzt seit Wochen. Fit und überragend.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln

Rubriklistenbild: © Christopher Neundorf/Kirchner-Media

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