Ein Kommentar

Blutleerer BVB-Auftritt gegen Mainz 05: Der Bremer Ruf nach Wettbewerbsverzerrung ist albern

Gegen Mainz 05 hat der BVB auf ganzer Linie enttäuscht - sehr zum Ärger von Werder Bremen. Von Wettbewerbsverzerrung kann trotzdem keine Rede sein.

  • Borussia Dortmund steht nach dem Lustlos-Auftritt gegen Mainz 05 schwer in der Kritik.
  • Besonders Werder Bremen hadert nachvollziehbarerweise mit der Leistung der Dortmunder.
  • Der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung ist dennoch unbegründet, kommentiert RUHR24-Redakteur Christian Keiter.

Dortmund - "Das hat ein Geschmäckle gehabt. Dortmund war einfach schwach und hat gespielt, als wenn sie sich gesagt hätten: Ist doch kein Problem, wenn wir nicht 100 Prozent liefern." Der frühere Werder-Manager Willi Lemke (73) war von der Leistung des BVB gegen Mainz 05 (0:2) alles andere als begeistert.

BVB lässt Siegeswillen gegen Mainz 05 vermissen - Ärger bei Werder Bremen

Sein Klageschrei in der NDR2 Bundesligashow reiht sich nahtlos in die zahlreichen Kommentare enttäuschter Werder-Fans in den sozialen Netzwerken ein. Nicht selten fällt dabei das Wort "Wettbewerbsverzerrung" - es könnte deplatzierter nicht sein.

Der BVB um Achraf Hakimi muss sich mit dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung auseinandersetzen.

Der Frust der Anhängerschaft von Werder Bremen, wo zwei Spieltage vor Saisonende der Klassenerhalt nicht mehr aus eigener Kraft zu erreichen ist, ist absolut nachvollziehbar. Dafür Borussia Dortmund die Schuld geben zu wollen, hingegen nicht (BVB-Artikel auf RUHR24).

Von wegen Wettbewerbsverzerrung durch den BVB: Werder Bremen trägt für den drohenden Abstieg selbst die Schuld

Wer nach 32 Spieltagen mit 28 Punkten auf dem 17. Tabellenplatz steht, hat schlicht eine unterirdische Saison gespielt - Verletzungspech hin oder her. Wer hingegen nach dem 32. Spieltag sicher für die Champions League in der kommenden Saison qualifiziert ist, hat eine überragende Bundesliga-Saison gespielt - verlorene Meisterschaft hin oder her.

So unglücklich dieser Spielplan für den SV Werder Bremen sein mag, es ist das gute Recht von Borussia Dortmund, bei so einer Ausgangslage auf dem Platz einen Gang herunterzuschalten. Es ist auch menschlich zutiefst nachvollziehbar, dass keiner der Westfalen in einem derart unbedeutenden Spiel kurz vor Saisonschluss noch eine Verletzung riskiert.

Nicht einmal gegenüber den Fans steht die Mannschaft in der moralischen Pflicht, zumindest eine halbwegs ansehnliche Leistung anzubieten. Ob der Geisterspiele sind schließlich keine im Stadion.

Gegen RB Leipzig wird Borussia Dortmund ein anderes Gesicht zeigen

Dass Michael Zorc - "Wir haben gespielt, als wenn der eine oder andere im Kopf schon im Urlaub sei" - und Lucien Favre (62) nach dem Spiel mahnend den Zeigefinger hoben, ist aller Ehren wert. Es dürfte sich dabei aber mehr um situationsgerechte Öffentlichkeitsarbeit gehandelt haben, denn um ernsthaften und nachhaltigen Ärger über die angebotene Leistung der Mannschaft.

Auch ohne öffentliches Anzählen wird der BVB gegen RB Leipzig anders auftreten. Neben der eher zweitrangigen Vizemeisterschaft geht es beim Gastspiel in Sachsen vor allem um Prestige.

Wenn der BVB gegen RB Leipzig wieder die richtige Mentalität und den unbedingten Siegeswillen an den Tag legt, werden die Rufe nach Wettbewerbsverzerrung im Spiel gegen Mainz 05 mutmaßlich noch einmal lauter - sie bleiben aber albern. Dass aufopferungsvoll kämpfende Mainzer mit dem Rücken zur Wand und mit Werder Bremen im Nacken den BVB niederringen, ist im Grunde ein Resultat, welches Wettbewerbs-gerechter kaum sein könnte.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/Pool/AFP