Dortmund-Leader vor Karriereende

BVB-Legende nimmt Abschied: Erling Haaland crasht plötzlich das TV-Interview

In Berlin, wo seine Bundesliga-Karriere 2007 begann, feierte Lukasz Piszczek seinen dritten DFB-Pokal-Sieg mit dem BVB. Anschließend huldigten ihn alle Schwarz-Gelben.

Berlin/Dortmund - Es lief die 51. Spielminute, als Lukasz Piszczek den Turbo anzündete und im Vollsprint einmal vom eigenen Strafraum bis zum gegnerischen rannte, um dann auch noch eine gefährliche Flanke aus vollem Lauf zu schlagen. Der 35-Jährige sorgte damit nicht nur für den ersten Entlastungsangriff in der zweiten Halbzeit während des triumphalen BVB-Sieges im DFB-Pokal-Finale gegen RB Leipzig, sondern ließ noch einmal jeden schwarz-gelben Anhänger mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück.

NameLukasz Piszczek
Geboren3. Juni 1985 (Alter 35 Jahre), Czechowice-Dziedzice, Polen
Größe1,84 Meter
PartnerinEwa Piszczek (verh. 2009)
KinderSara Piszczek
ElternKazimierz Piszczek, Halina Piszczek

Lukasz Piszczek (BVB) beendet nach 17 Jahren seine Karriere: Knapp 400 Spiele für Borussia Dortmund

Seit Sommer 2010 hält der Pole die Knochen für Borussia Dortmund hin. Das DFB-Pokal-Finale 2021 in Berlin war sein 381. Spiel (19 Tore, 64 Vorlagen) für den BVB.

Doch damit ist bald Schluss. Lukasz Piszczek beendet seine Karriere. Ehe der 66-malige polnische Nationalspieler bei seinem Heimatverein LKS Goczalkowice in der 4. Liga die Fußballtage ausklingen lässt, sollte aber idealerweise noch der Einzug in die Champions League perfekt gemacht werden. Ein letzter Kraftakt, 17 Jahre nach seinem Profi-Debüt.

Lukasz Piszczek (BVB): Über Zaglebie Lubin und Hertha BSC zu Borussia Dortmund

Damals, am 16. Oktober 2004, durfte Lukasz Piszczek für Zaglebie Lubin erstmals auflaufen und steuerte wenige Tage nach seinem 19. Geburtstag und nach seiner Einwechslung sogar noch den 7:0-Endstand über GKS Katowice bei. Über Hertha BSC ging es nach drei Jahren 2010 in das Ruhrgebiet zu Borussia Dortmund und ausgerechnet dort, wo seine Bundesliga-Karriere begann, kam es nun zu einem absoluten Höhepunkt.

Als der Abpfiff im Berliner Olympiastadion ertönte, warfen seine BVB-Kollegen ihn in der Menge mehrfach nach oben und huldigten vielleicht damit sogar nicht nur den Fußballer in ihm, sondern auch den Menschen. Für den routinierten Lukasz Piszczek war das offensichtlich zu viel. Er hielt sich die Hände vor das Gesicht und weinte hemmungslos.

Lukasz Piszczek wird nach dem DFB-Pokal-Sieg von den BVB-Kollegen gefeiert und muss dabei weinen.

Lukasz Piszczek (BVB) bricht nach DFB-Pokal-Sieg unter Tränen zusammen

„Da kam alles in mir zusammen und ich bin einfach zusammengebrochen. Das war sehr emotional für mich, weil ich gemerkt habe, dass meine Karriere langsam zu Ende geht“, gab der Rechtsverteidiger nach der anschließenden Pokal-Übergabe bei Sky zu Protokoll. „Heute werde ich für mein ganzes Leben mitnehmen.“

Dabei stand Lukasz Piszczek höflich, abwartend und wie immer sehr respektvoll vor der TV-Kamera und wartete geduldig auf die Fragen. Nicht in einem T-Shirt passend zum DFB-Pokal-Gewinn oder in seinem eigenen Trikot. Nein, der BVB-Routinier hatte das von seinem Mannschaftskollegen Marcel Schmelzer übergezogen, der verletzungsbedingt in dieser Saison kein einziges Spiel absolvieren konnte.

Lukasz Piszczek (BVB) denkt an Marcel Schmelzer und alle verletzten Dortmund-Profis

„Eigentlich muss ich heute mehrere Trikots tragen. Das von Mateu Morey, von Marwin Hitz, von Youssoufa Moukoko, von Axel Witsel oder das von Dan-Axel Zagadou“, zählte Lukasz Piszczek nach seinem dritten DFB-Pokal-Triumph mit dem BVB all diejenigen auf, die verletzt nicht mitwirken konnten. „Aber Marcel fehlt am längsten“, so der Routinier über Schmelzer, der sogar seit 2008 bei Borussia Dortmund spielt und dessen Vertrag nun aber ausläuft.

Lukasz Piszczek (l.) und Marcel Schmelzer werden nächste Saison nicht mehr für den BVB spielen.

„Marcel ist ein feiner Mensch und Spieler, wir kennen uns seit vielen Jahren. Heute konnte er leider nicht mitspielen, deswegen wollte ich ihm wenigstens ein bisschen mit dieser Geste etwas zurückgeben. Ich hoffe, dass er schnell wieder fit wird.“

Lukasz Piszczek (BVB): Edin Terzic schwärmt vom Dortmund-Routinier

Die Art und Weise, wie Lukasz Piszczek nicht nur über seine Mitspieler sprach, sondern seinen Respekt auch dokumentierte, ist Ausdruck dessen, wie der Pole immer gestrickt war und ist. „Stolzer als auf Piszczu kann man gar nicht sein“, adelte Edin Terzic den 35-Jährigen im TV-Interview.

Der BVB-Trainer verwies in dem Zusammenhang nicht nur auf das vergangene Jahrzehnt, sondern vor allem auf diese Saison. „Was er für den Verein in guten wie in schlechten Zeiten geleistet hat, ist unglaublich. Ich bin stolz, Teil dieses Weges gewesen zu sein. Er ist immer vorneweg gegangen und hat die jungen Spieler selbst dann gepusht, wenn er nicht gespielt hat. Er hat sich nach seinen Verletzungen eindrucksvoll zurückgekämpft und dann auch noch diese Performance in den vergangenen Wochen hingelegt - das ist unglaublich.“

Lukasz Piszczek (BVB): Für Hans-Joachim Watzke der „persönliche Held“

Bis zum 10. April hatte Lukasz Piszczek aufgrund von immer wiederkehrenden Problemen nur fünf Kurz-Einsätze in der Bundesliga absolvieren können. Als er endlich beschwerdefrei war und der BVB mit Thomas Meunier und Mateu Morey nicht vollends zufrieden war, schlug seine Stunde.

Der 35-Jährige überzeugte fortan so sehr, dass mit Lukasz Piszczek BVB-Siege im Prinzip garantiert waren. „Piszczu ist mein ganz persönlicher Held. Er hat eine solche Stabilität in den vergangenen Wochen abgeliefert, das ist großartig“, schwärmte auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Er ist seit 2010 bei uns und hat eine einfach nur tolle Geschichte geschrieben.“

Lukasz Piszczek (BVB): Erling Haaland crasht Live-Interview der „Legende“ im TV

Hans-Joachim Watzke war es zwar auch, der gleichzeitig die Euphorie zumindest etwas bremste und nach seinem siebten DFB-Pokal-Finale in 15 Jahren auf den wichtigen Schlussspurt in der Bundesliga verwies. „Wir müssen etwas aufpassen, dass wir hier nicht von Abschied oder so sprechen. Wir müssen Sonntag noch in Mainz spielen, das wird ein heißes Ding.“

Edin Terzic und Erling Haaland schwärmten nach dem DFB-Pokal-Sieg von Lukasz Piszczek.

Trotzdem ließ sich der eine oder andere es sich nicht nehmen, Lukasz Piszczek bei jeder Gelegenheit zu huldigen. So zum Beispiel auch Erling Haaland, der während des Live-Interviews des beliebten Polen schon „Legende! Legende!“ von der Seite laut rief und dann mehrere Sekunden Szenenapplaus spendete. Anschließend crashte er sogar den TV-Auftritt komplett und stellte sich neben seinen Mannschaftskollegen hin, um ein paar Takte zu sagen.

Lukasz Piszczek (BVB): Edin Terzic und Borussia Dortmund stolz auf den Rechtsverteidiger

„Gebt ihm doch jetzt etwas Zeit und Luft, er ist eine absolute Legende“, gab Erling Haaland breit grinsend und auf Englisch zu Protokoll. Lukasz Piszczek freute sich, machte anschließend mit dem TV-Interview aber souverän weiter.

Zu dem Zeitpunkt waren die Tränen schon wieder getrocknet, wenngleich die Augen noch feucht aussahen. „Ich verstehe das mit den Tränen gar nicht. Dass dafür noch Platz war, nachdem er zuvor auf dem Platz so viel herausgelassen hatte, verstehe ich nicht“, sagte Edin Terzic lächelnd, um dann mit den Worten abzuschließen, die jedem BVB-Anhänger wohl ebenfalls durch den Kopf geschossen waren. „Ich glaube ich spreche für alle Borussen, wenn ich sage, dass ich unglaublich stolz auf ihn bin.“

Rubriklistenbild: © Annegret Hilse/AFP

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