Aussagen vom Dortmund-Boss

Neue Details zum Favre-Rausschmiss beim BVB: Warum Watzke das Aus bereits früh ahnte

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Im Dezember 2020 musste Trainer Lucien Favre beim BVB gehen. Gerechnet haben die Verantwortlichen schon vorher damit.

Hätte der BVB womöglich schon früher einen Trainerwechsel vornehmen müssen? Die Verantwortlichen rechneten damit, dass es Probleme unter Lucien Favre geben würde.

Dortmund – „Am Ende herrschte offenbar der Eindruck, dass es in dieser Konstellation ein Limit gab, welches wir mit Lucien Favre erreichen können. Ich denke, bei den Verantwortlichen reifte dann der Entschluss, etwas verändern zu müssen, um über dieses Limit hinausgehen zu können.“ Im Interview mit der Sport Bild hat BVB-Abwehrchef Mats Hummels (32) schon angedeutet, warum der Schweizer kurz vor Weihnachten gehen musste. Hat sich sein Aus nur schon viel früher angedeutet?

NameLucien Favre
Geboren2. November 1958 (Alter 63 Jahre), Saint-Barthelemy VD
Größe1,78 Meter
Karrierebeginn1976
EhepartnerinChantal Favre
KinderLoic Favre

Borussia Dortmund: Mats Hummels wollte mit Kritik Lucien Favre nicht schwächen

In demselben Interview erklärt der Weltmeister von 2014 auch, warum er nach der krachenden 1:5-Niederlage von Borussia Dortmund gegen den Aufsteiger VfB Stuttgart öffentlich scharfe Kritik an der Taktik übte. Nicht, um Lucien Favre zu schwächen.

„Ich habe nicht alles ausgesprochen, was in mir brodelte, sondern versucht, es vernünftig zu verpacken. Wir haben über diese Dinge vorher schon intern oft gesprochen. Sowohl im Mannschaftskreis, als auch mit dem Trainerteam. Das öffentlich zu machen, war aus meiner Sicht die letzte Patrone.“

Borussia Dortmund machte unter Trainer Lucien Favre immer wieder dieselben Fehler

Dass Mats Hummels noch mehr Kritik äußerte und Probleme beim BVB offen angesprochen hat, war für die Verantwortlichen unproblematisch. „Ich teile die Aussagen von Mats und wir werden ihn und auch die anderen daran messen. Denn unsere Ansprüche vor der Saison waren höher“, betonte Sebastian Kehl (40), Leiter der Lizenzspieler, am Mittwoch (6. Januar) am Rande des Trainings.

Trotzdem: Dass Borussia Dortmund immer wieder dieselben Fehler machte, ist ganz klar dem Trainerteam anzukreiden. An dessen Spitze war bis Mitte Dezember Lucien Favre. Zu dem Zeitpunkt wussten die Verantwortlichen der Westfalen aber schon längst, dass es nicht leicht werden würde.

Im Dezember 2020 musste Trainer Lucien Favre beim BVB gehen. Gerechnet haben die Verantwortlichen schon vorher damit.

Borussia Dortmund: Hans-Joachim Watzke hatte bei Lucien Favre lange ein gutes Gefühl

„Ein Trainerwechsel ist immer auch ein Zeichen dafür, dass etwas nicht rund läuft. Wir sind Lucien sehr dankbar für das, was er hier geleistet hat“, erklärt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (61) im Interview mit dem kicker. „Ich hatte über den weit überwiegenden Zeitraum hinweg das Gefühl, dass es sehr gut läuft“, so der 61-Jährige weiter.

Allerdings „war das im Dezember nicht mehr der Fall, deshalb mussten wir handeln“, so der Boss von Borussia Dortmund. Der hatte offenbar auch schon viel früher eine Vorahnung, was Lucien Favre betrifft.

Hans-Joachim Watzke (Borussia Dortmund) rechnete bereits im Sommer mit einer schwierigen Saison

„Wir hatten uns nicht mehr weiterentwickelt. Bereits im Sommer hatten wir die Vermutung, dass es ein schwieriges Jahr werden könnte.“

Woran Hans-Joachim Watzke das festmacht? „Indikatoren für uns waren die letzten beiden Heimspiele der Vorsaison gegen Mainz und Hoffenheim“, so der Geschäftsführer über die 0:2- beziehungsweise 0:4-Niederlage. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass dazwischen noch ein 2:0-Sieg in Leipzig gelang, zwei bittere Rückschläge.

Hans-Joachim Watzke (Borussia Dortmund): Kritik am Saisonende vom BVB-Team

„Wenn du am 33. Spieltag zu einer so starken Leistung in der Lage bist, dann darfst du dich am 32. und 34. Spieltag nicht so düpieren lassen“, findet Hans-Joachim Watzke deutliche Worte. Worte, die vor allem in Richtung Ex-BVB-Trainer Lucien Favre gemünzt sind, wie er nachfolgend indirekt zugibt.

„Da konnte man bereits ahnen, dass es schwierig werden könnte. So hat es sich dann leider auch entwickelt. Natürlich hatten wir uns ein anderes Szenario gewünscht und erhofft.“

Video: Sebastian Kehl: Leipzig-Spiel wird „Gradmesser“ - Hummels-Kritik „legitim“

Borussia Dortmund: Edin Terzic soll BVB zu mehr Leidenschaft und Gier als unter Lucien Favre führen

Der Rest ist bekannt. Zwar ist Borussia Dortmund sowohl national als auch international in einer guten Ausgangslage. Überzeugend war zuletzt aber nicht alles.

Hans-Joachim Watzke machte zuletzt schon deutlich, was er vom neuen BVB-Cheftrainer Edin Terzic fordert. Dinge, von denen Mats Hummels ebenfalls schon gesprochen hat. Leidenschaft, Härte, Kreativität, Gier – Attribute, für die Lucien Favre nicht unbedingt stand.

Sebastian Kehl (Borussia Dortmund) fordert von allen BVB-Profis bessere Leistungen

Es überrascht also nicht, wenn Sebastian Kehl wie am Mittwoch (6. Januar) zugibt, dass die „Kritik ganz normal ist. Wir sind in einer Situation, die für uns unüblich ist. Wir haben höhere Ansprüche und Erwartungen.“

Dass der BVB daher mal eine Woche ganz normal trainieren kann, ohne zwischendurch für Spiele irgendwo antreten zu müssen, freut die Verantwortlichen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass binnen einer Woche mit RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach zwei Spitzenspiele warten. „Bis auf Jude Bellingham und Thorgan Hazard sind alle fit. Es gibt keine Ausreden, warum wir nicht noch näher an unsere Form herankommen“, so der 40-Jährige deutlich.