Dortmund in der Champions League

Nach dem Gruppensieg: BVB-Trainer Lucien Favre irritiert mit seiner Analyse live im TV

Der BVB ist Erster der Gruppe F in der Champions League – trotz keiner überzeugenden Leistung in Russland. Und Trainer Lucien Favre scheint keinen Anlass zur Besserung zu sehen.

Dortmund – Eins vorneweg: Rein statistisch ist bei Borussia Dortmund alles wunderbar. Mit dem 2:1-Erfolg in St. Petersburg hat der BVB den Gruppensieg in der Champions League eingefahren und darf sich auf die Auslosung am Montag freuen. Doch dabei wirklich überzeugen konnten die Dortmunder nicht, auch wenn Lucien Favre (63) das scheinbar zunächst anders sah.

PersonLucien Favre
Geboren2. November 1957 (Alter 63 Jahre)
VereinBorussia Dortmund
BerufTrainer
NationalitätSchweiz

Lucien Favre beim BVB: Trainer von Borussia Dortmund überrascht mit Analyse nach Zenit-Spiel

Es war eine „hart umkämpfte Partie“, sagte BVB-Kapitän Marco Reus (31) bei DAZN nach dem 2:1-Sieg von Borussia Dortmund gegen Zenit St. Petersburg. Durchaus, betrachtet man allein die erste Halbzeit, in der die Dortmunder einem Rückstand hinterherliefen.

Die Schwarz-Gelben zeigten sich insbesondere in den ersten 45 Minuten unkreativ, unkonzentriert und unauffällig. Nach vorne ging erst etwas, als Lucien Favre in der zweiten Hälfte wechselte. Ab der 58. Minute zeigte Newcomer und Hoffnungsträger Youssoufa Moukoko (16), was dem BVB-System fehlte.

Lucien Favre (Borussia Dortmund): BVB-Trainer hat nach Zenit-Spiel nichts zu bemängeln

Doch wer auf eine Fehleranalyse von BVB-Kopf Lucien Favre gehofft hatte, hoffte vergebens. Auf die Frage, was ihm an seiner Mannschaft nicht gefallen hat, antwortete er bei DAZN: „Nichts. Wir haben gewonnen, wir haben bis zum Schluss gekämpft. Nach dem 2:1 haben wir gut verteidigt.“

Irritierend. Denn wenn er wirklich alles gut fand, gibt es auch wenig Grund, beim nächsten Mal noch etwas besser zu machen. Dabei zeigte gerade der Angriff der Borussen deutliche Schwächen (alle News zu Lucien Favre auf RUHR24.de).

BVB-Trainer Lucien Favre überraschte nach dem umkämpften Sieg gegen Zenit mit seiner positiven Bewertung. Denn erst als Youssoufa Moukoko kam, konnte Borussia Dortmund das Spiel drehen.

Kuriose Analyse von Lucien Favre nach Zenit-Spiel: BVB mit offensiven und defensiven Schwächen

Das Offensivspiel des BVB endete meist am gegnerischen Strafraum. Das hat sicherlich auch mit dem Ausfall des verletzten BVB-Knipsers Erling Haaland zu tun, ohne den ein Abnehmer für die Bälle nach vorn fehlt. Lucien Favre setzte zuletzt auf Notlösungen mit „falschen Neunern“ wie Marco Reus oder Julian Brandt (24).

Auch die Abwehr hatte zunächst sichtlich Probleme. Beim 1:0 für Zenit St. Petersburg konnten Julian Brandt und Felix Passlack (22) ihre Gegenspieler nicht aufhalten. Sie ließen sie gewähren, sodass letztendlich Sebastian Driussi zum Schuss kam. Mats Hummels (31) fälschte auch noch unglücklich ab.

BVB Trainer Lucien Favre scheinbar zufrieden: Marco Reus mit Kritik

War also wirklich alles gut, wie Lucien Favre meinte? Wohl eher nicht, wie auch BVB-Kapitän Marco Reus fand: „In der ersten Halbzeit standen wir nicht kompakt. Wir haben wenig spielerisch hinbekommen“, sagte er bei DAZN.

Die Antwort auf eine desolate Leistung in der ersten Hälfte: „In der zweiten Halbzeit mussten wir viel mehr Druck machen.“ So wurde ein Rückstand zu einem „dreckigen Sieg“, wie Marco Reus das 2:1 nannte, gedreht.

Lucien Favre (BVB): Trainer von Borussia Dortmund bei der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Zenit

Nach der vorübergehenden „Nicht-Analyse“ zeigte sich auch BVB-Coach Lucien Favre bei der anschließenden Pressekonferenz einsichtiger: „Wir sind nicht gut gestartet und haben das sehr gut korrigiert nachher.“

Auch den fehlenden Zug im Angriff, den Kritiker bemängeln, erkennt der Fußball-Experte des BVB: „Wir sehen, dass Tiefe fehlt.“ Der Trainer relativierte aber die Aussage zur fehlenden Sturmspitze: „Wir haben das richtig gemacht. Es war keine große Leistung, aber wir haben ordentlich gespielt.“

Die Frage ist natürlich, warum findet Lucien Favre vor laufender Kamera alles gut, wenn er doch als Fußball-Fachmann auch einiges kritisieren müsste?! Die Antwort dürfte sein, dass er über konkrete Fehler seiner Mannschaft nicht vor den Medien reden möchte.

Lucien Favre bei Borussia Dortmund: Der BVB-Trainer und die Medien

BVB-Fans dürften hoffen, dass Lucien Favre hinter den Kulissen anders spricht. Denn nur die Aufarbeitung einer schwächeren Leistung, wie sie phasenweise in St. Petersburg zu sehen war, sorgt dafür, dass Dinge besser werden. Wenn der BVB-Trainer die Fehler deutlich anspricht, können diese auch vor den verbleibenden Spielen in diesem Jahr behoben werden.

Eine Aufarbeitung der Fehlerquellen und das Abrufen des großen Potenzials, das in dieser Mannschaft steckt, muss die Devise für die letzten vier Spiele dieses Jahres sein. So verlieren der BVB und Lucien Favre nicht den Anschluss zur Spitze und können als DFB-Pokal-Achtelfinalist ins neue Jahr starten.

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