Kommentar

BVB-Rätsel um Julian Brandt: Genialen Momenten stehen XXL-Schwächen gegenüber

Julian Brandt steht einmal mehr im Fokus vieler BVB-Diskussionen. Seine Performance im Spiel gegen Bayer Leverkusen offenbarte Licht und Schatten. Ein Kommentar.

Dortmund – Die Personalie Julian Brandt ist den Fans von Borussia Dortmund nach wie vor ein Rätsel. Die Meinungen reichen von „Mega-Talent“ bis „Flop-Transfer“. Seine Leistungen sind allerdings viel zu schwankend, um einen der beiden Begriffe letztlich gerecht zu werden, findet RUHR24-Autor Kevin Mattes.

NameJulian Brandt
Geboren2. Mai 1996 (Bremen), 25 Jahre
Größe1,85 m
Gewicht83 kg
ElternJürgen Brandt, Heike Brandt
GeschwisterJannis Brandt, Jascha Brandt

BVB: Julian Brandt in Leverkusen „zwischen Genie und Wahnsinn“

Beim BVB-Wahnsinn in Leverkusen, als Borussia Dortmund einen dreimaligen Rückstand inklusive VAR-Frust konterte, feierte Julian Brandt sein Startelf-Debüt in dieser Saison. Am spektakulären Endergebnis war der 25-Jährige sowohl im positiven, als auch im negativen Sinne beteiligt.

Dieses eine Spiel drückte seinen bisherigen Werdegang beim BVB nahezu perfekt aus. Die Redewendung „Zwischen Genie und Wahnsinn“ eignet sich dabei hervorragend als Überschrift, um seine Leistung in wenigen Worten zusammenzufassen.

Julian Brandt: BVB-Star leistet sich zwei kapitale Fehler in Halbzeit eins

In der ersten Halbzeit waren zwei Aktionen von Julian Brandt besonders auffällig. Zunächst hatte der gebürtige Bremer den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte jedoch aus fünf Metern, weil er den Ball nicht richtig traf. Kurz vor der Pause dann der nächste Lapsus. Julian Brandt bekam einen Pass zugespielt, den er nicht kontrollieren konnte und in die Füße der Leverkusener stolperte.

Anstatt hinterherzulaufen, um den Ball zurückzugewinnen, blieb der Mittelfeldspieler stehen. Wenige Augenblicke später bekam der BVB für diesen Fehler die Quittung und lag mit 1:2 hinten.

Julian Brandt vom BVB erlebte ein durchwachsenes Spiel gegen Bayer Leverkusen.

BVB: Julian Brandt mit starker Leistung und Traumtor in Halbzeit zwei gegen Bayer Leverkusen

Im zweiten Durchgang zeigte Julian Brandt sein anderes Gesicht. In der 49. Minute bekam er einen unsauberen Ball von Erling Haaland zugespielt, den wohl 95 Prozent der Bundesligaspieler anschließend verloren hätten. Julian Brandt bewies in diesem Fall allerdings seine Genialität und nahm den Ball mit der Hacke mit und schweißte das Leder zum zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich unter die Latte.

So nah können Kreis- und Weltklasse also tatsächlich beieinander liegen. Auch aus der Vergangenheit gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass der Spielmacher immer wieder krasse Leistungsschwankungen aufweist. Auf sehr gute Aktionen folgen oftmals katastrophale Fehler. Aus BVB-Sicht stellt sich die Frage, ob so ein Spieler dem Klub auf lange Sicht weiterhilft.

Julian Brandt (BVB): Von Michael Zorc angezählt und Marco Rose gelobt

Kein Wunder also, dass sich die Gerüchte um einen möglichen Transfer von Julian Brandt im Sommer häuften. Letztlich entschieden sich alle Seiten dagegen. In der Hoffnung, dass nun endlich Konstanz ins Spiel des Ex-Leverkuseners kommt. Michael Zorc zählte seinen Schützling in der Vorbereitung aber öffentlich an und forderte eine dauerhafte Leistungssteigerung.

Julian Brandt wurde vor der Saison öffentlich von BVB-Sportdirektor Michael Zorc angezählt.

Glaubt man Trainer Marco Rose, dann hat die Ermahnung geholfen. Er sah Julian Brandt als großen Gewinner in der Vorbereitung. Wäre nicht die Covid-19-Infektion dazwischengeraten, hätte er wohl schon viel früher in der Startelf gestanden.

BVB: Spielweise von Julian Brandt ist zu phlegmatisch

Nun hat Julian Brandt gerade ein Spiel von Anfang an gemacht und erneut werden die Diskussionen aus der vergangenen Saison wieder laut. Trotz seines Weltklasse-Treffers hat er es einmal mehr versäumt, die Kritiker zumindest kurzfristig zu beruhigen. Neben seiner Leistungsschwankungen ist es vor allem ein Punkt, der bei den Zuschauern für Stirnrunzeln sorgt.

Julian Brandt spielt phlegmatisch. Teilweise trabt er, wie beim angesprochenen Gegentreffer in Leverkusen, über den Platz. Es fehlt die letzte Überzeugung in der Defensivarbeit. Das Malocher-Gen, wie es etwa Jude Bellingham verkörpert, geht ihm komplett ab. Die Spielweise erinnert ein wenig an Mesut Özil oder Leroy Sané. Und dennoch hat er schon bewiesen, dass er es kann.

BVB-Trainer Marco Rose ist nach einer starken Vorbereitung von Julian Brandt (Foto) überzeugt.

BVB: Julian Brandt bekommt bei Borussia Dortmund eine letzte Chance

Julian Brandt wird in der nächsten Zeit die Chance bekommen, seinen bisherigen Eindruck zu verbessern. Auf den BVB warten mehrere englische Wochen. Ob er seine vermeintlich letzte Chance dann nutzt, bleibt abzuwarten.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Friedemann Vogel/AFP

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