Wechsel ohne Theater

Sancho als Auslöser: BVB-Boss Watzke feuert gegen Dembélé und Aubameyang

Jadon Sancho wechselt vom BVB zu Manchester United. Für Hans-Joachim Watzke Anlass, eine Breitseite gegen frühere Abgänge bei Borussia Dortmund zu verteilen.

Dortmund – Der Wechsel ist nahezu perfekt, lediglich wenige Formalia und der Medizincheck stehen noch aus: Jadon Sancho verlässt den BVB zu Manchester United, 85 Millionen Euro erhält Borussia Dortmund, wie der Klub am Donnerstag (1. Juli) in einer ad-hoc-Meldung bekannt gab. Groll hegen die Schwarz-Gelben aber nicht – anders als in der Vergangenheit.

NameJadon Sancho
Geboren25. März 2000 (Alter 21 Jahre), Camberwell, London, Vereinigtes Königreich
Größe1,80 Meter
Beitrittsdaten2007 (FC Watford), 2015 (Manchester City), 2017 (Borussia Dortmund)

Jadon Sancho (BVB): Boss Watzke schießt wegen Transfer gegen Ex-Dortmund-Profis

Zwar zeuge die Ablöse an den BVB für Jadon Sancho von mangelndem Respekt, wie RUHR24-Mitarbeiter Nicolas Luik in seinem Kommentar erklärt, doch letztlich lief der Transfer harmonisch ab. „Ich möchte betonen, dass es sein exemplarischer Wunsch war, zu wechseln. Wir freuen uns nicht über das Geld, sondern sind eher traurig, dass er weg ist“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung, Hans-Joachim Watzke am Donnerstag.

Bei der Vorstellung von Marco Rose als neuer BVB-Trainer war natürlich auch der Wechsel von Jadon Sancho ein Thema. Für den Coach ein herber Verlust, wie er auf Nachfrage von RUHR24 erklärte: „Die Qualitäten von Jadon waren unberechenbar genug. Man wusste, was er kann, ein Flügelspieler im Eins-gegen-Eins, der auch in den Halbräumen stark ist. Jeder hat ihn gerne in seinem Team.“

BVB: Jadon Sancho habe sich bei Borussia Dortmund „vorbildlich verhalten“

Den BVB-Plan für die Nachfolge von Jadon Sancho verriet Marco Rose ebenfalls direkt im Anschluss: „Wir reden darüber, wie wir ihn ersetzen können und suchen nach einer kreativen Lösung und eine Chance, auf gewissen Positionen etwas anders uns aufzustellen.“

Letztlich schienen aber sowohl Marco Rose als auch Hans-Joachim Watzke den Schritt zurück in seine Heimat zu Manchester United zu gönnen. Denn Jadon Sancho habe sich laut dem BVB-Boss „vorbildlich verhalten“.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke nimmt den Wechsel von Jadon Sancho zum Anlass, um gegen Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang zu schießen.

BVB: Hans-Joachim Watzke schießt gegen Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang

Ein Punkt, der in der Vergangenheit bei Borussia Dortmund immer wieder für Ärger sorgte. Deshalb konnte sich Hans-Joachim Watzke auch eine Aussage nicht verkneifen: „Es ist ein Unterschied, ob jemand hier vier Jahre alles gegeben hat und dann den Wunsch äußert oder ob hier jemand versucht, mit Krawall vom Hof zu gehen.“

Der Vorwurf galt wohl vor allem Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang. Denn beide Transfers liefen nicht geräuschlos ab – im Gegensatz zum Wechsel von Jadon Sancho, der bis zum 34. Bundesliga-Spieltag für den BVB alles gab und sich dann zur EM mit England verabschiedete (alle News zu Jadon Sancho auf RUHR24.de).

BVB: Jadon Sancho brachte weiter gute Leistungen – Dembélé und Aubameyang provozierten Transfer

Bereits im Sommer 2020 gab es viele Gerüchte um Jadon Sancho und einen BVB-Abgang, doch damals klappte ein Transfer nicht. Für den Engländer kein Problem, er überzeugte weiter mit guten Leistungen bei Borussia Dortmund. Doch in den Fällen von Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang lief das anders.

Jadon Sancho verabschiedet sich als Pokalsieger vom BVB, er traf im Finale gegen RB Leipzig sogar doppelt.

Den Anfang machte Ersterer mit dem Wechsel-Theater im Sommer 2017. Ousmane Dembélé wollte den BVB unbedingt verlassen und versuchte das mit allen Mitteln. So blieb er dem Mannschaftstraining komplett fern und trat in einen Streik. Am Ende verkaufte Borussia Dortmund den Flügelstürmer für 105 Millionen Euro an den FC Barcelona. Mittlerweile stieg die Summe durch Bonuszahlungen auf 135 Millionen Euro an.

BVB: Pierre-Emerick Aubameyang zeigte sich lustlos und wechselte dann zum FC Arsenal

Ein halbes Jahr später wollte auch Pierre-Emerick Aubameyang weg. Ex-BVB-Trainer Peter Stöger klärte im Nachhinein gegenüber der Sport Bild auf: „Um seine Wechselabsichten zu untermauern, hat er vor den Spielen dann Teamsitzungen geschwänzt oder ist im Abschlusstraining nicht gelaufen. Wir haben alles versucht, ihn zumindest noch ein halbes Jahr zu halten. Auba war dazu aber nicht mehr bereit.“

Zweimal suspendierte Peter Stöger den Gabuner. Zum 1. Januar 2019 wechselte Pierre-Emerick Aubameyang für 64 Millionen Euro zum FC Arsenal.

BVB: Jadon Sancho geht als Pokal-Held in die Geschichte ein

Während für Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang nach den Transfer-Possen wohl die BVB-Tür für eine mögliche Rückkehr in der Zukunft geschlossen bleiben dürfte, könnte das im Fall von Jadon Sancho anders aussehen. Bei Borussia Dortmund dürfte der Engländer nach dem Titel im Mai mit zwei Toren und einer Vorlage im Endspiel als Pokal-Held in Erinnerung bleiben – und nicht als wechselwilliger Rebell.

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