Nach Coronavirus-Kritik

"Ich werde nicht dafür bezahlt, beunruhigt zu sein" - Hans-Joachim Watzke (BVB) erklärt seinen Sportschau-Auftritt

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BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hat sich erneut zur Debatte um das Coronavirus in der Bundesliga geäußert.

Am Samstagabend war Hans-Joachim Watzke live in der Sportschau der ARD zu Gast. Diskutiert wurde das weitere Vorgehen im Profi-Fußball in der Corona-Krise. Im Anschluss wurde Watzkes Auftritt im Netz scharf kritisiert. Jetzt bezog der BVB-Boss Stellung.

  • Hans-Joachim Watzke wurde nach einem Sportschau-Auftritt von Bundesliga-Fans scharf kritisiert.
  • Dem Geschäftsführer von Borussia Dortmund wurde Verantwortungslosigkeit und Profitgier vorgeworfen.
  • Inzwischen hat der BVB-Boss sich in einem weiteren Interview zu den Vorwürfen geäußert.

Update, Mittwoch (18. März), 20.06 Uhr: Dortmund - Hans-Joachim Watzke (60) sah sich zuletzt aufgrund seiner Äußerungen bezüglich des Coronavirus öffentlicher Kritik ausgesetzt. In einem Interview bezog der BVB-Boss erneut Stellung.

Watzke über Coronavirus: "Ich werde nicht dafür bezahlt, beunruhigt zu sein"

Im Gespräch mit der Zeitschrift 11Freunde wies Hans-Joachim Watzke (60) Vorwürfe zurück, er würde die finanziellen Aspekte des Coronavirus-Ausbruchs höher gewichten als gesundheitliche Gefahren. Jetzt müsse der Fuß­ball in den Hin­ter­grund treten, so der Dortmunder Geschäftsführer: "Die Ein­däm­mung der Virus­aus­brei­tung in der Bevöl­ke­rung wird auf allen Ebenen selbst­ver­ständ­lich prio­ri­siert."

Gleichwohl wies Hans-Joachim Watzke auf seine Verantwortung für die 850 Mitarbeiter von Borussia Dortmund hin: "Ich werde nicht dafür bezahlt, beun­ru­higt zu sein. [...] Der BVB ist einer der größten Arbeit­geber in Dort­mund. Ich trage Ver­ant­wor­tung für diese Men­schen und ihre Fami­lien." Um den neuen finanziellen Umständen Rechnung zu tragen, verzichtet der BVB-Boss nach kicker-Informationen selbst übrigens auf ein Drittel seines Gehalts.

Watzke stellt Solidarität mit Bundesliga-Klubs in Aussicht

Auch bezüglich eines Solidarfonds zugunsten von Bundesliga-Vereinen, die unter den Folgen des Coronavirus mehr zu leiden haben als der finanziell stabil aufgestellte BVB, zeigte sich Watzke offener als zuletzt. Sollten die Vereine unverschuldet durch diese nicht vorhersehbare Situation Probleme bekommen, dann werde "Borussia Dortmund sicher nicht unsolidarisch sein."

Erstmeldung, Dienstag (17. März), 6.33 Uhr: Der deutsche und auch der internationale Fußball steckt wegen des Coronavirus in einer beispiellosen Krise. Das wurde bei der Diskussion am Samstag in der Sportschau (ARD) einmal mehr deutlich. Als Chef von Borussia Dortmund war auch das Wort von Hans-Joachim Watzke (60) gefragt.

Watzke in der Sportschau: "Wenn Spiele, dann nur noch Geisterspiele"

Der sagte in der Sportschau, er wolle so früh wie möglich zur Normalität zurückkehren. Der Illusion, dass das schon bald wieder der Fall sein werde, gab er sich aber nicht hin. Heute bestätigte auch die DFL, dass Geisterspiele die einzige Möglichkeit sind, die Saison überhaupt noch zu Ende zu spielen.

Kritik erntete BVB-Boss Hans-Joachim Watzke dabei vor allem für den Satz: "Wir sollten es auch nicht übertreiben", der den Eindruck erweckt, Watzke halte die aktuellen oder geplanten Maßnahmen rund um den Profifußball für nicht gerechtfertigt (derweil sorgt das "Bündnis Südtribüne" für positive Schlagzeilen im Verbindung mit dem Coronavirus in Dortmund).

BVB: Watzkes schwieriger Spagat zwischen Wirtschaftsunternehmen und Verantwortung

Immer wieder betonte Hans-Joachim Watzke die wirtschaftliche Komponente der Spielabsagen und eines möglichen Saisonabbruchs. Er prognostiziert: "Wenn es so kommt, dass wir die Bundesliga abbrechen müssen, dann wird es für einige Klubs sehr, sehr schwierig". Es geht also um Existenzen.

Für viele im Netz nahm der BVB-Boss zu sehr den finanziellen Aspekt in den Fokus und ordnete die Gesundheit und gesamtgesellschaftliche Verantwortung in Bezug auf den Coronavirus diesem unter. Generell, so Hans-Joachim Watzke, sei ein Profifußballer durch das Virus ja eh nicht gefährdet.

Solidarität im Profifußball? Watzke erntet Shitstorm für Hammer-Aussage

Doch das Thema Wirtschaftlichkeit vs. Verantwortung war nicht das einzige, bei dem Hans-Joachim Watzke keine gute Figur abgab. Einen regelrechten Shitstorm kassierte er sogar für die Aussage, man könne "nicht die Clubs, die ein bisschen Polster angesetzt haben in den letzten Jahren, dann im Prinzip die Clubs, die das wiederum nicht gemacht haben, dafür auch noch belohnen. Das ist eine sehr diffizile Aufgabe".

Dabei ging es um Solidarität und eventuelle Hilfen von größeren an kleinere Klubs, falls diese aufgrund der wegfallenden Einnahmen in Existenznot geraten. Im Netz wurde dabei häufig auf die Situation des BVB 2005 angewiesen, als der Klub selbst hoch verschuldet und von der Solidarität anderer abhängig war, um die eigene Existenz zu sichern.

Kritik an Watzke - ausgerechnet Hoeneß als Positivbeispiel

Hans-Joachim Watzke erntete viel Kritik, ein anderer viel Lob. Und das war ausgerechnet Uli Hoeneß (68). Der Ehrenpräsident des FC Bayern München war am Samstag in der Sendung Doppelpass zugeschaltet und schlug einen ganz anderen Ton an als BVB-Boss Watzke.

Uli Hoeneß betonte, es sei wichtig, "dass man innehält. Wir müssen Geduld haben und entschleunigen, bis die Zahlen der Infizierten runtergehen". Spielabsagen seien jetzt das kleinste Problem. Im Gegensatz zu Hans-Joachim Watzke kassierte Uli Hoeneß für seine Aussagen viel Lob - auch von BVB-Fans.

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