BVB: Favre ist (k)ein Meistertrainer – Pro und Contra

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Lucien Favre (61) ist (k)ein Meistertrainer für Borussia Dortmund. Dennis Liedschulte und Sven Fekkers diskutieren über den BVB-Trainer. Hier alle Infos.

Ist Lucien Favre (61) ein Trainer, mit dem der BVB die Deutsche Meisterschaft gewinnen kann? Die RUHR24-Redakteure Dennis Liedschulte und Sven Fekkers sind da unterschiedlicher Meinung über den Trainer von Borussia Dortmund.

  • Unter Lucien Favre spielt der BVB erfolgreichen und ansehnlichen Fußball.
  • Marco Reus (30) hält den Schweizer für den besten Trainer, den er je hatte.
  • Favre fehlt der Mut, um mit Borussia Dortmund Deutscher Meister zu werden.

Favre lässt beim BVB guten Fußball spielen

Pro (von Dennis Liedschulte): Lucien Favre, der zuletzt von Gladbach-Boss Max Eberl in Schutz genommen wurde, ist seit 2018 Trainer beim BVB. Nach dem Klopp-Kater 2013, der erdrückend langweiligen Tuchel-Zeit und der schrecklichen Bosz/Stöger-Saison macht es wieder Spaß, ins Westfalenstadion zu gehen.

Der Fußball ist auch erfolgreich. Natürlich hat der BVB in der vergangenen Saison neun Punkte verspielt. Natürlich gab es in der vergangenen Saison Enttäuschungen. Aber grundsätzlich spielt Borussia Dortmund unter Favre einen erfolgreicheren Fußball als zwischen 2013 bis 2018. Das sieht auch Barca-Torwart Marc-Andre ter Stegen so, der Lucien Favre adelte.

Reus hält Favre für den besten Trainer, unter dem er je gespielt hat

Der BVB-Kapitän Marco Reus (30) ist der wichtigste Spieler im Kader. In der vergangenen Saison hat er einen Schritt nach vorne gemacht. Reus blieb ohne Verletzungen und ging als Leader voran. Letzteres ist vor allen Dingen ein Verdienst von Lucien Favre.

Für Reus ist Favre der beste Trainer, unter dem er je trainiert hat. Eine steile These. Denn Reus hatte immerhin auch Jürgen Klopp (53) und Thomas Tuchel (46) als Trainer. Favre hat Reus zum Topstar geformt. Mit dem 30-Jährigen in Top-Form kann er auch die Meisterschale nach Dortmund holen.

Der Trainer vom BVB hat mit einer unfertigen Mannschaft fast die Schale geholt

Die Kritik an Favre, der von Mats Hummels zuletzt gelobt wurde, und am BVB ist unberechtigt. Schwarz auf Weiß stand in der vergangenen Saison eine Mannschaft auf dem Platz, die lange Zeit über ihre Verhältnisse gespielt hat. Das vergessen einige immer wieder.

Nicht jedoch in dieser Saison - der BVB hat ein Team, das Meister werden kann. Lucien Favre ist zwar kein Lautsprecher. Dennoch ist er am größtmöglichen Erfolg interessiert. Eine andere Einstellung hätte ihn nicht zum Trainer von Borussia Dortmund, einem der besten Vereine der Welt, gemacht. Zudem bleibt immer die Frage - wer soll es sonst machen?

Lucien Favre fehlt der Mut, um Meister zu werden

Contra (von Sven Fekkers): Fachlich ist Lucien Favre über jeden Zweifel erhaben. Diese These bestreiten die wenigsten Fachleute. Dennoch gehört zum Trainersein mehr als "nur" die fachliche Kompetenz. Zumindest, wenn man Trainer von Borussia Dortmund ist.

Der BVB hat sich für die laufende Saison nichts weniger als den Gewinn der Deutschen Meisterschaft auf die Fahne geschrieben. Dieses Ziel teilen Spieler und die Vereinsführung gleichermaßen. Doch wie sieht das beim Trainer von Borussia Dortmund aus?

Der BVB-Trainer teilt die Zielvorgaben nur halbherzig

Lauscht man Favre, wenn er auf die Titelambitionen seiner Mannschaft angesprochen wird, bekommt man schnell den Eindruck, dass er sich nicht ganz wohl in seiner Haut fühlt. "Wir müssen aufpassen, was wir sagen", bremste der 61-Jährige schon vor dem Super-Cup-Spiel gegen die Bayern, die eventuell noch vor dem Spiel gegen den BVB Trainer Niko Kovac entlassen, die Erwartungshaltung.

Mit solchen Aussagen tritt der BVB-Trainer jedoch unnötig auf die Euphoriebremse. Durch seine zurückhaltende – teilweise pessimistische – Denkweise bremst der 61-Jährige Umfeld und Spieler schlicht aus. Schlimmer noch: Er torpediert die Zielvorgaben seiner Vorgesetzten. Doch der Gewinn des Titels erfordert auch Mut. Insbesondere vom Trainer.

Favre muss die Fans ins Boot holen

Ähnlich mutlos agierte der Schweizer bereits in der Vorsaison, als er nach der Derby-Niederlage gegen den S04 das Meisterschaftsrennen enttäuscht aufgab. Eine solche Denkweise manifestiert sich unweigerlich in den Köpfen der Spieler und Fans. Ein bisschen mehr "Jetzt-erst-recht-Stimmung" würde Favre gut zu Gesicht stehen.

Ohne Frage ist in erster Linie die Mannschaft dafür verantwortlich, die Fans im Westfalenstadion mitzureißen. Ein kampfeslustiger und mutiger Trainer würde jedoch dabei helfen, die nötigen Prozentpunkte aus dem Dortmunder Publikum herauszukitzeln. Denn auf dem Weg zur Meisterschaft braucht der BVB zweifelsohne seine Fans. Am besten in Höchstform.

Favre bekommt die Abwehr nicht in den Griff

Dennoch sind die Probleme von Borussia Dortmund auch auf dem Platz gut ablesbar. Für einen Titelanwärter kassiert der BVB deutlich zu viele Gegentore. Ein Manko, an dem sich Lucien Favre während seiner kompletten Amtszeit die Zähne ausbeißt. Der Schweizer steht daher in der Kritik. Diese kommt mittlerweile auch aus der Mannschaft heraus.

Dabei ist vor allem die Standardschwäche der Dortmunder Borussia verheerend. Insgesamt 14 Gegentore musste der BVB im Jahr 2019 nach gegnerischen Standardsituationen hinnehmen. Das ist wahrlich nicht die Bilanz eines Meisterschaftskandidaten. Dies sind die Werte eines Absteigers!

Borussia Dortmund ist erschreckend schwach bei gegnerischen Standards

Daran ändern konnten bislang auch die Verpflichtungen von Mats Hummels (30) und Nico Schulz (26) nichts. Trotz deutlicher Warnsignale setzt der Trainer von Borussia Dortmund beim Verteidigen von Standards weiterhin auf Raumdeckung. Mit diesen Mängeln ist der BVB nicht titelreif, Herr Favre.

Zu guter letzt muss eben auch ein zurückhaltender Trainer akzeptieren, dass der BVB eine internationale Spitzenmannschaft ist, die den Anspruch hat, Titel zu gewinnen.