Offener Brief des BVB

Borussia Dortmund vermisst die Fans: Watzke im Corona-Clinch mit Angela Merkel

Wegen Corona darf der BVB im Signal Iduna Park keine Fans empfangen. Hans-Joachim Watzke und Borussia Dortmund schießen scharf gegen die Politik.

Schon den 2:0-Erfolg in der Champions League gegen Zenit St. Petersburg musste der BVB ohne Fans feiern. Sowohl Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (61) als auch Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (64) waren erbost ob der Entscheidung des NRW-Gesundheitsministeriums.

BVB ohne Fans im Signal Iduna Park: Kein Verständnis von Watzke für Corona-Beschlüsse

„Wir sind wie die Stadt und das Dortmunder Gesundheitsamt komplett anderer Meinung, weil wir überzeugt und sicher sind, dass wir über ein nachweislich funktionierendes Gesundheitskonzept verfügen. Nichtsdestotrotz werden wir uns der Entscheidung für dieses Spiel beugen und sie umsetzen“, beschwerte sich Hans-Joachim Watzke laut kicker. Schließlich sei der Fußball kein Treiber der Pandemie.

Vergleichbar frustriert klangen die Worte von Ullrich Sierau bei Bild. Der SPD-Politiker kann, ebenso wie der BVB-Boss, nicht nachvollziehen, dass das ausgeklügelte Hygienekonzept des Vereins angesichts steigender Corona-Fallzahlen nicht mehr gelten soll. „Das versteht doch kein Mensch mehr“, schimpfte er. Und: „Mit solchen negativen Entscheidungen verliert man weiter die Akzeptanz der Bevölkerung.“

Angela Merkel und Minister beschließen: BVB wegen Corona bis Ende November ohne Fans

Es waren deutliche Worte in Richtung der Entscheidungsträger in NRW. Und angesichts der neuen Beschlüsse der Ministerkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (66) hat sich die Laune in Dortmund alles andere als verbessert. Denn auch die kommenden Spiele wird der BVB ohne Fans im Signal Iduna Park bestreiten müssen.

Im Zuge des neu beschlossenen Anti-Corona-Maßnahmenkatalogs dürfen zwischen dem 2. November und dem 30. November in ganz Deutschland keine Fans in die Stadien. Sollte sich die Lage nach zwei Wochen nicht verbessern, können die Maßnahmen zeitlich sogar weiter ausgedehnt werden.

BVB schreibt offenen Brief an die Fans: Corona-Maßnahmen werden teuer für Borussia Dortmund

Dieser Umstand veranlasste Borussia Dortmund nun zu einem offenen Brief an die Fans. „Uns trifft diese Entscheidung hart“, heißt es dort. „Vor allem emotional, weil wir beim BVB nichts auf der Welt lieber machen, als für Euch Fans Fußball zu spielen.“

Die Heimspiele des BVB im Signal Iduna Park werden im November ohne Zuschauer stattfinden

Die rührseligen einleitenden Worte hatte Hans-Joachim Watzke zuletzt im Aktuellen Sportstudio wie folgt in finanzielle Größen übersetzt: „Wir haben eine riesige Kostenstruktur und natürlich müssen wir irgendwann wieder Geld einnehmen.“ Pro Heimspiel ohne Zuschauer verliere man eine Million Euro. Es geht also vor allem um die Finanzen (alle News zum BVB auf RUHR24.de).

BVB schießt scharf gegen Corona-Maßnahmen: „Schwierig zu akzeptieren, dass Fakten nicht zählen“

Weiterhin verteidigt der BVB nun in seinem offenen Brief das ausgearbeitete Hygienekonzept mit drastischen Worten: „Es hat sich an der frischen Luft niemand angesteckt. Der Profifußball ist nachweislich kein Treiber der Pandemie. Und ehrlich gesagt sieht das auch niemand anders. Gerade vor diesem Hintergrund ist es schwierig zu akzeptieren, dass Fakten nicht zählen.“

Hier geht man auf Konfrontationskurs mit Kanzlerin Angela Merkel, die am Mittwoch (28. Oktober) auf der Ministerkonferenz alarmiert festgellt hat, dass aktuell 75 Prozent der Corona-Neuinfektionen in Deutschland nicht mehr nachvollziehbar seien. Ob sich tatsächlich niemand im Signal Iduna Park mit Corona angesteckt hat, ist schwer belegbar.

Corona-Zahlen steigen an: BVB richtet Appell an die Fans

In Dortmund ist die Sieben-Tages-Inzidenz der Ansteckungen mit dem Coronavirus laut Robert Koch-Institut (RKI) auf 172,2 geschossen (Stand: Donnerstag, 29. Oktober). Die Grenze für Fußballspiele mit Fans lag laut dem Hygienekonzept der DFL bei einer Inzidenz von 50 beziehungsweise 35. Sie ist also um ein Vielfaches überschritten. Beim BVB kann man dennoch kein Verständnis dafür aufbringen, dass in naher Zukunft nur noch Geisterspiele im Signal Iduna Park erlaubt sind.

Der offene Brief von Borussia Dortmund endet schließlich aber doch mit versöhnlichen Worten. Man werde die Entscheidung der Politik akzeptieren und äußert den Wunsch, „dass wir gemeinsam durch diese schwere Zeit gehen, dass wir auf uns und unsere Nächsten aufpassen, dass wir Abstände einhalten, Masken tragen, Ansammlungen meiden, auf private Feiern verzichten und dieses Sch...-Virus umgrätschen, als wär‘s ein gegnerischer Stürmer auf dem Weg zu unserem Tor.“

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa

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