Kommentar

BVB-Star Erling Haaland im Elfmeter-Drama: VAR raubt Emotionen? Lächerlich!

Der VAR als Emotionstöter? Das BVB-Spiel gegen den FC Sevilla beweist das Gegenteil. Ein Kommentar zum Elfmeter-Drama um Erling Haaland.

Dortmund - Der BVB hat sich nach einem 2:2-Remis gegen den FC Sevilla für das Viertelfinale der Champions League qualifiziert. Nach dem Elfmeter-Drama um Erling Haaland (20) kann nun wirklich niemand mehr behaupten, dass der VAR Emotionen raubt. Ein Kommentar von RUHR24-Autor Nicolas Luik.

NameErling Haaland
Größe21. Juli 2000 (Alter 20 Jahre), Leeds, Vereinigtes Königreich
ElternAlf-Inge Haaland, Gry Marita Braut
Größe1,94 Meter
Beitrittsdaten2020 (Borussia Dortmund), 2019 (FC Red Bull Salzburg), 2017 (Molde FK), 2015 (Bryne FK)

BVB gegen Sevilla: Dank Erling Haaland und VAR - sieben Minuten Gefühlsachterbahn

Menschenleere Ränge im Signal Iduna Park. Es lief die 55. Minute. Auf dem Rasen riss Mateu Morey (21) den Torschützen Erling Haaland zu Boden, der soeben im dritten Anlauf das 2:0 für Borussia Dortmund erzielt hatte.

Der Spanier wollte damit verhindern, dass sein Mannschaftskollege im Emotionsrausch vom Platz fliegt. Das ganze Kuriosum der sieben verrückten BVB-Minuten und das Elfmeter-Drama um Erling Haaland noch einmal genau aufgedröselt in all seiner Absurdität:

BVB-Dampflok Erling Haaland trifft gegen Sevilla: VAR schreitet ein, Schiedsrichter gibt Elfmeter

48. Minute: Erling Haaland pflügte wie eine Dampflok durch den Strafraum des FC Sevilla. Wer sich ihm in den Weg stellte, prallte an ihm ab. Aus unmöglichem Winkel jagte er den Ball zum 2:0 in den Winkel (zuvor hatte er den BVB schon selbst in Führung gebracht). Großer Jubel allenthalben.

51. Minute: Dann plötzlich: Ungewisse Minuten im Signal Iduna Park. Schiedsrichter Cüneyt Cakir schaute sich die Szene noch einmal an. Und gab er das Tor nicht. Stattdessen Elfmeter für den BVB. Wie bitte, was soll das denn?

Aus diesem Spitzen Winkel traf Erling Haaland für den BVB zum vermeintlichen 2:0 gegen den FC Sevilla. Der Schiedsrichter nahm den Treffer zurück.

BVB: Das Tor von Erling Haaland gegen den FC Sevilla hätte zählen müssen

Was für ein Aufreger, dem VAR sei Dank! Zur Erinnerung: Der Schiedsrichter soll seine Entscheidung nur dann zurücknehmen, wenn es sich um eine klare Fehlentscheidung handelt. Die einzige klare Fehlentscheidung war aber, das Tor zurückzunehmen!

Erling Haaland stellte seinen Körper gegen den von Sevilla-Verteidiger Fernando, das ist völlig legitim. Wie am vergangenen Wochenende, als Leroy Sanés robustes Zweikampfverhalten gegen Emre Can für massive Turbulenzen der BVB-Gefühlswelt gesorgt hatte.

BVB-Elfmeter gegen Sevilla: Trostpreis für Erling Haaland

Jedenfalls bekam der BVB gegen Sevilla dann zwar das Tor nicht anerkannt, aber immerhin einen Trostpreis. Erling Haaland durfte zum Elfmeter antreten. Und zwar, weil Cüneyt Cakir nach Videoansicht eine weitere Entscheidung revidierte, die er eine Minute zuvor getroffen hatte.

Einen Zupfer an Erling Haaland hielt der Schiedsrichter jetzt mit VAR-Hilfe doch für elfmeterwürdig. Immerhin etwas, wird man sich beim BVB gedacht haben.

BVB jetzt plötzlich im Glück: Erling Haaland darf noch einmal zum Elfmeter ran

52. Minute: Das Problem: In Abwesenheit des verletzten Jadon Sancho ist auf Borussia Dortmund vom Punkt so viel Verlass wie auf Schiedsrichter beim Versuch einer einheitlichen Regelauslegung. Und so konnte Sevilla-Keeper Bono den Elfmeter von Erling Haaland an den Pfosten lenken.

53. Minute: Wer dachte, die kuriose VAR-Show hätte hier ein Ende, sah sich getäuscht. Auch diese Szene sah sich der Schiedsrichter noch einmal an. Und beorderte schließlich den BVB-Fehlschützen noch einmal zum Strafstoß (alle News zu Erling Haaland auf RUHR24.de).

BVB: Dank VAR und Schiedsrichter - Erling Haaland begleicht Rechnung mit Sevilla-Torwart

Sevillas Schlussmann hatte sich unerlaubterweise von der Linie bewegt. Eine Praxis, die nicht nur bei den Torhütern in der Champions League keine Seltenheit ist. Geahndet wird das aber nur manchmal. Wenn man Glück hat.

Sieben Minuten Elfmeter-Drama mit Happy End: BVB-Stürmer Erling Haaland traf doch noch gegen Sevillas Bono zum 2:0.

Beim BVB wird man zu diesem Zeitpunkt längst schon nicht mehr gewusst haben, ob man dem Schiedsrichter danken oder ihn verteufeln soll. Erling Haaland jedenfalls freute sich über die Gelegenheit, eine Rechnung zu begleichen. Seine zwei Treffer brachten ihm in der Einzelkritik für Borussia Dortmund gegen den FC Sevilla die Note 1 ein.

BVB gegen Sevilla: VAR-Drama sorgt für Emotionen pur bei Erling Haaland

„Ein bisschen nervös“ sei er beim zweiten Elfmeter gewesen, wie er nach dem Spiel zu Protokoll gab. Der Norweger hatte sich nach seinem vergebenen Versuch einige Schmähungen von Bono gefallen lassen müssen. „Nachdem er mir ins Gesicht gebrüllt hat, dachte ich, es wäre jetzt umso besser, ein Tor zu schießen.“

54. Minute: Gesagt, getan. Erling Haaland schnappte sich wieder den Ball, wählte wieder dieselbe Ecke. Wieder stand Bono nicht auf der Linie, wieder kam er mit einer Hand noch an den Ball. Abwehren konnte er ihn diesmal nicht. Und zurückgepfiffen wurde jetzt nicht mehr. Endlich!

Knapp drin: Der Elfmeter zum 2:0 von Erling Haaland beim Spiel seines BVB gegen den FC Sevilla.

BVB: Sieben Minuten Achterbahn enden für Erling Haaland unter der Ein-Mann-Jubeltraube Mateu Morey

„Vielleicht ist es Karma“, sagte Erling Haaland im Anschluss. „Ich habe zu ihm gesagt, was er zu mir gesagt hat. Ich weiß nicht, was es bedeutet.“ Bei den Sevilla-Spielern kam das überhaupt nicht gut an, sie jagten den jubelnden Norweger über den halben Platz.

Bis die kuriosen sieben Minuten VAR-Minuten von Dortmund an der Seitenauslinie ein jähes Ende fanden. Und der heranstürzende Mateu Morey seinen Teamkollegen Erling Haaland umriss und unter sich begrub.

BVB-Spiel gegen Sevilla zeigt: Immerhin den Unterhaltungsfaktor kann man dem VAR nicht absprechen

Niemand wird behaupten könnten, dass beim Spiel des BVB gegen Sevilla durch den VAR die spektakulären Situationen fehlten. Fans und Spieler erlebten wahre emotionale Achterbahnfahrten zwischen erster Schiedsrichter-Entscheidung, dem VAR-Einsatz und der finalen Auflösung der jeweiligen Szene.

Viel mehr Aufregung geht nicht. Man stelle sich vor, welche Szenen sich bei dem irren Elfmeter-Drama um Erling Haaland im ausverkauften Signal Iduna Park abgespielt hätten.

BVB: VAR sorgt für Emotionen - aber nicht in positivem Sinne

Ein Problem bleibt allerdings: Ausgelöst werden die Emotionen durch einen Status der konsequenten Ungewissheit bei Fans, Spielern und den Schiedsrichtern. Durch ständiges Hin und Her bei der Regelauslegung.

Und der Gewissheit, dass auch jede richtige Entscheidung Sekunden später nichtig sein kann. Damit der VAR den Fußball wirklich besser macht, muss er deshalb zuerst selbst besser werden.

Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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