Halbjahresbilanz für Dortmund-Profis

BVB-Einzelkritik zum zentralen Mittelfeld: Bellingham überragt – Can überfordert

Im zentralen Mittelfeld gab es beim BVB im Sommer lediglich einen großen Wechsel. Salih Özcan kam für Axel Witsel. Die Einzelkritik-Analyse von RUHR24 mit Noten.

Dortmund – Das zentrale Mittelfeld entpuppte sich in dieser Saison als das Herzstück von Borussia Dortmund. Zahlreiche Partien wurden in diesem Bereich entschieden. Ein Duo stach dabei besonders heraus.

BVB-Einzelkritik zum zentralen Mittelfeld mit Noten: Jude Bellingham und Marco Reus stechen hervor

Jude Bellingham und Marco Reus waren im vergangenen Halbjahr die leistungsstärksten Mittelfeld-Akteure beim BVB. Beide präsentierten sich äußerst torgefährlich und arbeiteten zudem mit am meisten für das Team.

RUHR24 hat alle BVB-Einzelkritiken der 15 Bundesliga-Spieltage, sechs Champions-League-Auftritte sowie der beiden DFB-Pokal-Spiele ausgewertet. Eine Note vergibt RUHR24, sobald ein Spieler mindestens 20 Minuten auf dem Feld stand.

BVB-Einzelkritik zum zentralen Mittelfeld mit Noten: Jude Bellingham ist der Top-Spieler in Dortmund

Jude Bellingham (22 benotete Spiele): Er ist der Unterschiedsspieler bei Borussia Dortmund und zurecht eines der begehrtesten Talente im europäischen Fußball. Jude Bellingham zeigte über Monate hinweg eine brutale Konstanz in seinem Spiel. Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten, Passspiel oder Torabschluss, der 19-Jährige glänzt in sämtlichen Statistiken.

Der Dauerbrenner erzielte in seinen 22 Einsätzen neun Tore selbst und bereitete drei weitere vor. Am wichtigsten ist er jedoch als Antreiber. Immer wieder pusht er seine Mitspieler mit Gesten oder extremen Zweikämpfen. Auch wenn Bellingham in dieser Hinsicht mal über das Ziel hinaus schießt, so ist er der prägende Mann beim BVB. Durchschnittsnote von RUHR24: 2,8

BVB-Einzelkritik zum zentralen Mittelfeld mit Noten: Julian Brandt zeigt positive Entwicklung

Julian Brandt (20 benotete Spiele): An ihm schieden sich in der Vergangenheit häufig die Geister. Julian Brandt galt schon immer als technisch hochveranlagter Spieler. Im Trikot des BVB zeigte er dies jedoch zu selten und sorgte mit mehreren Leichtsinnsfehlern und schwachem Defensivspiel für zunehmende Kritik. Unter Edin Terzic hat sich der Nationalspieler aber sichtlich weiterentwickelt.

Er spielte in der noch laufenden Hinrunde deutlich stabiler, reduzierte seine Fehlerquote und wurde im Angriffsspiel deutlich gefährlicher. Fünf Tore und drei Vorlagen konnte Julian Brandt bisher beisteuern. Besonders auffäliig ist aber sein stark verbessertes Spiel gegen den Ball. Nichtsdestotrotz gab es auch einige Duelle, in denen der Spielmacher komplett abgetaucht ist. In diesen Partien muss er noch mehr aus seiner Komfortzone kommen und das Spiel mehr an sich reißen. Durchschnittsnote von RUHR24: 3,4

Julian Brandt zeigte eine positive Entwicklung unter Edin Terzic.

BVB-Einzelkritik zum zentralen Mittelfeld mit Noten: Mo Dahoud nach starkem Auftakt im Pech

Mo Dahoud (3 benotete Spiele): Der 26-Jährige ist wohl einer der größten Pechvögel im Team von Edin Terzic. Schon am dritten Spieltag war das Pflichtspieljahr 2022 für Mo Dahoud beendet. Im Duell mit Werder Bremen zog sich der Stratege zum wiederholten Male eine Schulterverletzung zu und musste im Anschluss operiert werden.

Seither wird er beim BVB schmerzlich vermisst. Seine ersten Saisonauftritte machten nämlich mächtig Mut. Gemeinsam mit Jude Bellingham hielt er den Laden im Zentrum zusammen und belebte das Dortmunder Spiel vor allem im Spielaufbau mit kreativen Lösungen. Dazu schaffte er eine gute Balance zwischen Angriff und Abwehr. Im kommenden Jahr wird er wieder zur Mannschaft stoßen und sich einen spannenden Kampf mit Salih Özcan liefern. Durchschnittsnote von RUHR24: 2,7

BVB-Einzelkritik zum zentralen Mittelfeld mit Noten: Salih Özcan mit Licht und Schatten

Salih Özcan (17 benotete Spiele): Der Türke ist der einzige Neuzugang im zentralen Mittelfeld. Zu Beginn der Saison war er wegen einer hartnäckigen Verletzung noch außen vor. Spätestens aber mit dem Ausfall von Mo Dahoud rückte Salih Özcan ins Team und begann furios. Als „Aggressive Leader“ fand er schnell seinen Platz vor der Abwehr. Er hielt Jude Bellingham den Rücken frei und räumte vor der letzten Linie kräftig ab. Es schien, als hätte sich mit Bellingham und Özcan ein neues Traum-Duo gefunden.

Im weiteren Saisonverlauf ging dem früheren Kölner jedoch zunehmend die Konstanz abhanden. Häufiger verstrickte er sich in unnötigen Zweikämpfen und wurde frühzeitig mit einer Verwarnung belegt. Zudem unterlief ihm auch im Spielaufbau schon der eine oder andere Lapsus. Womöglich war es auch die ungewohnt hohe Belastung, die Salih Özcans Formkurve zum Ende hin nach unten zeigen ließ. So oder so: Sein Transfer wird sich auf lange Sicht für den BVB auszahlen: Durchschnittsnote von RUHR24: 3,6

Salih Özcan ist der neue „Aggressive Leader“ beim BVB.

BVB-Einzelkritik zum zentralen Mittelfeld mit Noten: Emre Can fällt deutlich ab

Emre Can (12 benotete Spiele): Gehört wohl zu den größten Verlieren im BVB-Team. Anfangs wurde Emre Can zunächst gar nicht berücksichtigt. Später dann sammelte er zunächst Joker-Einsätze und spielte gelegentlich von Anfang an, wenn große Not in der Mittelfeldzentrale herrschte. Seine Leistungen waren dabei überwiegend schlecht.

Zu oft leistet sich Emre Can vermeidbare Foulspiele oder Abspielfehler. Zu oft unterlaufen ihm unnötige Stellungsfehler. Mit ihm auf dem Feld hat der BVB einen Unsicherheitsfaktor. Seine Stärken kann er nur zu selten einbringen. In der RUHR24-Einzelkritik erhält er deshalb die mit Abstand schlechteste Bewertung. Durchschnittsnote von RUHR24: 4,4

BVB-Einzelkritik zum zentralen Mittelfeld mit Noten: Marco Reus mit viel Konstanz

Marco Reus (12 benotete Spiele): Der Kapitän von Borussia Dortmund war lange Zeit auf einem sehr guten Weg. In vielen Spielen glänzte er mit starken Einzelaktionen als Dosenöffner für komplizierte Spiele. Er arbeitete viel, trieb das Spiel seiner Mannschaft immer wieder an und zeigte als einer von wenigen immerhin so etwas wie Konstanz. Drei Tore und vier Vorlagen konnte Reus in zwölf Spielen beisteuern.

Die Quote wäre womöglich noch besser ausgefallen, wenn den Spielführer nicht erneut sein bitteres Schicksal eingeholt hätte. Ausgerechnet im Revierderby gegen Schalke 04 verletzte sich der 33-Jährige so schwer an den Bändern, dass er anschließend sogar die WM in Katar absagen musste. Im neuen Jahr dürfte Marco Reus jedoch wieder auf den Rasen zurückkehren und mit seiner Borussia zur großen Aufholjagd in der Bundesliga antreten. Durchschnittsnote von RUHR24: 3,0

Rubriklistenbild: © Imago; Collage: RUHR24

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