Kommentar

Trainer Edin Terzic will Dortmund retten kann: Der BVB hat „die Magie verloren“

Borussia Dortmund Edin Terzic BVB Trainer
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BVB-Trainer Edin Terzic hat anspruchsvolle Aufgaben vor sich. Die Magie ist bei Borussia Dortmund weg.

Der BVB kann aktuell nicht aus seiner Haut. Es fehlt an Leichtigkeit, Gier und Automatismen. Neu-Trainer Edin Terzic steht jetzt vor einer Mammutaufgabe. Ein Kommentar.

Braunschweig/Dortmund – Über den 2:0-Sieg des BVB bei Eintracht Braunschweig wollte sich niemand ausgelassen freuen. Vielmehr schien bei Borussia Dortmund nach dem Pflichtsieg im DFB-Pokal die Erleichterung zu überwiegen, dass man sich ohne weiteren Tiefschlag in die Weihnachtspause verabschieden konnte. Doch BVB-Trainer Edin Terzic (38) steht vor drei Mammutaufgaben, meint RUHR24-Reporter Nicolas Luik.

NameEdin Terzic
Geboren30. Oktober 1982 (Alter 38 Jahre), Menden (Sauerland)
Größe1,84 Meter
Bisherige Station als CheftrainerBorussia Dortmund (seit 2020)
AusbildungRuhr-Universität Bochum

BVB-Trainer Edin Terzic schlägt Alarm: Borussia Dortmund hat „die Magie verloren“

Es waren entlarvende Worte, die Edin Terzic nach dem zähen Ringen gegen den abstiegsbedrohten Zweitligisten Eintracht Braunschweig an die Presse richtete. „Es ist, glaube ich, deutlich geworden“, so der neue BVB-Trainer, „dass wir vor allem in den letzten Wochen so ein bisschen die Leichtigkeit, so ein bisschen die Magie verloren haben“.

In der Tat blickt manch BVB-Spieler derzeit auf dem Feld drein wie beim Zahnarztbesuch. Die Freude am Spiel ist abhanden gekommen. Die Auftritte in den leeren Stadien der Bundesliga erinnern bisweilen an jene von Unterhaltungskünstlern, die ihre beste Zeit hinter sich haben.

BVB-Trainer Edin Terzic vor großem Problem: Die Leichtigkeit ist abhanden gekommen

Sinnbildlich für den verlorenen Zauber steht ein Spieler, dessen Auftritte einst die Massen elektrisieren. Jadon Sancho (20) fühlt sich aktuell mit akutem Liebesentzug konfrontiert. Im Sommer platzte sein Wechsel zu Manchester United, was er zwar lobenswerterweise klaglos hinnahm. Dennoch ist er seitdem nicht mehr derselbe.

Dem BVB-Virtuosen fehlt der Applaus in ausverkauften Stadien, wenn er wieder einmal einen indisponierten Gegenspieler schwindelig spielt. Stattdessen hagelt es von der Presse bohrende Kritik. So verliert ein Zauberer die Magie. Es ist nunmehr ein Kampf um die eigene Form. Ein zähes Ringen statt filigranem Tanz (alle News zu Jadon Sancho auf RUHR24.de).

BVB-Star Jadon Sancho als Sinnbild für die verlorene Leichtigkeit in Dortmund

Tatsächlich stellt BVB-Star Jadon Sancho sich mit Hilfe von Edin Terzic diesem Kampf, ohne zu murren. Sein Tor zum 2:0 in der Nachspielzeit gegen Eintracht Braunschweig ist einer von vielen Schritten, die es auf dem Weg zurück zur Sonderklasse benötigt. Dabei steht für den kreativen Feingeist der nächste Rückschlag schon drohend vor der Tür.

Wegen einer mutierten Form des Coronavirus hat BVB-Sportdirektor Michael Zorc (58) seinen Spielern Reisen nach England untersagt. Für den heimatverbundenen Jadon Sancho bedeutet das, dass er die Feiertage nicht mit Freunden und Familie in London verbringen kann. Ein weiterer Nackenschlag in einer schweren Zeit, die Leichtigkeit raubt.

Die Saison 2020/21 läuft für Jadon Sancho beim BVB bislang nicht so erfolgreich, wie die vorherige Spielzeit.

BVB-Trainer Edin Terzic muss die Gier nach Erfolg zurück nach Dortmund bringen

BVB-Trainer Edin Terzic sieht diesbezüglich die gesamte Mannschaft noch auf einem langen Weg. „Man kann nicht sagen: ‚Spielt selbstbewusster, spielt mutiger.‘ Und die machen das dann einfach“, so der Nachfolger von Lucien Favre (63). Der Mannschaft die Freude wieder zu vermitteln ist ein langwieriger Prozess.

Dicht verwoben mit dem Problem der fehlenden Leichtigkeit ist der Verlust der unbedingten Gier nach Erfolg. „Die Lust auf Gewinnen ist das, um was es geht. Das weckt die Gier in dir. Das macht dich aus“, war einst das Kredo von Erfolgstrainer Jürgen Klopp (53). Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben.

BVB-Pleiten gegen Underdogs: Ausrutscher wegen mangelnder Gier

Bei aktuellen Auftritten des BVB meint man, gegen auf dem Papier unterlegene Gegner eine Mischform aus Überheblichkeit und Versagensangst zu erkennen. Fakt ist: Immer wieder wird dem behäbigen Favoriten von kampfstarken Underdogs der Schneid abekauft.

Alleine in den jüngsten 30 Tagen hagelte es Niederlagen gegen Union Berlin (1:2), den VfB Stuttgart (1:5) und den 1. FC Köln (1:2). Besonders eklatant: Die Schwäche in der ersten Halbzeit. Würden die Spiele nach 45 Minuten abgepfiffen, stünde der BVB derzeit auf Rang 14. Für einen selbsternannten Meisterschaftsaspiranten ist die Häufigkeit derartiger Ausrutscher völlig inakzeptabel.

BVB-Trainer Edin Terzic fordert von der Mannschaft, „jeden Pass scharf zu halten“

Die Aufgabe von Trainer Edin Terzic wird nun sein, der Mannschaft wieder den unbändigen Willen einzuimpfen. Und sie mit einer Spielweise auszustatten, die Erfolg überhaupt möglich macht.

Edin Terzic bei der 1:2-Niederlage gegen Union Berlin. Es gibt noch viel zu tun für den neuen BVB-Trainer.

Dazu gehört, sich vom lethargischen Ballgeschiebe zu lösen, dessen Gewöhnlichkeit derzeit besonders schonungslos offengelegt wird, weil Zielspieler Erling Haaland (20) verletzt fehlt. „Wir haben immer wieder das Tempo rausgenommen“, monierte Edin Terzic etwa nach dem glanzlosen Erfolg des BVB gegen Eintracht Braunschweig. „Jeden Pass scharf zu halten“ sei eigentlich das Ziel.

BVB-Problem Nummer 3: Fehlende Automatismen am Beispiel der Standardschwäche

Zunächst muss die Mannschaft von Borussia Dortmund zudem wieder einfachste Automatismen der fußballerischen Basis lernen. Beispielhaft für verschenkte Punkte wegen taktischer Nachlässigkeiten stehen die zahlreichen Gegentore nach gegnerischen Standards.

Meist gar nach wiederkehrendem Muster: Eckball auf den kurzen Pfosten, Kopfballverlängerung in die Mitte, Abstauber und Tor. „Die Standards sind‘s, ganz klar! Da steht der stärkste Kopfballspieler des Gegners zehn Meter frei. Wir hauen uns selber in die Pfanne. Das ist unverzeihbar“, wütete kürzlich BVB-Abwehrchef Mats Hummels (31). Gegen Union Berlin musste man gleich zwei Gegentore nach Ecken schlucken.

Video: Mats Hummels zählt BVB-Kollegen nach Union-Pleite an

Es ist unabdingbar, dass es Edin Terzic gelingt, der Mannschaft hier eine Zuteilung zu vermitteln, die von jedem Spieler eingehalten wird. Andernfalls ist der BVB gegen jeden Gegner der Welt anfällig, der einen Eckball in den Strafraum treten kann.

BVB-Trainer Edin Terzic muss Automatismen, Gier und Leichtigkeit vermitteln

Drei große Aufgaben warten also auf Edin Terzic. Als Basis das Vermitteln von einfachsten Automatismen. Darüber hinaus muss er es schaffen, der Mannschaft die unstillbare Gier nach Erfolg wieder einzuimpfen. Sie muss auf dem Platz für Fans uns Gegner sichtbar werden.

So kann die Mannschaft sich den Weg zurück zur Leichtigkeit erarbeiten. Beschreitet der BVB diesen beschwerlichen Weg erfolgreich, dann kehrt vielleicht auch bald die Magie nach Dortmund zurück.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.