Kommerzialisierung im Fußball?

BVB/Bayern: Ultras gegen Dietmar Hopp und den DFB - das steckt hinter der Auseinandersetzung

Ein Spruchband der BVB-Fans auf der Südtribüne sorgt für Aufregung.
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Ein Spruchband der BVB-Fans auf der Südtribüne sorgt für Aufregung.

Die Ultras von BVB, Bayern München und dem 1. FC Köln gegen Dietmar Hopp und den DFB. Wir erklären, worum es bei den Auseinandersetzungen am Wochenende ging.

  • Der Konflikt zwischen diversen Fußball-Fan-Gruppierungen und Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp sowie dem DFB spitzt sich immer weiter zu.
  • Am Wochenende zeigten sich Ultras des FC Bayern München und des 1. FC Köln solidarisch mit jenen des BVB.
  • Wir erklären, was hinter der Auseinandersetzung steckt.

Dortmund - Der 29. Februar 2020 wird der deutschen Fußballlandschaft wohl noch lange in Erinnerungen bleiben. Nicht nur wegen des besonderen Datums, sondern als neue Eskalationsstufe im Kampf zwischen den Ultra-Gruppierungen verschiedener Vereine und dem DFB.

BVB, Bayern München und 1. FC Köln: Ultra-Gruppen protestieren gegen Dietmar Hopp und den DFB

In tiefer Betroffenheit trat Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge (64) nach dem 6:0-Erfolg gegen die TSG Hoffenheim vor die Fernsehkameras. "Ich schäme mich. Das ist das ganz hässliche Gesicht des FC Bayern" und "diese Leute haben in einem Fußballstadion nichts mehr verloren" klagte er. 

Zuvor hatte der Bayern-Boss sich bereits auf dem Platz solidarisch mit Dietmar Hopp (79) gezeigt. Um ein Zeichen gegen die Aktion der Ultras zu setzen, die einmal mehr Plakate mit der Aufschrift "Hur......n" an den Hoffenheim-Mäzen richteten und damit beinahe einen Spielabbruch provozierten.

BVB, Bayern München und 1. FC Köln: Ultra-Gruppen protestieren gegen Dietmar Hopp und den DFB

Damit zeigten sich die Bayern-Ultras solidarisch mit ihren Kollegen aus Dortmund, die schon länger eine Fehde mit dem SAP-Boss und DFB-Sponsor austragen. Diese führte inzwischen zu Anzeigen gegen einzelne Personen und zum kollektiven Ausschluss der kompletten BVB-Fanszene von Spielen in Hoffenheim für die Zeitspanne von zwei Jahren.

Damit brach der DFB nach Ansicht der Ultras sein Versprechen, künftig auf eine derart verallgemeinernde Form der Bestrafung zu verzichten. So kam es auch beim BVB-Spiel gegen den SC Freiburg erneut zu Protesten gegen Dietmar Hopp und den DFB. Ultras des 1. FC Köln schlossen sich beim Spiel ihres Vereins gegen den FC Schalke 04 ebenfalls an. Doch was steckt hinter dem Konflikt?

Video: Eklat bei Hoffenheim - FC Bayern: Spieler setzen nach Hopp-Schmähungen Zeichen

Den Ultras ging es mit ihren Aktionen ursprünglich nicht so sehr um die Person Dietmar Hopp, sondern vielmehr um ihn als finanzstarken Chef des DFB-Premiumpartners SAP, der ihrer Ansicht nach für eine vermeintliche Entfremdung des Fußballs von seiner Basis und die Kommerzialisierung des Sports steht.

Kommerzialisierung im Fußball? Feindbild RB Leipzig und TSG Hoffenheim

Dabei kommt es immer wieder zu verbalen Angriffen auf Spieler von RB Leipzig, die von Red Bull gesponsert werden, oder eben auf Dietmar Hopp, der mit SAP sowohl die TSG Hoffenheim als auch den DFB finanziell unterstützt. Trauriger Höhepunkt der Auseinandersetzung: Beim diversen Spielen zeigten Fans Plakate, auf denen sie Dietmar Hopp mit einem Fadenkreuz "ins Visier" nahmen.

Der Hoffenheim-Mäzen ist nicht der erste Mensch im Fußballgeschäft, der sich Anfeindungen von gegnerischen Fangruppen ausgesetzt sieht. Davon kann auch Timo Werner (23) ein Lied singen, der seit einer Schwalbe und einem damit verbundenen Tor für RB Leipzig viele Fußball-Fans gegen sich hat. Der Unterschied jedoch: Dietmar Hopp ging rigoros gegen die Ultras vor, weshalb sich die Fronten zusehends verhärteten.

Dortmunder Fans halten beim Spiel gegen die TSG Hoffenheim (22. September 2018) ein Transparent mit dem Konterfei von Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp unter einem Fadenkreuz in die Höhe.

Dietmar Hopp: Reaktionen von DFB und Vereinen geben Rätsel auf

Am Samstag fand das unwürdige Drama in mehreren Akten seinen vorläufigen Höhepunkt. DFB-Präsident Fritz Keller (62) sagte den Ultras den Kampf an: "Ich glaube, wir sind hier wirklich an einem Tiefpunkt angekommen. Es geht hier nur mit Solidarität weiter".

Bayern-Stürmer Thomas Müller (30) twitterte: "Gebt Hetzkampagnen, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie und allen anderen Anfeindungen keine Chance". Jener Thomas Müller, der vor einiger Zeit in der Debatte um Mesut Özil (31) bei der Nationalmannschaft noch verlauten ließ: "Von Rassismus im Sport und in der Nationalmannschaft kann keine Rede sein" und eine "heuchlerische Diskussion" kritisierte.

Mehr Solidarität mit Dietmar Hopp als mit anderen Betroffenen?

Solidarität mit Dietmar Hopp, mag gut sein. Viele Fans kritisieren aber, dass der DFB diese an anderer Stelle nicht zeigt. Rassismus und Sexismus werde im Stadion nicht so vehement bekämpft, wie die Beleidigung eines reichen Sponsors.

Solidarität hätte man sich beispielsweise auch für den deutschen U21-Nationalspieler Jordan Torunarigha (22) gewünscht, als dieser beim Spiel von Hertha BSC gegen den FC Schalke 04 Opfer von rassistischen Beleidigungen und anschließend vom Platz gestellt wurde. Damals gab es keinen drohenden Spielabbruch - und auch Karl-Heinz Rummenigge hatte nach der Partie keine bedeutungsschwangeren Worte übrig.

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