Frust-Interview nach Pleite

BVB-Sieg bringt Paderborn-Trainer auf die Palme: Baumgart mit spektakulärer Wutrede gegen Schiri

Dieses TV-Interview wird in die Geschichte eingehen. Paderborn-Trainer Steffen Baumgart war nach dem DFB-Pokal-Achtelfinale rasend. Auslöser war der BVB-Siegtreffer von Erling Haaland.

Dortmund - Der knappe BVB-Sieg im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den SC Paderborn nach Verlängerung* dürfte in jedem Rückblick auf die Saison 2020/2021 einen Platz finden, wie RUHR24.de* berichtet. Allerdings nicht nur, weil der Zweitligist aus Ostwestfalen den Champions-League-Aspiranten Borussia Dortmund* 120 Minuten lang an den Rand der Verzweiflung trieb.

NameSteffen Baumgart
Geboren5. Januar 1972 (Alter 49 Jahre), Rostock
Größe1,78 Meter
EhepartnerinKatja Baumgart
Aktueller Verein als TrainerSC Paderborn
Vereine als SpielerHansa Rostock, VfL Wolfsburg, Union Berlin, Energie Cottbus, 1. FC Magdeburg

Steffen Baumgart (SC Paderborn): Frust-Interview nach Pokal-Pleite beim BVB wegen Schiedsrichter Stieler

Denn obwohl der DFB-Pokal-Abend im Signal Iduna Park sowieso schon aus Sicht des Gastgebers länger als geplant lief, gab es noch einmal eine ganz besondere Nachspielzeit. Entscheidenden Anteil daran hatte Steffen Baumgart (49), Trainer des SC Paderborn.

Der 49-Jährige kritisierte nach dem Erfolg des BVB live in einem TV-Interview Schiedsrichter Tobias Stieler (39) sehr scharf. Auslöser für den Frust des langjährigen Bundesligaspielers (225 Spiele) war der Siegtreffer von Erling Haaland* (20) in der Verlängerung.

Borussia Dortmund: BVB verspielt im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den SC Paderborn 2:0-Führung

Es lief die 95. Spielminute oder besser gesagt die fünfte Minute der Verlängerung. Denn: Der SC Paderborn hatte trotz einer 2:0-Führung des BVB tatsächlich noch den sehr späten Ausgleich vor dem Schlusspfiff erzielt.

Allein schon diese Szene war kurios genug. In der vierten Minute der Nachspielzeit war Sebastian Schonlau (26) im Strafraum von Borussia Dortmund zu Fall gekommen. Ein Pfiff blieb aber aus. Stattdessen setzte der Gastgeber zum Konter an, den Erling Haaland zum 3:1 abschloss.

Steffen Baumgart war nach dem DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den BVB außer sich. Der Trainer vom SC Paderborn war wegen Schiedsrichter Tobias Stieler mächtig angefressen.

BVB: Statt Tor von Erling Haaland Elfmeter für den SC Paderborn sowie Verlängerung im DFB-Pokal

Doch dann bekam Schiedsrichter Tobias Stieler ein Zeichen vom Video-Schiedsrichter Tobias Jöllenbeck (33). Zwei Minuten und eine VAR-Entscheidung später wurde das Tor von Erling Haaland aberkannt und der SC Paderborn bekam tatsächlich nachträglich doch noch einen Elfmeter zugesprochen.

Prince Owusu (24) nahm sich der Sache an und traf in der 97. Minute, wohlgemerkt hier die siebte Minute der Nachspielzeit, zum 2:2-Ausgleich gegen den BVB. Der hatte bis zur 79. Minute nach Toren von Emre Can (6.) und Jadon Sancho (16.) noch mit 2:0 geführt.

BVB: Siegtreffer von Erling Haaland gegen SC Paderborn – Steffen Baumgart wegen Schiedsrichter sauer

So aber durfte der SC Paderborn und musste der BVB außerplanmäßig im DFB-Pokal-Achtelfinale in die Verlängerung. Die war dann keine fünf Minuten alt, als Erling Haaland erneut für Borussia Dortmund traf.

Schiedsrichter Tobias Stieler war beim BVB-Sieg im DFB-Pokal gegen den SC Paderborn im Fokus. Vor allem wegen SCP-Trainer Steffen Baumgart.

Dieses Mal wurde der Treffer nicht vom Schiedsrichter-Team aberkannt – die Art und Weise der Anerkennung brachte aber Steffen Baumgart auf die Palme. Auslöser seines Ärgers war eine vermeintliche Abseitsstellung des Torschützen nach einem langen Pass von Thomas Delaney (29).

Steffen Baumgart (SC Paderborn): Frust-Interview live im TV nach Pokal-Pleite beim BVB

Fast fünf elend lange Minuten vergingen, in denen das Tor von Erling Haaland für den BVB überprüft wurde. Dabei ging es darum, ob Svante Ingelsson (22) vom SC Paderborn den Ball nach dem Pass von Thomas Delaney noch (entscheidend) berührte, wodurch eine mögliche Abseitsstellung aufgehoben worden wäre.

Schiedsrichter Tobias Stieler erklärte Steffen Baumgart, dass Svante Ingelsson aus seiner Wahrnehmung und aus der des Linienrichters den Ball gespielt habe. Doch das war selbst nach Ansicht der TV-Bilder nicht einwandfrei zu belegen. Übrigens ebenso wenig, ob überhaupt eine Abseitsstellung vorgelegen hätte. Trotzdem überraschte die erste Reaktion des Paderborn-Trainers nach der Partie im Interview mit der ARD nicht, als dieser die Bilder erstmals sah.

Steffen Baumgart (SC Paderborn): Art und Weise von Schiedsrichter Tobias Stieler eine Frechheit

„Das ist keine Veränderung des Balles, es ist keine Berührung des Balles und der rutscht durch.“ Steffen Baumgart verwies zwar ebenso darauf, dass es eine Vermutung sei und „das ist schwierig“ zu erkennen.

Doch ebenso beziehungsweise vor allem deswegen irritierte es ihn, dass Schiedsrichter Tobias Stieler sich die Szene zum BVB-Siegtreffer nicht wenigstens selbst am Bildschirm noch einmal anschaute, um sich ein eigenes Bild machen zu können. „Das ist eine Frechheit. Das ist eine absolute Frechheit, muss ich ganz ehrlich sagen.“ Das war aber nur der Beginn eines regelrechten Frust-Interviews.

Steffen Baumgart (SC Paderborn): Schiedsrichter Tobias Stieler hätte Tor am Bildschirm kontrollieren sollen

Stein des Anstoßes für Steffen Baumgart war die Art und Weise, wie Schiedsrichter Tobias Stieler mit der Situation umgegangen war. „Wenn er zum Bildschirm hingeht und dann danach immer noch sagt, dass das Bein den Ball berührt hat, ist es für mich okay. Aber gar nicht zur Außenlinie gehen und sich das noch nicht einmal anschauen... Das war das Einzige, was ich von ihm erwartet habe. Aber dann kommt er zu mir und sagt, dass seine Wahrnehmung wichtiger sei als das, was ihm gesagt wird.“

Redebedarf: Schiedsrichter Tobias Stieler (2.v.l.) erklärt Steffen Baumgart, warum das 3:2 vom BVB gegen den SC Paderborn zählt.

Dass der VAR – nicht nur beim DFB-Pokal-Spiel gegen den BVB – eingesetzt wird, findet der Trainer des SC Paderborn grundsätzlich gut. „Ich finde den richtig gut und wichtig. Er bringt viel Fairness in die Sache. Aber, dass er gar nicht herausgeht, um sich das anzuschauen, ärgert mich. Das ärgert mich für die Jungs, für die Leistung – das hat keiner verdient. Aber dann müssen wir uns nicht wundern, dass wir ständig darüber diskutieren, weil wir uns dann zum Affen machen.“

Steffen Baumgart nach BVB gegen SC Paderborn: Kein Respekt – den Kleinen wird wieder in Arsch getreten

Knapp vier Minuten lang dauerte die Brandrede von Steffen Baumgart. Das Spiel in Dortmund gegen den BVB war schon längst abgepfiffen. Bremsen wollte er sich nicht – war aber trotzdem vorsichtig.

„Ich muss aufpassen, dass die Worte nicht zu doll werden. Aber bevor mir wieder jemand erklärt, wir müssen sauber und respektvoll miteinander umgehen – Respekt bedeutet auch, sich diesen Scheiß anzugucken und dann eine Entscheidung zu treffen. Das ist respektvoller Umgang mit dem Gegner und nicht mit den Kleinen, denen wieder in den Arsch getreten wird.“

Erling Haaland (r.) traf im DFB-Pokal zweimal gegen den SC Paderborn. Aber nur der Siegtreffer für den BVB zählte.

Steffen Baumgart (SC Paderborn): Scharfe Kritik am Schiedsrichter nach Sichtung der TV-Bilder

Was Steffen Baumgart in dem Zusammenhang in dem Zusammenhang störte, machte er sogleich deutlich. „Ich kann doch nicht jedes Mal eine neue Entscheidung treffen. Heute machen wir es nicht und übermorgen machen wir es wieder. Dann muss sich keiner darüber wundern, wenn wir uns darüber aufregen.“

Dabei unterstrich der Trainer des SC Paderborn abermals, dass sein Spieler vor dem BVB-Tor nicht am Ball war, wie die TV-Bilder zeigen würden „Er ist nicht dran. Nicht dran! Und das kann er sich nicht einmal angucken? Wir stehen da sieben Minuten und frieren uns den Arsch ab und dann trifft er so eine Entscheidung!?“

Steffen Baumgart (SC Paderborn) nach Pleite beim BVB: „Ich bin keine Aktiengesellschaft“

Steffen Baumgart glaubt sogar, dass der Video-Schiedsrichter ihm empfohlen hat, das Tor abzuerkennen, Schiedsrichter Tobias Stieler sich aber auf seine Wahrnehmung verlassen hat. „Für uns geht es hier um 2 Millionen Euro. Ich bin keine Aktiengesellschaft“, so der ehemalige Stürmer mit Verweis auf den BVB.

„Wir kämpfen um jede müde Mark und dann kommt mir so einer entgegen. Das finde ich arrogant.“ Dass Tobias Stieler sich nach der Partie auf Nachfrage nicht äußern wollte, nahm der 49-Jährige zur Kenntnis. „Ich habe ihm gesagt, dass wenn ich die Szene noch einmal sehe, ich dazu etwas sagen werde. Denn das geht mir irgendwann auf den Zünder.“

Steffen Baumgart (SC Paderborn) nach Pokal-Pleite beim BVB: Post vom DFB könnte nach Kritik kommen

Der BVB war schon längst in den Katakomben, ehe Steffen Baumgart zum Ende seiner Brandrede kam. Er betonte nochmals, dass er den VAR gut fände, „weil er vieles gerechter macht. Aber sich das nicht anzugucken und von vornherein zu sagen: Ich sehe das richtig, obwohl wir jetzt sehen, dass es nicht richtig ist...“

Der Trainer des SC Paderborn ist jetzt „gespannt, ob ich einen Brief vom DFB kriege, weil ich mich etwas zu doll aufgeregt habe“. Die Nachspielzeit könnte also noch einmal in die Verlängerung gehen. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/dpa

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