Ausgleich der Finanzprobleme

BVB-Geschäftsführer erklärt: So profitiert Borussia Dortmund von der Corona-Krise

Borussia Dortmund hat während der Corona-Krise mit Finanzproblemen zu kämpfen. Doch der BVB sieht auch Vorteile in der Pandemie-Situation.

Dortmund – Viele Menschen müssen während der Corona-Krise auf etwas verzichten. Borussia Dortmund hat das Privileg, gemeinsam mit den anderen Profiklubs weiterhin den Fußball-Spielbetrieb ausüben zu können. BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer (51) spricht dennoch von einem möglichen Worst-Case-Szenario.

NameBorussia Dortmund
TrainerLucien Favre
StadionSignal Iduna Park
Kapazität81.365 Zuschauer

BVB und die Corona-Krise: Nur drei Spiele vor Fans im Signal Iduna Park seit Mai

Seit Mai 2020 spielt Borussia Dortmund fast durchgängig ohne Zuschauer im Signal Iduna Park. Nur bei drei Spielen durften auch Fans ins Stadion kommen: 9.300 gegen Borussia Mönchengladbach, 11.500 gegen den SC Freiburg, 300 gegen den FC Schalke 04. Von den eigentlich möglichen 81.365 Menschen waren die Schwarz-Gelben jedoch stets weit entfernt (alle News zum BVB auf RUHR24.de).

Das letzte Heimspiel vor vollen Rängen absolvierte der BVB Ende Februar 2020. Aufgrund der Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Coronavirus mussten auch die Schwarz-Gelben eine deutliche Einschränkung der Zuschauerzahl vornehmen. Seit Anfang November sind generell gar keine Zuschauer mehr zugelassen. Borussia Dortmund fehlen dadurch enorme Einnahmen.

BVB und die Corona-Krise: Borussia Dortmund beklagt den Wegfall der Fans im Stadion

Zuletzt war BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (61) im Clinch mit Angela Merkel. In einem offenen Brief äußerte sich Borussia Dortmund nicht gerade positiv über den Ausschluss der Fans. „Der Profifußball ist nachweislich kein Treiber der Pandemie. Und ehrlich gesagt sieht das auch niemand anders. Gerade vor diesem Hintergrund ist es schwierig zu akzeptieren, dass Fakten nicht zählen“, hieß es vonseiten des Klubs.

Der zweite von drei Geschäftsführern beim BVB, Carsten Cramer, legt nun in einem Interview mit Spox noch einmal nach: „Ja, die Positiv-Quote ist gestiegen – aber eben auch die absolute Zahl der Tests. Man sollte häufiger das Verursacher-Prinzip anwenden. Wenn also erkennbar ist, dass von einer Veranstaltung kein überdurchschnittliches Risiko ausgeht, weiß ich nicht, ob man ihr sofort komplett den Stecker ziehen muss.“

Carsten Cramer (l.), hier mit BVB-Stadionsprecher Norbert Dickel, ist seit März 2018 einer von drei Geschäftsführern bei Borussia Dortmund.

Er trage die Beschlüsse der Politik mit, der 51-Jährige erklärt aber: „Es ist ja nicht der Fall, dass man von heute auf morgen wieder vor 50.000 Zuschauern spielen will. Es geht um die Verhältnismäßigkeit.“ Dem Fußball fehle aus Sicht des BVB-Geschäftsführers die emotionale Note, um die Krise langfristig überstehen zu können.

BVB und die Corona-Krise: Borussia Dortmund fürchtet sich vor einem Worst-Case-Szenario

So spricht Carsten Cramer auch von einem Worst-Case-Szenario: „Wir sind wie jeder andere Profiklub nicht in der Lage, dieses Szenario über einen langfristigen Zeitraum zu überleben.“

Allerdings biete die Corona-Krise dem BVB auch eine große Chance. Carsten Cramer sieht nämlich nicht nur Nachteile durch die Pandemie bei Borussia Dortmund.

„Wir haben im digitalen Bereich unfassbar zugelegt, das hilft uns enorm. Auch wenn uns allen die Ursache nicht gefällt: In diesem Tempo hätten wir uns im digitalen Bereich ohne Corona definitiv nicht weiterentwickelt“, so der BVB-Geschäftsführer (alle News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

BVB und die Corona-Krise: Borussia Dortmund will den Ticketverkauf besser gestalten

So habe sich Borussia Dortmund auch im Bereich Ticketing auf digitaler Ebene weiterentwickelt. Die Bestellung von Tickets über das Internet war vor der Corona-Pandemie beim BVB noch nicht so weit ausgebaut, wie bei manch anderem Bundesliga-Klub. Viel lief bis dato über eine Telefon-Hotline.

„Ich will jetzt noch nicht ankündigen, dass wir unsere Hotline abschaffen, bin mir aber sicher, dass der Ticketing-Vertrieb flexibler, dynamischer und unkomplizierter werden wird“, sagt Carsten Cramer. Zudem profitiere der BVB auch in wirtschaftlicher Hinsicht davon, dass der Klub vor der Saison nicht wie gewohnt 2,5 Millionen Ticketrohlinge bestellen musste.

Vor der Corona-Pandemie musste der BVB 2,5 Millionen Ticketrohlinge pro Saison bestellen.

BVB und die Corona-Krise: Ein großer Teil des Umsatzes bricht bei Borussia Dortmund weg

Sammlern, die sich beispielsweise jedes Ticket eines Stadionbesuches beim BVB aufheben, möchte Carsten Cramer jedoch ihr Hobby nicht nehmen. „Ich möchte dem Fußballromantiker nicht sein Ticketrohling-Sammelhobby abspenstig machen, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass die Plastikdauerkarte oder die Tageskarte in Papierform künftig die Ausnahme bleiben wird.“

Doch trotz der Vorteile im digitalen Bereich hat Borussia Dortmund mit der Corona-Krise enorm zu kämpfen. Die fehlenden Fans an den Spieltagen spielen die Hauptrolle. „Wir können durch den digitalen Bereich vieles kompensieren, aber ganz sicher nicht alles. Ganz entscheidend ist dabei auch für uns die Austragung unserer Heimspiele“, sagt Carsten Cramer.

BVB leidet unter der Corona-Krise: Carsten Cramer beklagt Verluste

Der BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer fügt zudem an: „Wenn die Fanwelt an einem Spieltag plötzlich nur von 222 Menschen betreten werden kann, normalerweise aber pro Spieltag rund 200.000 Euro Umsatz macht, kann man das online nicht kompensieren.“

So hofft der BVB, dass die Fans so schnell wie möglich wieder in den Signal Iduna Park zurückkehren können. Eine Beschaffung der Ticketrohlinge wäre dann wohl das geringste Problem für Borussia Dortmund.

Rubriklistenbild: © David Inderlied/Kirchner-Media