Krise auch in Dortmund

BVB-Boss Watzke zeichnet düstere Corona-Folgen für die Bundesliga

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erwartet wegen der Corona-Pandemie heftige Folgen für alle Bundesliga-Klubs. Auch Borussia Dortmund hat finanziell schwer zu kämpfen.

Dortmund – Die Corona-Pandemie traf auch die Bundesliga-Vereine voll. Borussia Dortmund hatte sich in den vergangenen Jahren ein gutes finanzielles Polster erarbeitet. Doch jetzt spricht BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (61) im Interview mit dem Handelsblatt von Verbindlichkeiten und einer Zeitspanne von mindestens fünf Jahren, um den Status Quo vor der Krise erreichen zu können.

NameHans-Joachim Watzke
Geboren21. Juni 1959 (Alter 61 Jahre), Marsberg
EhepartnerinAnnette Watzke
AusbildungUniversität Paderborn (1979-1984)
Aktueller VereinBorussia Dortmund
Position beim BVBGeschäftsführer (seit 2005)

BVB: Borussia Dortmund fehlen die Zuschauereinnahmen

Borussia Dortmund spielte das letzte Mal Ende Februar 2020 vor vollem Haus im Signal Iduna Park. Seitdem fehlen die Zuschauereinnahmen fast komplett. Daher sagt auch Hans-Joachim Watzke im Interview: „Das Geschäftsmodell des Fußballs besteht seit jeher darin, dass Zuschauer sich an diesem Spiel erfreuen, Eintritt zahlen und für weitere spieltagsnahe Umsätze sorgen.“

So zeichnet Hans-Joachim Watzke nicht für die Bundesliga, sondern auch für nahezu jeden Klub auf der Welt ein düsteres Bild: „Es gibt meines Erachtens keinen Klub auf der Welt, der ohne diese operative Situation Gewinne machen kann – es sei denn, er verkauft sein Tafelsilber.“

BVB: Hans-Joachim Watzke musste bei Borussia Dortmund viele Einsparungen vornehmen

So habe Borussia Dortmund „das maximale Geld dort eingespart, wo es möglich war“, so Watzke. Die Spieler des BVB setzten in der Corona-Pandemie ein Zeichen. Der Klub sparte durch den zehnprozentigen Gehaltsverzicht der Profis. Auch die Bosse hätten laut den Ruhr Nachrichten diesem Weg zugestimmt, sodass die Schwarz-Gelben aktuell hochgerechnet auf ein Jahr rund 15 Millionen Euro einsparen würden.

Zudem erklärte BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer (52), dass Borussia Dortmund auch von der Corona-Krise profitiere. Allerdings betreffe das lediglich die Entwicklung im Bereich Ticketing, wo sich die Westfalen auf digitaler Ebene weiterentwickelt haben. So ist jetzt die Bestellung von Tickets vorrangig über das Internet statt über eine Telefon-Hotline möglich.

Hans Joachim-Watzke sieht große Probleme für die Bundesliga und Borussia Dortmund durch die Corona-Pandemie. Die Folgen aufzuholen, dauere viele Jahre, so der BVB-Geschäftsführer.

Dennoch: Große finanzielle Sprünge werden beim BVB in den kommenden Monaten wohl nicht drin sein. So hat Borussia Dortmund in der jüngeren Vergangenheit etwa durch den Verkauf von Ousmane Dembele (23) über 140 Millionen Euro eingenommen, doch die Corona-Pandemie machte alle Pläne zunichte.

BVB: Borussia Dortmund hat durch die Corona-Pandemie wieder Verbindlichkeiten

Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres hat der BVB einen Verlust in Höhe von 26 Millionen Euro eingefahren, wie die Halbjahresbilanz zeigt. Vor der Corona-Pandemie war Borussia Dortmund froh, schwarze Zahlen schreiben zu können.

„Wir haben im vergangenen Jahrzehnt sehr konservativ gearbeitet. Deshalb kommt uns zugute, dass wir mit Beginn der Pandemie keinen einzigen Cent Finanzverbindlichkeiten hatten“, so Hans-Joachim Watzke. Aktuell bewegen sich die Verbindlichkeiten laut dem BVB-Boss bei 26,7 Millionen Euro.

Aber nicht nur Borussia Dortmund hat mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen, sondern die gesamte Bundesliga. Manch ein Klub, wie etwa der FC Schalke 04, musste sogar Hilfen vom Land annehmen. Der S04 bekam eine Landesbürgschaft über 31,5 Millionen Euro zugesprochen. Ein in der Wirtschaft durchaus normaler Vorgang, auch der BVB brauchte im Jahr 2005 die Hilfe des Landes NRW.

BVB: Der Status Quo vor der Corona-Pandemie werde erst in frühestens fünf Jahren wieder erreicht

Daher mahnt Hans-Joachim Watzke bei der Bewertung der finanziellen Schieflage einzelner zur Vorsicht: „Es ist zu früh, um mit dem Finger auf andere Klubs zu zeigen. Schließlich konnte niemand absehen, dass das Geschäftsmodell plötzlich vollständig zerschossen wird.“

Mindestens fünf Jahre werde es laut dem BVB-Boss dauern, um wieder den Stand vor der Corona-Pandemie in finanzieller Hinsicht erreichen zu können. Womöglich braucht manch ein Verein noch viel länger. Das alles könne aber auch nur unter einer Bedingung geschehen: der Rückkehr zu Spielen vor Zuschauern.

Der Vertrag von Hans-Joachim Watzke läuft beim BVB Ende 2022 aus. Eigentlich wollte der Geschäftsführer aufhören.

„Wir brauchen in Anführungszeichen ‚nur‘ unser Geschäftsmodell zurück – das ist der entscheidende Punkt. Unser Geschäftsmodell trägt – das haben wir über viele Jahre nachhaltig bewiesen – sobald wir wieder vor Zuschauern spielen. Und irgendwann wird es wieder so weit sein“, so Hans-Joachim Watzke.

BVB: Hans-Joachim Watzke möchte Borussia Dortmund nicht während der Krise verlassen

Der Vertrag des BVB-Geschäftsführers würde Ende 2022 eigentlich auslaufen – wahrscheinlich mitten in einer der schwersten finanziellen Krisen der Bundesliga und von Borussia Dortmund seit vielen Jahren. Denn wann die Schwarz-Gelben wieder schwarze Zahlen schreiben „kann ich nicht sagen, weil coronabedingt keine Prognosen möglich sind“, sagte Hans-Joachim Watzke im Interview.

Doch so wolle er den BVB einem Nachfolger nicht überlassen. Es klingt danach, dass Hans-Joachim Watzke seine ursprünglichen Pläne, Ende 2022 aufzuhören, verwerfe: „Ich kenne meine Verantwortung gegenüber diesem Verein sehr genau. Es ist völlig ausgeschlossen, dass ich in der größten Krise von Bord gehe.“

Stattdessen wolle Hans-Joachim Watzke den BVB in finanzieller Hinsicht wieder auf gesunde Beine stellen. Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund macht Hoffnung: „Ich mache mir dennoch keine Sorgen, dass wir die Situation nicht bewältigen.“

Rubriklistenbild: © David Inderlied/dpa

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