Bild: Foto: Andreas Gora/dpa

Der BVB hat bei der 1:3-Niederlage gegen Union Berlin eklatante Schwächen offenbart. Borussia Dortmund agierte in manchen Situationen wie ein Absteiger.

  • Der BVB schafft es auch gegen Union Berlin nicht, die chronische Schwäche nach ruhenden Bällen abzustellen.
  • Rassigen Zweikämpfen geht der BVB eher aus dem Weg: Nur 2 Fouls in 90 Minuten.
  • Als Vorbild sollte Lucien Favre (61) mehr Mut zeigen – das fängt schon bei der Aufstellung seiner Mannschaft an.

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Und täglich grüßt die Standardschwäche des BVB. Im Kalenderjahr 2019 kassierte Borussia Dortmund bereits acht (!) Gegentore nach Ecken. So auch gegen Union Berlin.

Bei gegnerischen Standards ist der BVB schwach wie ein Absteiger

Insgesamt zappelte der Ball in diesem Zeitraum nach Standardsituationen bereits 14 Mal im Netz von BVB-Torhüter Roman Bürki (28). In diesem Bereich hat die Elf von Cheftrainer Lucien Favre (61) die Bilanz eines direkten Absteigers.

Dennoch lässt der Schweizer Übungsleiter nach Ecken – beinahe beratungsresistent – weiterhin stoisch im Raum verteidigen. Dass das nicht funktioniert, zeigen die Zahlen deutlich. Folgerichtig erzielte so auch Union Berlin den 1:0-Führungstreffer am vergangenen Wochenende. Mit einem Flachschuss aus dem Strafraum wohlgemerkt.

Gegen Union Berlin ließ Borussia Dortmund die Laufbereitschaft vermissen

Gegen die „Eisernen“ offenbarte der BVB jedoch weitere eklatante Schwächen. So mangelte es dem selbsternannten Meisterschaftskandidaten an Willen und vor allem an Laufbereitschaft.

Zusammen brachten die Spieler von Borussia Dortmund 119,15 Kilometer auf den Rasen. Zum Vergleich: Union Berlin spulte beeindruckende 126,39 Kilometer ab. Mehr als sieben Kilometer mehr als der BVB. Das ist eine erschreckende und zugleich vielsagende Bilanz. Mindestens ebenso erschreckend wie die Bilanz gegen Aufsteiger.

Der BVB agiert kopf- und körperlos

Des Weiteren ließ der BVB gegen Union Berlin jegliche Form der Körperlichkeit vermissen: Den besten Beweis lieferte Manuel Akanji, der im nächsten Spiel von Julian Weigl ersetzt werden könnte, als er einen Union-Stürmer auf dem Weg zum Tor nur passiv begleitete. Lediglich zwei Fouls in 90 Minuten (Union kommt auf dreizehn!) – und das nicht zum ersten Mal in diesen Wochen. Ein Symbolbild für einen völlig lethargischen Auftritt der Dortmunder Borussia. Es wirkt so, als gelte als oberste Prämisse: Bloß jedem harten Zweikampf aus dem Weg gehen!

Spielerische Klasse der Borussia ist nicht immer der Schlüssel zum Erfolg

Auffällig ist: Immer wieder hat Borussia Dortmund gegen die vermeintlich „kleineren“ Gegner Probleme. So verpassten es die Schwarz-Gelben, gegen den Aufsteiger die dringend nötigen Zeichen zu setzen. Schließlich lässt sich nicht alles über die spielerische Klasse der Mannschaft lösen.

Und wo ist eigentlich der Kapitän? Marco Reus (30) kritisierte wie Julian Brandt (23) den fehlenden Willen der Mannschaft. Und zwar direkt nach Spielende! Für Jürgen Kohler (53) greift dies jedoch zu kurz – er fordert von einem Leader deutlich mehr Präsenz auf dem Platz.

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Daher ist es wenig verwunderlich, dass auch Michael Zorc (57) im Gespräch mit dem kicker brodelte: „Wenn unsere Spieler feststellen, dass die anderen den Sieg mehr wollten, dann ist das äußerst bedenklich“ so der 57-Jährige.

Lucien Favre muss endlich mehr Risikobereitschaft zeigen

Frei von Kritik kann auch BVB-Trainer Lucien Favre (61) nach dem vermasselten Auftritt beim Aufsteiger nicht bleiben. Ähnlich wie bei den Standardsituationen hielt der 61-Jährige stoisch an der Doppelsechs fest. Selbst nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Delaney, als eine Umstellung auf ein offensiveres System mit Spielern wie Götze, Guerreiro oder Bruun Larsen problemlos möglich gewesen wäre.

Der Übungsleiter stellt damit die vermeintliche Stabilität seiner Elf in den Vordergrund. Das dies nicht von Erfolg geprägt ist, zeigen fünf Gegentreffer aus drei Saisonspielen – und diese allesamt gegen die vermeintlichen Underdogs der Liga. Mehr Mut von den sportlich Verantwortlichen würde dem bislang enttäuschenden BVB-Fußballjahr wahrlich gut zu Gesicht stehen.