Kommentierende Analyse

BVB-Neuzugang Anthony Modeste wird immer mehr zum Fehleinkauf

Der BVB wird mit Anthony Modeste nicht glücklich werden. Der Stürmer wird immer mehr zum Fehleinkauf. Eine kommentierende Analyse.

Dortmund – Durch den langfristigen Ausfall von Stürmer Sébastien Haller war der BVB zum Handeln gezwungen. Mit Anthony Modeste (34) versuchten die Westfalen die qualitative Fallhöhe durch einen arrivierten Bundesliga-Stürmer zu kompensieren. Für Borussia Dortmund geht dieser Schachzug allerdings bislang nicht auf, findet RUHR24-Autor Sven Fekkers.

Vollständiger NameAnthony Mbu Agogo Modeste
Geboren14. April 1988 (Alter 34), Cannes, Frankreich
Größe1,87 Meter
Aktuelles TeamBorussia Dortmund

BVB-Neuzugang Modeste enttäuscht: Not-Transfer wird immer mehr zum Fehleinkauf

Schlimmer noch: Anthony Modeste ist drauf und dran, sich den unrühmlichen Titel „Fehleinkauf der Saison“ zu verdienen. Der Neuzugang konnte bislang in sechs Pflichtspielen weder spielerisch noch numerisch überzeugen.

Lediglich über einen Treffer durfte sich der aus Köln gewechselte Franzose bislang freuen. In 500 Spielminuten wohlgemerkt. Wer dachte, dass bei ihm nach dem erlösenden 1:0 gegen Hertha BSC endlich der gordische Knoten platzte, wurde schnell eines Besseren belehrt.

BVB-Neuzugang Anthony Modeste glänzt mit Mager-Auftritten

Anthony Modeste knüpfte auch danach nahtlos an seine Mager-Auftritte im Trikot der Dortmunder Borussia an. Seinen spielerischen Tiefpunkt erreichte der 34-Jährige beim westfälischen Komplettversagen bei RB Leipzig (0:3).

Mickrige neun Ballkontakte durfte der sonst so treffsichere Stürmer – wechselte mit der Empfehlung von 20 Bundesliga-Treffern aus der Vorsaison an die Dortmunder Strobelallee – zur Pause als „Arbeitsnachweis“ in seine BVB-Vita eintragen. Erst nach 87 Spielminuten nahm Cheftrainer Edin Terzic den erlösenden Wechsel vor (RUHR24 quittierte die Leistung in der Einzelkritik mit der Note 6).

Anthony Modeste kassierte in der BVB-Einzelkritik gegen RB Leipzig die Note 6.

Probleme des BVB greifen tiefer: Modeste nicht der Alleinschuldige

Den BVB-Fans Anthony Modeste als Alleinschuldigen, als Wurzel allen Übels, zu präsentieren, greift allerdings erheblich zu kurz. Die „schwarz-gelben“ Probleme wiegen weitaus schwerer als ein bislang mangelhaft eingebundener Neuzugang.

Die Gründe für die Dortmunder Sturm-Misere (acht Treffer in sechs Bundesliga-Spielen) sind mannigfaltig und aktuell nur schwierig zu beheben. Zum langfristigen Ausfall von Sébastien Haller gesellen sich aktuell zahlreiche nicht spielfähige Akteure.

Verletzungssorgen des BVB beeinflussen auch Anthony Modeste

Im Bundesliga-Spiel gegen RB Leipzig musste der BVB auf den offensiven Flügeln auf Donyell Malen, Karim Adeyemi, Thorgan Hazard und Jamie Bynoe-Gittens verzichten. Ein daraus resultierendes Geschwindigkeitsdefizit war die unübersehbare Folge und auch durch Anthony Modeste nicht zu kompensieren.

Dennoch erinnerte der Franzose an einen Bummelzug, der selbst bei einem deutschen Personenbeförderungsunternehmen für eine massive Verspätungswelle sorgen würde. Um diese Probleme ist sich Cheftrainer Edin Terzic bewusst: „Wir haben nicht die Illusion, dass wir aus Tony noch einen 35-km/h-Stürmer machen.“ Dennoch fehlen dem deutschen Vizemeister aktuell die Mittel oder gar die Ideen, seinen Neuzugang gewinnbringend ins Spiel einzubinden.

BVB fehlen die Flanken: Anthony Modeste „verhungert“ im Strafraum

Daher lohnt sich ein Blick auf Modestes ehemaligen Arbeitgeber 1. FC Köln. Wie haben es die Rheinländer geschafft, dem Stürmer zu 20 Saisontoren zu verhelfen?

Ähnlich wie bereits in der vergangenen Saison sind die Schützlinge von Trainer Steffen Baumgart auch in dieser Saison die Flankenkönige der Liga (14,5 pro Begegnung). Rund 15 Flanken pro Spiel brachte der „Effzeh“ in der Spielzeit 2021/22 in den gegnerischen Strafraum (505 insgesamt, via Bundesliga.de).

Anthony Modeste kann bislang nicht im Trikot des BVB überzeugen.

Muss der BVB sein Spiel auf Neuzugang Anthony Modeste zuschneiden?

Nur allzu häufig hieß der Abnehmer der Kölner-Flankenorgie Anthony Modeste. Beim BVB darf sich der 34-Jährige lediglich über acht Hereingaben pro Spiel „freuen“.

Will Borussia Dortmund einen höheren Ertrag aus seinem „Not-Transfer“ herauskitzeln, sollte man zumindest über eine angepasste Herangehensweise diskutieren. Dies wirft jedoch die berechtigte Frage nach dem Adressanten der Hereingaben auf. Böse Zungen behaupten gar, dass kein einziger Spieler im Kader der Dortmunder Borussia regelmäßig dazu in der Lage ist, eine brauchbare Flanke in den gegnerischen Strafraum zu schlagen.

BVB-Neuzugang Anthony Modeste enttäuscht spielerisch auf ganzer Linie

In Gänze greift der Wunsch nach einer höheren Anzahl von Hereingaben ohnehin zu kurz. Vielmehr muss es Anthony Modeste selbst schaffen, sich mehr ins Spiel des BVB einzubringen.

Dies gelang dem 34-Jährigen bislang mit mäßigem Erfolg. Gegen RB Leipzig brachte der Franzose lediglich zehn seiner insgesamt 14 Zuspiele an den Mitspieler (dies entspricht einer Passquote von 71 Prozent; via kicker). Zu wenig, um das lahmende Offensivspiel seiner Mannschaft anzukurbeln

BVB-Neuzugang Anthony Modeste mangelt es an Konkurrenz

Darüber hinaus sieht sich die Offensive des BVB aktuell mit einem weiteren Problem konfrontiert. Aktuell mangelt es Anthony Modeste an ernstzunehmender Konkurrenz.

Denn wirklichen Druck auf seinen Sturmpartner kann der gerade erst 17-jährige Youssoufa Moukoko aktuell nicht ausüben. Das Ausnahmetalent kann seine PS in der laufenden Spielzeit ebenfalls noch nicht auf den Platz bringen.

Borussia Dortmund muss bei Anthony Modeste also entweder eine Menge Geduld aufbringen oder auf ein vorgezogenes Weihnachtswunder hoffen. In der aktuellen Verfassung fehlt schlicht der Glaube, dass der 34-Jährige zeitnah zu einer ernsthaften Verstärkung für seinen neuen Arbeitgeber wird. Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Marco Steinbrenner/Kirchner-Media

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